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Sebastian Kistler: Wie viel Gleichheit ist gerecht?

Flüchtlinge in der Savanne

Der Autor Sebastian Kistler packt ein heißes Eisen an: er hinterfragt in seinem Buch die weit verbreitete Position, dass jeder Mensch ein gleiches Recht auf dieselbe Menge an CO2-Emissionen habe. Stattdessen hält er eine um demokratische Gleichheit erweiterte Schwellenwertkonzeption unter den Aspekten der Gerechtigkeit und der Nachhaltigkeit für eine sinnvollere Alternative.

Kistler trägt damit entscheidend zu einer Grundsatzdebatte um den Klimawandel bei.

Kistler: „Viele Jahre war die internationale Klimapolitik vom Kyoto-Protokoll bestimmt. Dieses beruht auf der Idee, dass nach mehreren Übergangsphasen für entwickelte Länder ein gleiches Recht auf eine bestimmte Menge an CO2-Emissionen pro Kopf verbindlich sein soll. Marktwirtschaftliche Instrumente und eine Ausnahme der Entwicklungsländer von Reduktionsverpflichtungen sollten dieses Gerechtigkeitskonzept umsetzbar gestalten. Die zugrunde liegende Vorstellung von Klimagerechtigkeit hat sich mit dem Klimaabkommen von Paris geändert. Kern des Klimaabkommens von Paris ist der Modus der Selbstverpflichtung und das Einbeziehen möglichst aller Staaten der Welt. Vorausgesetzt, dass sich einzelne Staaten nur zu ambitionierten Selbstverpflichtungen bereit erklären, wenn sich die anderen Vertragsstaaten ebenfalls zu weitreichenden Klimaschutzanstrengungen selbst verpflichten, kann die Bedeutung eines impliziten Gerechtigkeitsverständnisses auch unter dem Rahmen des Pariser Klimaabkommens angenommen werden. Noch ist offen, ob mit dem Pariser Klimaabkommen weiterhin ein stark egalitaristisches Gerechtigkeitskonzept, ähnlich wie im Kyoto-Protokoll, verfolgt wird, oder sich die Türe für alternative Gerechtigkeitsentwürfe öffnet. Dementsprechend behandelt die Dissertation die Forschungsfrage: Wie viel Gleichheit ist gerecht?“

Kistler weist den Weg zu einer neuen humanen Perspektive: Demnach sollte auch in der Klimapolitik das oberste Ziel sein, dass möglichst alle Menschen in globaler und intergenerationeller Perspektive oberhalb eines Schwellenwertes, der ein Leben in Würde ermöglicht, leben können. Die Definition des Schwellenwertes sowie der Umgang mit Emissionen, die zu Entwicklungssteigerungen oberhalb des Schwellenwertes führen, sollten in einem politischen Prozess, in dem sich die Beteiligten als Gleiche begegnen,
entschieden werden.


Literaturhinweis:

Sebastian Kistler:
Wie viel Gleichheit ist gerecht?
Sozialethische Untersuchungen zu einem nachhaltigen und gerechten Klimaschutz
Metropolis-Verlag, Dezember 2017
Paperback, 530 Seiten, 39,80 € inkl. MwSt und Versand
ISBN: 978-3-7316-1246-9

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