Mittwoch, 22. November 2017
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So baut München seine Schulinfrastruktur neu aus

Schulbau in München

Die bayrische Landeshauptstadt München steht vor ähnlich großen Herausforderungen wie Berlin: München muss Milliardenbeträge in Neubau, Erweiterungen und Sanierungen von Schulen und Kitas investieren. Das vom Stadtrat im November 2014 einstimmig beschlossene „Aktionsprogramm Schul- und Kita-Bau 2020“ war im Bezugsjahr das deutschlandweit größte kommunale Bildungsbauprogramm. Die Einwohnerzahl der Stadt von derzeit knapp 1,5 Millionen (Stand Januar 2015) wird voraussichtlich auf 1,723 Millionen bis zum Jahr 2030 steigen. Das sind 223.000 Menschen mehr. Das ist im Vergleich zu Berlin eine steileres Wachstum. Bis voraussichtlich 2025 werden rund 32-33% Einwohnerzuwachs erwartet. Berlin wird nach den vorliegenden Prognosen bis 2015 um rund 10-11% wachsen.

Im Direktvergleich hat Berlin in absoluten Zahlen jedoch etwa doppelt soviel zusätzliche Einwohner zu versorgen, wie München.
Von der Vorgehensweise in München kann dennoch viel gelernt werden, denn es ist ähnlich ambitioniert – kommt aber mit der Arbeitsteilung der bisherigen Kommunalreferaten und Vergabestellen aus.

Das Münchner „Aktionsprogramm Schul- und Kita-Bau 2020“ ist bereits aufgelegt und „programmiert“, das geplante Bauvolumen von 3,85 Mrd. Euro geht bereits in die Realisierung und Umsetzung, wobei auch städtebauliche Wettbewerbe und Realisierungswettbewerbe mit Architektenvergaben durchgeführt werden.

Bis 2030 sollen 45 neue Schulen entstehen:

– 24 Grundschulen
– 2 Mittelschulen
– 3 Sonderpädagogische Förderzentren
– 6 Realschulen
– 7 Gymnasien
– 4 berufliche Schulzentren.

Anders als in Berlin, hat man in München eine abgestimmte Bedarfsplanung mit Schulleitungen, Bezirksausschüssen und Fachreferaten der Verwaltung durchgeführt und verbindliche Schulentwicklungspläne aufgestellt. Die Planungen wurden in Datenblättern festgehalten, die damit auch eine abgestimmte Grundlage für zwei Bauprogramm-Beschlüsse bilden.

Erster Bauprogramm-Beschluss

Der erste Bauprogramm-Beschluss vom 18. Februar 2016 im Aktionsprogramm Schul- und Kita-Bau 2020 hat grünes Licht gegeben für 31 Bauvorhaben an 38 Schulstandorten mit einem Finanzvolumen von 1,5 Milliarden Euro. Der Realisierungszeitraum reicht bis 2023, wobei der Großteil der Schulbauten bereits in den Jahren 2020/2021 fertig gestellt sein soll.
Neben den neuen Projekten wurden im gleichen Beschluss 8 bereits finanzierte Schulbauvorhaben in das im Aktionsprogramm vorgesehene vereinfachte Verfahren aufgenommen. 5 dieser Schulen sind bereits im Bau, 3 Baumaßnahmen beginnen demnächst. Für alle 8 gilt, dass die Arbeiten bis zu den Jahren 2018 bzw. 2019 beendet sein sollen.

Kurzbeschreibung der einzelnen Bauvorhaben führen zum Bauprogramm

Jedes im Bauprogramm enthaltene Projekt wird mit Hilfe einer standardisierten Kurzbeschreibung in seinen wesentlichen Eckpunkten beschrieben – von der Anzahl der Klassenzimmer bis zum Bedarf an Sportflächen. Grundriss-Skizzen ergänzen die Informationen. Die war möglich, weil man sich in München auch auf Standardraumprogramme für den Schulbau geeinigt hatte. Diese wurden vor dem Hintergrund der knappen Haushaltslage noch einmal modifiziert Es gab dabei den klaren Auftrag das pädagogische Konzept des Münchner Lernhauses und die Raumgrößen für Klassenzimmer und Teamräume der Lehrkräfte nicht anzutasten. Dieser Ausgleich zwischen Sparwillen und klarem Bekenntnis zum pädagogischen Konzept ist nach Einschätzung der Verwaltung auch gelungen.
Wie erfolgreich die Überarbeitung war, ist an zwei Kennzahlen belegbar: die Gesamtflächen der Baukörper wurden je nach Schulart und Schulgröße um durchschnittlich rund 5 Prozent reduziert. Das entspricht 50 Mio. Euro Einsparvolumen. Somit konnte eine weitere Grundschule (Paul-Gerhardt-Allee) in das Bauprogramm aufgenommen werden – ein Erfolg, der zeigt wie effektiv eine Kommumalverwaltung arbeiten kann.

Zweiter Bauprogramm-Beschluss

Der zweiter Bauprogrammbeschluss vom 26. Juli 2017 zum Aktionsprogramm Schul- und Kita-Bau 2020 hat grünes Licht für weitere 38 Bauvorhaben an 42 Schulstandorten mit einem Finanzvolumen von 2,375 Milliarden Euro gegeben. Damit entstehen 14.990 zusätzliche Schulplätze.
Der Schwerpunkt des zweiten Bauprogramms liegt bei den weiterführenden Schulen: 57 % der betroffenen Schulen sind Realschulen, Gymnasien oder berufliche Schulen. Der Rest verteilt sich auf Grund-, Mittel- und Förderschulen.

