Sonntag, 22. Oktober 2017
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„Graben und Fauchen!“

Sofortprogramm:
„Graben und Fauchen!“

“Bitte wenden. Sonst: Gegen die Wand!”

/// Kommentar /// – In Berlin lebende und arbeitende Künstlerinnen und Künstler sind seit Jahren in großer wirtschaftlicher Bedrängnis und Not. Kein Wunder bei monatlich nur etwa 850 € Durchschnittseinkommen. Steigende Mieten, der Verlust von Ateliers und eine harte Konkurrenz um das Publikum bereiten allergrößte Sorgen.

“Bitte wenden. Sonst: Gegen die Wand!”
“Bitte wenden. Sonst: Gegen die Wand!” – Dialog am 20.10.2014 im ZK/U

Gleichzeitig wird die Berliner Kunstszene gelobt, deren Anziehungskraft sorgt neben der vielfältigen Musik- und Kulturszene für ausgelastete Hostels und Hotels, aber auch für die Nachfrage nach Ferienwohnen, Studienaufenthalten, Studienplätzen – und damit verbunden – für steigende Mieten. Die Kette von Kunst, kreativer Urbanisierung und Gentrifizierung trägt längt das Wachstum der Stadt. Es ist nicht nur hip, nach Berlin zu ziehen, hier wird auch Geld erschaffen, geschöpft und verdient.

Doch es sind nicht nur Investoren und Spekulanten, die Künstlern das Leben schwer machen. Auch neue Ideen zur Verwertung von Immobilien und die Konkurrenz aus der Kreativ- und Kulturwirtschaft drängen Künstler an den Rand.
Designer, Sound-Designer, Spieleentwickler, Internet-Startups und Architekten zahlen mehr Mieten, und insbesondere bei Lofts und Fabriketagen gibt es den Trend zur höherwertigen Vermietung.

Zwischen 5.600 und 7.000 Bildende Künstlerinnen und Künstler leben, studieren und arbeiten in Berlin, eine große Schar von Individualisten, die sich mehr intellektuell, als kämpferisch mit der eigenen Krise auseinandersetzen. Sind Not und Knappheit gar Voraussetzungen von Kreativität und Kunst? – Oder haben wir es mit einer neuen sozialen „Performativität“ zu tun, die entsteht, wenn die Gattung Stadtmensch nur noch auf sich selbst als produktive Kraft zurückgeworfen ist? Ist das schon eine „Kulturökonomie“ – oder muß die erst erstritten und erbaut werden?

2011 als Wendepunkt in der Stadt

Das Jahr 2011 war ein Ausbruchs- und Aufbruchsjahr. Drei Initiativen trieben Analyse und Protest voran:

„Haben und Brauchen“ – so war das Motto einer 2011 gestarteten Aktionsgruppe, die sich gegen das sich in tausendfachen Schicksalen vollziehenden Desaster in der Bildenden Kunst wandte. „Was braucht die Kunst in Berlin?“ – war die von Florian Wüst und seinen MitstreiterInnen formulierte Frage, die vergleichsweise geringe politische und kreative Energien freisetzte.

Die Nominalisierung des sozialen Problems als Frage „Was braucht die Kunst?“ verdeckte die viel wichtigeren Fragen: „Was brauchen Künstler, um Künstler zu sein? Und was ist ihre soziale Perspektive?

Stattdessen wurde in Offenen Briefen ein Dialog eingefordert. In Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Bildender Künstler (bbk) wurden Forderungen erhoben, die vielleicht die Lage von 500 Künstlern in der Stadt verbessern können, dazu etwa 10 Projekträume finanzieren, und vielleicht einige Dutzend Stipendien und Austellungshonorare. Das grundlegende soziale Problem wurde aber weder richtig angesprochen, noch gelöst.

Viele tausende Stunden wurde diskutiert, Papiere wurden aufgestellt – ein großer Wurf für die Bildende Kunst fehlt bis heute. Inzwischen erkennt man das große Rückzugsgefecht, in dem sich gerade die Bildenden Künstler befinden, wenigstens 900 Ateliers sind in den Jahren 2012 bis 2014 verloren gegangen, einige Dutzend sehr viel teurere Ateliers sind neu entstanden. Die Gesamtbilanz bleibt negativ.

