Mittwoch, 22. November 2017
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Schulbeginn mit 41% Quereinsteiger-Pädagogen

Lehrerquereinsteiger_innen

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat eine lange Pressemitteilung zum neuen Schuljahresbeginn veröffentlicht, in dem rund 2.000 neue Lehrkräfte, ca. 450 Erzieherinnen und Erzieher sowie 65 Betreuerinnen und Betreuer an den Berliner Schulen neu begrüßt werden. Damit sollen die gestiegenen Schülerzahlen und laufend anstehende Pensionierungen ausgeglichen werden.

Die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler in Berlin 2017/2018 von 441.330 verzeichnet einen Anstieg um rund 6.700 Kinder. Die Zahl der Lehrkräfte wurde auf 33.383 gesteigert (Vorjahr 32.845), wobei rund 3.000 Neueinstellungen vorgenommen wurden. Die Zahl der Referendariatsplätze verblieb auf dem hohen Niveau von 2.700 Plätzen.

Was sich auf den ersten Blick wie eine Erfolgsbilanz liest, wird vom Landeselternausschuß hart kritisiert:

„In der Pressemitteilung ist kein Wort über Quereinsteigerinnen oder Quereinsteiger zu finden. Wie der Tagesspiegel unter Bezug auf den Gesamtpersonalrat am 28.08.2017 berichtete, steigt deren Quote das erste Mal seit Jahren auf über 40% für den Anteil der als Quereinsteiger_innen eingestellten Personen – Lehrkräfte wollen wir diese Menschen noch nicht nennen.“

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschuß äußert große Zweifel, ob die Qualität der Schulen mit einem derart hohen Anteil von Quereinsteiger_innen aufrecht erhalten werden kann.

In der Praxis gibt es bereits ein sehr gemischtes Bild:

„Als Eltern betrachten wir das Thema Quereinstieg mit gemischten Gefühlen. Einerseits erhalten wir positive Rückmeldungen über Quereinsteiger_innen, die echte Naturtalente und mit denen Schüler_innen und Eltern sehr zufrieden sind, und andererseits erhalten wir auch gegenteilige Meldungen, die wir aber auch über universitär ausgebildete Lehrkräfte erhalten.“

Heise gibt zu bedenken:

„Die Konsequenzen der möglichen Unterschiede in der Unterrichtsqualität und Wissensvermittlung im Vergleich zu universitär ausgebildete Lehrkräfte für Schüler_innen sind uns völlig unklar und nicht abschätzbar. Lehrkraft werden zu dürfen, führt sicherlich nicht einfach nur so über den Weg des Studiums. Die Zusammensetzungen der Klassen – gerade in Berlin – benötigen aber absolute Profis in Pädagogik.“

Landeselternausschuss fordert Untersuchung und Befragung bei den Schüler_innen

Der Landeselternausschusses fordert daher eine Evaluierung:

„Wir fordern daher eine Untersuchung und Befragung bei den Schüler_innen, um einen Vergleich des Unterrichts zwischen universitär ausgebildeten Lehrkräften und Quereinsteiger_innen zu haben. Vielleicht gibt es keinen Anlass zur Sorge, vielleicht zeigen die Ergebnisse aber auch Nachbesserungsbedarf.“, so Heise weiter.

Zu spätes Umsteuern der Lehrerausbildung beim Bildungsschlußlicht Berlin

In Berlin wurde in der Lehrerausbildung viel zu spät umgesteuert. Erst im Frühjahr 2017 wurden die elf Hochschulen in Berlin mit den Mitteln und einer fünfjährigen Planungssicherheit ausgestattet, um die Ausbildungskapazität von 1000 auf jährlich 2000 Lehrkräfte aufzustocken.
Dies wird aber nicht ausreichen, denn bis 2022 werden rund 30% aller Lehrkräfte die Ältersgrenze erreichen. Die Personalknappheit wird sich sogar noch verstärken.

Norman Heise warnt auch hier und fordert, Studienplätze für zukünftige Lehrkräfte bedarfsgerecht anzupassen: „Politik darf vor allem weniger Angst vor einem Überangebot von Lehrern als vor einem Mangel haben.“

Heise warnt auch vor Mängeln in der Lehrerausbildung selbst: Die Erhöhung der Studienplätze nicht zu Lasten der Qualität der universitären Ausbildung führen und verweist auf Studierende, die in einer Petition ernste Besorgnisse zum Ausdruck bringen.

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