– 10 Neubauten an neuen Standorten
– 14 Erweiterungen (ohne Generalinstandsetzung)
– 6 Generalinstandsetzungen (2 ohne Erweiterung, 4 mit Erweiterung)
– 7 Neubauten als Ersatzbau
– 1 Erweiterung mit Maßnahmen im Bestandsgebäude.

Außerdem sollen entstehen:

– 8 Kindertageseinrichtungen mit insgesamt 32 zusätzlichen Gruppen (außerdem 15 Gruppen als Ersatz bestehender Einrichtungen)
– neue Horte an den Häusern für Kinder (HfK – 3 Standorte)
– 25 Mensen für die Mittagsversorgung (23 neue Standorte und 2 in nachfolgenden Bauabschnitten)

Standardgemäßer Ausbau im Rahmen des Lernhauskonzeptes versetzt dabei jede Schule in die Lage, umfassend ganztägige Betreuung anbieten zu können (gebundener/offener Ganztag, Tagesheime und in den Häusern für Kinder mit Horten).

31 zusätzliche und 4 sanierte Sporthalleneinheiten und 3 neue Schwimmhallen (1 Standort mit 2 Becken), neue Sportflächen und Sportbetriebsgebäude an 2 Bezirkssportanlagen werden gebaut.
Ferner sollen im Sportbauprogramm jährlich künftig vier Baumaßnahmen im Paket vom Stadtrat verabschiedet werden – zwei mit, zwei ohne Betriebsgebäude. Das erste Maßnahmenpaket umfasst 18,2 Mio. Euro.

 

Verfahrensbeschleunigung durch Bauprogramme und Pavillonbauten

Auch München steht unter einem hohen Realisierungsdruck. Hier wurden daher altbewährte Maßnahmen zur Verfahrensbeschleunigung und -vereinfachung umgesetzt:

Feste Vorgaben für Flächengrößen und Raumanordnung
Verbindlichen Rahmenvorgaben zu Größe und Anordnung von Klassenzimmern, Anzahl von zusätzlichen Räumen für Ganztag und Inklusion etc. helfen, die Planungszeiten für Schulbauten zu verkürzen. Die jede Schulart individuell erarbeiteten Standard-Raumprogramme stellen zugleich sicher, dass Schulbauten in München sich flexibel an Entwicklungen und zeitgemäße Pädagogik anpassen können.

Zeitersparnis durch Bauprogramme
Bisher wurde jedes Kita- und Schulbauvorhaben einzeln im Stadtrat beraten und beschlossen. Künftig sollen – wenn möglich – mehrere Bauvorhaben in Bauprogrammbeschlüssen zusammengefasst werden. Zeitintensive Architektenwettbewerbe wird es künftig nur noch bei Großvorhaben und bei besonderen Projekten geben.

Zeitgerechte Sicherstellung der Raumversorgung durch Pavillonanlagen
Pavillonbauten sind deutlich schneller realisierbar als Festbauten und sie können von einem Standort zum anderen versetzt werden. Die Stadt setzt auf diese flexiblen Bauten als schnelle Abhilfe bei akutem Raumbedarf.
Die Aufenthaltsqualität in modernen Pavillonbauten der modernen Generation entspricht „normalen“ Schulen in Massivbauweise. Die bauliche Qualität in Bezug auf Wärmedämmung, Schallschutz und IT-Ausstattung ist identisch. Pavillonbauten ermöglichen es auch, das Raumangebot flexibel auf die Bedürfnisse der Kita oder Schule zuzuschneiden.

Auch als Zwischenlösung ist der Pavillon sinnvoll, damit Schüler weiter untergebracht sind, während parallel Planung und Neubau der Bestandsschule oder einen Neubaus vorangetrieben werden.

Aufstockung der Personalausstattung in Verwaltung und Schulen

Der Personalbedarf der mit den Bauprogrammen befassten Dienststellen wurde ermittelt und aufgestockt. Eine Anpassung des Personalbestandes im Bereich der „Technischen Hausverwaltungen“ (THV) an den größeren Immobilienbestand und den gestiegenen Betreuungsbedarf bei den Schulen – Personal- und Sachmittelbedarfe im Bereich THV wurde ebenfalls umgesetzt. Interessant ist die Lösung, vor allem die Stellen der sogenannten THV-Roulierer (Aushilfskräfte) auszuweiten. Hierfür werden 115 Mitarbeiter aus gewerblich-technischen Berufen eingestellt, die zusätzlich zu Hausmeistern tätig werden, und auch kleinere Bauunterhaltungsarbeiten ausführen oder überwachen können. So wird in den Schulen eine Trennung der Verantwortung von Schulbetrieb und Technik ermöglicht, der zugleich die Eigenverantwortung vor Ort stärkt.

Dazu gehört die Leitlinie, der Verwaltung beim Schulbau mehr freie Hand zu belassen. Ferner gibt es in München zentrale Städtische Ausschreibungs- und Vergabestellen, die langjährig mit Fachleuten besetzt sind.

Andererseits ist im Flächenland Bayern eine Regelung in Kraft gesetzt, die die Vergabeplattform www.vergabe.bayern.de der Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr auch für kommunale Auftraggeber geöffnet hat.

Die Arbeitsteilung im Schulbau zwischen Schulbauverwaltung, externen Architekten und Ingenieuren und Vergabestellen bietet somit zusätzlich hohe Leistungs- und Fachkräfte-Reserven.

Der Unterschied zu Berlin sollte auch der Politik in Berlin zu denken geben: in München sind vor allem Stellen im Bereich Technische Hausverwaltung geschaffen worden, um vor Ort handlungsfähig zu sein. In Berlin will man offenbar erst neue Organisationseinheiten aufstellen, die womöglich später vor einem neuen Personalproblem in Schulen stehen, weil man die modernen Anforderung von Schulbauten in der Wartung und Unterhaltung nicht richtig einschätzt.

Fortsetzung folgt:

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