Stadt Neu Denken

Die Initiative Stadt Neu Denken ist fast zur gleichen Zeit 2011 gestartet, und hat es erfolgreich bis in parlamentarische Prozesse und politische Verfahren für eine neue Liegenschaftspolitik geschafft, ein Erfolg, der zunächst nur als mentaler Wandel abzeichnet, und bisher auch nur in einzelnen Projekten erkämpft wird. Wichtige Unterstützung kommt vom Rat für die Künste, und vor allem Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Weißensee, sorgte für stadtpolitische Wirkung.

Koalition der freien Szene

Auch die Koalition der freien Szene hat etwas bewirkt, die freien Theater und Kulturveranstalter haben nun eine Lobby, ein paar Modellprojekte und eine etwas verbesserte Finanzausstattung. Aber das große Projekt der City-Tax hat sich als Scheinerfolg umgesetzt. Statt erhoffter 10 Millionen € Jahresbudget ist die „Übernachtungs-Steuer“ (ÜnStG) über Stadt und Kulturszene gekommen.
Eine besondere Form der „Kultur“ entstand: statt fester Stellen in der Kunstszene sind zunächst Stellen im regionalisierten Finanzamt zur Erfassung der Übernachtungs-Steuer, sowie in den Buchhaltungen des Gastgewerbes entstanden.

Für die freie Szene bleibt die Lage unverändert prekär. Vor allem Theatermacher und weite Teile der Kunst- und Kulturszene müssen sich in der arbeitsteilige Organisation auf die Herausforderung „Mindestlohn“ einstellen, der den internen Zusammenhalt vieler Projekte bedroht: Praktikanten und technische Helfer verdienen ab 2015 definitiv mehr als Schauspieler und freien Akteure auf der Bühne. Erste Theater haben schon ihre Praktikanten entlassen. Erste Galerien haben Untermietverträge mit ihren Mitarbeitern abgeschlossen, um Öffnungszeiten ohne Lohnfortzahlung zu garantieren.

“Bitte wenden. Sonst: Gegen die Wand!”
“Bitte wenden. Sonst: Gegen die Wand!” – Dialog am 20.10.2014 im ZK/U mit Kulturstaatssekretär Tim Renner

Bitte wenden, sonst gegen Wand

Am 20. Oktober 2014 ging der Dialogprozeß in eine neue Runde, in der Versammlung im ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Moabit war auch Kulturstaatssekretär Tim Renner zu Gast. Er gab sich bescheiden – und verwies auf die ihm noch zur Verfügung stehenden „zwei Jahre“ – und meint damit die laufende Legislaturperiode bis 2016.
Seine vier Prioritäten sind von kulturpolitischen Realismus geprägt, er traut sich nicht den großen Wurf zu – Quereinsteigern gelingt so etwas auch selten. Renner will sich vorrangig um „die Räume kümmern“, „auch um Transparenz“ und „bessere Förderbedingungen und Formulare“. Und er will auch für bessere Verfahren, mehr Wettbewerbe sorgen.

Auch seine Lieblingsidee vom „Streaming“ von Theateraufführungen führt er weiter im Schilde. Und er sorgt sich vor „autoritären Strukturen“ in der Kulturförderung und will auch die freie Kultur stärken.

Doch wie weit kann er aus Seiteneinsteiger hier Tiefenwirkung erzielen?

Ob es ihm gelingt, in seinem fast 400 Millionen Euro großen Etat umzusteuern, ist fraglich. 95 Prozent gehen an große Institutionen wie Oper, Theater und Museen, nur fünf Prozent blieben für die Freie Szene. Viel Raum hat Timm Renner scheinbar nicht!

Sofortprogramm: „Graben und Fauchen!“

Doch Berlin wächst, Berlin ist im Aufbruch – auch die Wirtschaft wächst, und die „Stadt der Arbeit“ ist auch „Kulturstadt“ mit einer Kulturökonomie geworden. Zwischen Kiez und Kulturmetropole gibt es viel Raum, Gestaltungsraumn – mehr als bisher klassische Institutionen und Zuständigkeiten und Senatsverwaltungen vorstellen mögen.

Es ist allerhöchste Zeit, Politik und Wirtschaft aufzurütteln – und einen Kurswechsel in Kunst, Kultur und Kreativ- und Kulturwirtschaft vorzubereiten. Berlin und seine „kreative Klasse“ benötigen ein tragfähiges Programm, das den Wachstumsprozeß der Metropole flankiert, fördert und entwickelt – und die Stadt mit neuen Inspirationen voranbringt.

Zwischen Kiez und Kulturstadt gibt es mehr Raum und Budgets für die Bildende Kunst, als sich Kultursenat, Künstler, Berufsverbände, Künstlerfunktionäre und Aktionsgruppen bisher ausmalen.

