Donnerstag, 19. Oktober 2017
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mit Vera Lengsfeld

Schönhauser Lesung
mit Vera Lengsfeld

Vera Lengsfeld

Die Schönhauser Lesungen finden seit dem Jahr 2010 in den Räumen der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) statt. In diesem Jahr stehen die Lesungen im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls. Eingeladen werden Zeitzeugen und Wegbereiter der friedlichen Revolution. Vera Lengsfeld eröffnet am Donnerstag, den 27. Februar 2014 die Reihe.

Vera Lengsfeld
Vera Lengsfeld – Foto: Landesbeauftagter für die Unterlagem des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR

Vera Lengsfeld stammt aus Thüringen (* 4. Mai 1952 in Sondershausen) und ist Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst bis 1996 für die Bündnis 90/Die Grünen, seit 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. Im Juli 2012 wurde sie zur Landesvorsitzenden der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) Berlin-Brandenburg gewählt.

Exponiert in der DDR-Friedensbewegung

Nach dem Abitur begann Vera Lengsfeld 1970 ein Studium der Geschichte der Arbeiterbewegung an der Karl-Marx-Universität Leipzig und studierte ab 1972 Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Danach arbeitetet sie als Lektorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Philosophie in der Akademie der Wissenschaften der DDR. Seit 1975 war sie Mitglied der SED. Nach einem Parteiverfahren wurde sie an das Wissenschaftliche Informationszentrum der Akademie der Wissenschaften versetzt.

Seit dem Jahr 1981 war sie in verschiedenen Oppositionsgruppen tätig und gründete im Herbst 1981 den Friedenskreis Pankow mit.

Wegen dieser Aktivitäten erhielt sie ein Berufsverbot, und arbeitete danach im Verlag Neues Leben als Lektorin.

Ihre ihrer öffentlichen Proteste gegen die Aufstellung von Atomraketen in der DDR führten 1983 zu ihrem Ausschluß aus der SED. Ab 1985 arbeitete sie als Imkerin und Übersetzerin und begann ein Studium der Theologie am Sprachenkonvikt Berlin.

In der Gruppe Gegenstimmen moderierte sie im Jahre 1986 das erste Menschenrechtsseminar in der evangelischen Gemeinde Berlin-Friedrichsfelde. 1987 war sie Mitgründerin der Kirche von Unten und beteiligte sich an der Umwelt-Bibliothek im Gemeindehaus der Zionskirche und nahm auch an deren Protestaktionen teil. Ihr Engagement umfasste auch die Organisation zahlreicher Großveranstaltungen der Friedens- und Umweltbewegung der DDR.

Im Januar 1988 wurde sie auf dem Weg zur Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin verhaftet. Nach Untersuchungshaft in der zentralen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen des MfS wurde sie vom Stadtbezirksgericht Lichtenberg wegen „versuchter Zusammenrottung“ zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Vera Lengsfeld als Opfer der Stasi

Ihr damaliger Anwalt Wolfgang Schnur erreichte, dass sie ihrer Abschiebung ins westliche Ausland zustimmte, statt ihre Haft abzusitzen. Sie ging für knapp zwei Jahre nach Cambridge in Großbritannien, wo sie am St. John’s College Philosophy of Religion studierte und einen Master-Studiengang abschloss. Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, kehrte sie aus privaten Gründen in die DDR zurück.
Wolfgang Schnur wurde später als Inoffizieller Mitarbeiter des MfS enttarnt.

Vera Lengsfeld ist zweimal geschieden, hat drei Kinder und war in erster Ehe mit dem Journalisten Sebastian Kleinschmidt, verheiratet. Nach der Wende im Jahr 1991 erfuhr sie aus den Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit, dass ihr zweiter Ehemann, der Lyriker Knud Wollenberger, sie als IM Donald bespitzelt hatte. Sie reichte die Scheidung ein und nahm ihren Geburtsnamen wieder an.

Wechselvolle politische Biografie

Vera Lengsfeld trat als Bürgerrechtlerin in die Grüne Partei in der DDR ein, wurde für diese am 18. März 1990 in die Volkskammer der DDR gewählt. Bis zu deren Auflösung am 2. Oktober 1990 war sie stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Abrüstung und Verteidigung. Als Vertreterin der Grünen Partei arbeitete sie in der Arbeitsgruppe Neue Verfassung der DDR des Runden Tisches mit. Sie war im Wahlkreis Berlin gewählt worden und gehörte zu den Abgeordneten, die zum 3. Oktober 1990 aus der Volkskammer in den Bundestag entsandt wurden.
Mit den Wahlen zum 12. Deutschen Bundestag am 2. Dezember 1990 wurde Vera Wollenberger für das Wahlbündnis aus Bündnis 90 und den ostdeutschen Grünen erneut Mitglied des Deutschen Bundestages.
Aus Protest gegen eine von ihr befürchtete zukünftige rot-rot-grüne Koalition, eine Koalition von Bündnis 90/Die Grünen zusammen mit der PDS, trat sie aus ihrer Partei aus, und schloss sich mit anderen Bürgerrechtlern wie Günter Nooke und Ehrhart Neubert am 17. Dezember 1996 der CDU an.

Danach wurde sie erneut im 14. und 15. Bundestag als CDU-Bundestagsabgeordnete der thüringischen Landesliste wiedergewählt. Heute ist sie als Autorin und Publizistin tätig.

1. Schönhauser Lesung 2014
mit Vera Lengfeld
Donnerstag, den 27. Februar 2014

18 Uhr im “Haus Berlin”, Eintritt frei

Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), Ossietzkystr. 44-45 – 13187 Berlin-Pankow

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m/s