Statt nach Innen gerichteter Reflektion und Konzeptpapieren nach „Haben und Brauchen“ ist ein Sofortprogramm nötig:

„Graben und Fauchen!“ ruft zum kreativen Blick und zur Tat auf!

Haushaltspolitischen Taten sind gefordert, organisatorische Verbesserungen, inhaltliche Ausrichtungen und Schwerpunkte – und auch das freiwillige Engagement wirtschaftlicher Akteure – vor allem das Engagement von Investoren und Bauherren.

Graben! Diese Aufforderung richtet sich an Künstler, Politik und Verwaltung! Graben Sie doch die Möglichkeiten zur Finanzierung aus! Beispiele sind auf vielen Ebenen zu finden! Sie liegen brach, in existierenden, aber zugeschütteten Synergien. In Zuständigkeitslücken, in Leerräumen zwischen Zuständigkeiten – und in Neuem Denken!

Ausgrabungen und Verwaltungsarchäologie für die Kunst!

Freie Kunstförderung in den Bezirken: soll man die Mittel je Antrag endlich von 3.500 € auf 6.000 € aufstocken, und jeweils ein „Ausstellungshonorar“ von 1.000 € mit einbauen, wenn eine Ausstellung produziert wird? Kann das Antrags- und Abrechnungsverfahren verschlankt werden, damit Verwaltungsaufwand gespart wird? Zwölf Berliner Bezirke – zwölfmal 180.000 € für die freie und indivuelle Kunstförderung. Können das die Bezirksverordneten und Abgeordneten in den laufenden Etatplanungen ausgraben? Kann das leidige Problem der Ausstellungshonorare so in einem ersten Schritt endlich gelöst – auf den Weg gebracht werden?

Stiftung Grün Berlin: bietet die landeseigene Gesellschaft nicht genügend Raum, Pavillons und Freiraum, um in Parks und Gärten mehr Bildende Kunst zum Blühen zu bringen? Können auch „Plein-Air-Veranstaltungen“ Kunst populär machen? Lockt es Touristen und Besucher? Gibt es auch Platz für einige Ateliers, die auf Randflächen Platz haben? Kann man auch das Problem „Bronzeskulptur und Metall-Diebstahl“ in den öffentlichen Grünanlagen mit aufgreifen? Dürfen Bildgießereien auch in Berlin mehr tun – um Kultur und vor allem Friedhofskultur zu erhalten? Können hier jährlich zwei Mio. € Budget „ausgegraben“ werden?

Kunst am Bau und im Bau: Brauchen die Baugenehmigungsbehörden eine „Handlungsanleitung Kunst & Kultur“ in der Baugenehmigung, in der Ateliers, Projekträume, Kunst am Bau, und Kunst im Bau – und im Mietenetat verankert werden? Sollen Kulturstadträte Baugenehmigungen mitzeichen? Muß man Geld bereit stellen, damit die notwendigen Wettbewerbe durchgeführt und extern begleitet werden? Sollen Naturschutzausgleichsmaßnahmen und „Kulturausgleichsmaßnahmen“ gleich gestellt werden – und auch Kunst und Kultur bei der Abschöpfung von PLanungswertgewinnen bedacht werden?
Ist bei öffentlichen Bauten und Bautätigkeiten der landeseigenen Gesellschaften auch eine bessere Abstimmung zwischen den Ämtern für Stadtentwicklung, für Kultur und für Facilitymanagement notwendig? Wer hat bei Wettbewerben für Kunst am Bau den „Hut auf“? – eine drängende Zuständigkeitslücke, die geschlossen werden muß.

Landeseigene Wohnungsgesellschaften: Müssen Kunst & Kultur schon bei der Grundriß- und Entwurfsplanung neuer Wohnsiedlungen berücksichtigt werden? Müssen Wohnen, Arbeiten, Kunst & Kultur sogar zusammengeplant werden, damit neue „Kieze“ und nicht nur „Schlafstädte“ und „Wohnsilos“ entstehen? Verteuert Kunst am Bau überhaupt das Bauen? Oder schafft Kunst nachhaltige neue Werte? Sollen Street Art Initiativen aus New York und London importiert werden, um es den hiesigen Künstlern zu zeigen, wie es geht? Oder soll eine „Berliner Street-Art“ gefördert und zum Export-Artikel gemacht werden?

Schneller Bauen in Pankow: Kräne über dem Florakiez
Wohnungsbau – oder auch Wohnen, Arbeiten – Kultur?

Fauchen als Aufgabe der Kunst

Fauchen ist im Tierreich ein Zeichen von Aggression. Fauchen in der Kulturstadt ist heute eine kulturelle Notwendigkeit, um Zustände, stille Mißstände, Ungerechtigkeiten und Not kenntlich zu machen. Das Dilemma: Künstler haben nur sich selbst, ihre Kunst, und sind in übermässiger Weise auf „staatliches Wohlverhalten“ und „staatliche Antragsökonomien“ angewiesen. Künstler, die ihre Kulturförderer „anfauchen“, sind in ihrer Existenz gefährdet.

Es gibt keinen „herrschaftsfreien Dialog“ über die Entwicklung der Kunst in der Stadt. Stattdessen sind der „scheinheilige Dialog“, und „beruhigende Talkshow der Akteure“ verbreitet, verstärkt um das „soziale Netzwerken“ am Partytresen. Der eifrige Tanz um das „Machbare“ beherrscht und fängt die Akteure ein.

Die Kulturstadt aber braucht einen kreativen Sprung, eine disruptive Entwicklung in der Kulturpolitik! Das Fauchen ist inzwischen eine existenzielle Aufgabe für die Kunst – nur durch Aufmerksamkeit und ideelle Wirksamkeit kann sie sich ihre künftige Existenz und Auskömmlichkeit sichern. Das Fauchen wendet sich an die politisch Verantwortlichen – es nimmt sie in die Pflicht! Fauchen und fordern – das ist der neue Schritt, den Künstler, Kultur und Kunst nehmen müssen! Berlin und vor allem die Politik müssen aus der ordentlichen Gemütlichkeit der gewohnten Zuständigkeiten und Abläufe herausgerissen, geweckt werden!

Kunsthochschule Weißensee: Rundgang
Kunsthochschule Weißensee: Rundgang – Foto: Franziska Libuda

Kreatives Fauchen und Fordern

Kulturmetropole und „kulturpflichtige Körperschaften“:
Müssen ein Regierender Bürgermeister und ein Kulturstaatssekretär nicht auch als „Intendanten der Kulturmetropole“ tätig werden? Ist die Entwicklung neuer Festival-Ideen und neuer Formen des Kulturaustauschs nicht längst auch in Berlin eine „kommunale „Zukunfts-Pflicht-Aufgabe geworden, die Kulturentwicklung, Attraktivität und Stadtwachstum anstiftet, antreibt und gedeihen läßt? Ist es nicht geboten, eine „kommunale Pflichtaufgabe zur Entwicklung der Kulturökonomie“ zu erheben – und statt der „City-Tax“ ein „Kulturentgelt“ zu erheben – das zweckgebunden einsetzbar ist?

Kultur- und kreativwirtschaftliche Gesamtrechnung:
Brauchen wir in Berlin auch eine andere volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, wenn weite Teile künstlerischer und kultureller Betätigung unter die „volkswirtschaftliche Erfassungsgrenze“ fallen? Ist der Anteil der Künstler und Kreativen womöglich in Sozial-Etats versteckt, weil es ein Zuviel an prekärer und für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung an „unsichtbarer Arbeit“ gibt? Stecken in den „Leerstellen“ in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vielleicht tragende Kennwerte, die Attraktivität, Kultur- und Stadtwachstum verständlich machen?
Muß das Instrument des Kreativwirtschaftsberichts auf eine ganz andere methodische Ebene gestellt werden, damit Politik und Wirtschaftpolitik auch Förder- und Kulturfördersysteme an die tatsächlichen Träger und Akteure der Kulturökonomie anpassen kann?

Berlin als europäische Kulturmetropole:
Hat Berlin als Kulturmetropole in der Mitte Europas auch eine Bedeutung für Europa?
Müssen sich Berlin und seine kulturellen Akteure nicht auch für eine „Europäisierung“ Europas stark machen – gerade jetzt, wo neue Nationalismen die europäische Idee zu zerfasern beginnen? Müssen Berliner Kulturförderung und europäische Kulturförderung weiter entwickelt werden? Brauchen wir auch Kultur-Export und weltweite Vernetzung – und müssen wir in diese Zwecke investieren? Sollen vielleicht auch Atelier und Studienplätze in den EU-Partnerstädten der Berliner Bezirke gebaut und gefördert werden, damit das Berliner „Kiezdenken in der Kunst“ überwunden wird – und „europäischer Austausch“ gefördert werden?

Berlin als Creative City:
Gibt es in Berlin eine neue Verbindung von „Stadt der Arbeit“, „Stadt der Innovation“ und der „Stadt des Wissens“ mit der „Kulturmetropole“? Ist Stadtpolitik in der Lage, diese neue Dimension zu begreifen, zu führen? Besteht die neue Dimension nicht vor allem darin, in Arbeit, Wissenschaft, Innovation und Kultur mehr und weiter voraus zu denken? Zeichnet sich Berlin als Kulturmetropole durch ein höheres Maß an „Vordenken in der Kulturvielfalt“ aus? Müssen Vordenken und Vorausentwicklung als nachindustrielle Zwecke organisiert werden? Geben Kunst, Design und Kultur nicht längts auch „Public-Benifits“ und „Inspirationen“ für die kommende Zukunft von Industrie 4.0 und dem, was „Smart City“ genannt ist? Haben Kunst und Kultur vielleicht einen direkt zurechenbaren Anteil an der Wertschöpfung, der schon 2,3% der Wertschöpfung übersteigt?

Braucht Berlin dafür eine „Governance der Creative City“, die in der kritischen Auseinandersetzung mit der „alten Industriestadt“, der Verwaltungsstadt“ und der „Stadt der Arbeit“ entwickelt werden muß?

Muß etwa das Leitbild des funktionalen Städtebaus neu bedacht werden, weil Wohnen, Arbeit und Kultur neu zusammenrücken? Und bringt das eine ganz andere städtebauliche Typologie hervor, die künftig in jedem einzelen Bebauungsplan bedacht werden muß?

Kollidiert etwa ein neues Kunstzentrum in einem Industriegebiet mit der Baunutzungsverordnung und bekommt dafür stadtplanerische Aufführungsbeschränkungen und Nutzungsverbote auferlegt? Oder ist es neue Keimzelle für ein designorientiertes Kultur- und Industriezentrum? Sorgt etwa die aus dem Jahr 1962 stammende Baunutzungs-Verordnung (BauNVO) für eine strategische Lücke in der Innovationspolitik von Berlin, die durch die fehlende Verbindung von Kunst, Design und Industrie 4.0 markiert ist?

Bauen landeseigene Wohnungsgesellschaften und Investoren möglicherweise völlig am Bedarf der Akteure der Kulturstadt vorbei, wenn Kultur- und Kreativwirtschaft Wohnen, Kultur und Arbeit auch ökonomisch zusammenwachsen, zusammenwachsen müssen?

Bedingen sich Kiez und Metropole in der Kulturstadt? Muß heute die „funktionale Durchdringung“ der Nutzungen in der „Creative City“ gefördert werden – statt der funktionalen Trennung nach den Doktrinen von Architektur, Baurecht und Bauwirtschaft?

Kann man 2,3 % der Nettobaukosten, 2,3% der Mietbudgets und 2,3% der Verwaltungskosten für Kunst & Kultur einsetzen – ohne dass die Gesamtbaukosten notwendigerweise steigen müssen? – so lautet die kreative Herausforderung! Geht dies nicht auch – ohne den Kulturetat zu erhöhen?

Wohnen am Lokdepot
Wohnen am Lokdepot – Architekten Nils Buschmann und Tom Friedrich von Robertneun

Die Zeit drängt: Graben und Fauchen sofort!

Die Zeit drängt – denn Berlin baut plötzlich tausende Wohnungen, bei denen allein wohnungswirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen. Kunst, Künstler und Kultur werden verdrängt – und in wenigen Jahren ist es zu spät und zu teuer. Flair und Atmosphäre halten sich nur in der besonderen Berliner Mischung, nicht in der Vorstadt – und nur insulär auf dem Lande.

Das Graben und Fauchen muß sofort beginnen – wir haben keine zwei Jahre mehr Zeit! Politik, Regierung, Kultursenat und Akteure müssen schnellstens für die nächsten Spielzeiten nach 2016 vorausdenken und planen, und die neuen Möglichkeiten ausgraben und erstreiten!

Weitere Informationen, Beiträge und Links

Der Mindestlohn, die Kunst und die Kultur! – 20.10.2014 – Pankower Allgemeine Zeitung

Die Typologie der Creative City #1 – 12.08.2014 Autor: Michael Springer – Pankower Allgemeine Zeitung

Bitte wenden. Sonst: Gegen die Wand! – 19.10.2014 – Pankower Allgemeine Zeitung

www.habenundbrauchen.de

Initiative Stadt Neudenken

Koalition der Freien Szene: www.berlinvisit.org

Rat für die Künste

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