Freitag, 18. August 2017
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Prenzlauer Berg

Sperrmüll-Bezirk
Prenzlauer Berg

Sperrmüll in Prenzlauer Berg

Prenzlauer Berg wird zum Sperrmüll-Bezirk. Wer sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch den Bezirk bewegt, kann eine Zunahme von Sperrmüll im Stadtbild bemerken. Alf M.* wohnt im Gleimkiez und kommt allmorgendlich auf dem Weg zum Bäcker an vielen Stellen vorbei, an denen Altmöbel, Reste von Baumaterial, alte Sofas und Müll entsorgt wurden. Auch an prominenten Stellen wie unter der Hochbahn in der Schönhauser Allee liegen alte Regal, Sofas und andere Sitzmöbel. Es ist Sperrmüll, der nicht in die Tonne passt – und zum Problem wird.

Sperrmüll in Prenzlauer Berg
Sperrmüll in Prenzlauer Berg auch unter der Hochbahn – Foto: A.M.

Die illegale Sperrmüll-Entsorgung scheint zudem sprunghaft zuzunehmen. Sind es Reste von Wohnungsumzügen? Oder einfach nur vergessene Gegenstände? – Manche Matratze stammt aus Zwangsräumungen, bei denen verzweifelte Mieter die erste Übergangszeit obdachlos im Straßenland landen, und sich wenigstens ein Schlaflager sichern wollen. Unter Brücken, in Hinterhofecken und auch in Hauseingängen werden mitunter einige Nächte verbracht.

Sperrmüll in Prenzlauer Berg
Sperrmüll in Prenzlauer Berg ist anlehnungsbedürftig – Foto: A.M.

An der Norwegerstraße dient eine Ecke hinter einem Trafo-Häuschen bis zum letzten großen Regen als Obdachlosen-Quartier. Heute liegt hier nur noch eine vernässte Matratze, von viel Müll und letzten Reste gesammelter Pfandflaschen und Büchsen umgegeben – eine Dreckecke – ekliges Niemandsland mitten in Prenzlauer Berg.

Wer ist zuständig?

Sobald das einstige Möbelstück, der Einrichtungsgegenstand oder das kaputte Küchenmöbel heimlich abgelegt ist, hat sich der einstige Besitzer als „Abfallbesitzer“ seiner Verantwortung entledigt, und erhebliche Kosten gespart. Denn die Sperrmüllabholung ist in Berlin teuer geworden – zu teuer und aufwändig, um Einzelstücke zu entsorgen.

Sperrmüll in Prenzlauer Berg
Sperrmüll in Prenzlauer Berg: gestern noch trocken und verwertbar – Foto: A.M.

Liegt das erste Stück lang genug an einem Platz, so lockt das Nachahmer an. Aus einem einzelnen Sofa oder Möbel wird schnell eine ganze Sperrmüll-Ausstellung.
Das Berliner Stadtreinigung ist inzwischen zum wirtschaftich arbeitenden Unternehmen umstrukturiert, hier wird nur noch nach Auftrag und in effektiver Arbeitsteilung gearbeitet.
Für die rund 11.000 Papierkörbe im Stadtgebiet gibt es eigene Dienste, die Straßenreinigung wird von Kehrmaschinen und Reinigungskolonnen nach Tourenplänen und Kalender organisiert. Für Hundekot gibt es es extra Saugfahrzeuge, die an besonderen Schwerpunkten mit großer „Hundedichte“ eingesetzt werden.

Für Sperrmüll gibt es die Recyclinghöfe, bei denen Kleinmengen bis 3 Kubikmetern „entgeltfrei“ abgegeben werden können. Ein Mietwagen und der Transport erfordern jedoch auch Aufwand für die Sperrmüllentsorgung.

Wir die Sperrmüllabholung direkt bei der BSR beauftragt, fallen Kosten von 50 Euro an, für Mengen bis 5 Kubikmeter, die nach schriftlichen Auftrag und Termin abgeholt werden. Problematisch: bei weniger als 5 Kubikmeter wird der Betrag einfach als zu hoch empfunden.
Ein Ausweg bieten private Sperrmüllentsorger, die nach Kubikmetern abrechnen. Schon für 35 € pro Kubikmeter holt etwa die Pankower Firma Kiro Sperrmüll & Entsorgung ab.

Sperrmüll in Prenzlauer Berg
Sperrmüll in Prenzlauer Berg: Baumscheibe als Deponie – Foto: A.M.

Nicht alles ist Sperrmüll

Als Sperrmüll gelten nach der Definition der BSR „sperrige Haushaltsabfälle wie Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, die wegen ihrer Größe nicht in eine 120-Liter-Mülltonne passen.
Dazu zählen z.B. zerlegte Großmöbel, Kleinmöbel, Teppiche, Matratzen, Hölzer aus dem Wohninnenbereich, Schrott (Fahrräder, Kinderwagen etc.), Laminat, Fenster- und Türrahmen, Türblätter aus Kunststoff, Kunststoffteile wie Dachrinnen, Rohre, Spülkästen oder Badewannen und separates Fenster- und Drahtglas.“

Im Rahmen der Standard-Sperrmüllabfuhr können private Haushalte Elektrogeräte (weiße, braune Ware) sowie Alttextilien (in Säcken) entgeltfrei mit entsorgen lassen. Auch Hausmüll und sackfähige Renovierungsabfälle in Gebinden (Sack, Karton etc.) nimmt die BST in begrenztem Umfang mit.

Nicht abgeholt werden: Bauabfälle, Gussbadewannen, Autoreifen /Autobatterien, Schadstoffe jeglicher Art (Farben, Lacke etc.).

Komplizierte Ausführungsbestimmungen der BSR und die Kleinmengenlücke

Die BSR hat für die Sperrmüll Abholung „Ausführungsbestimmungen – Sperrmüll-Abholservice für Privathaushalte“ in deutscher Sprache, die in besten Verwaltungsdeutsch formuliert sind. Die Nebenbedingungen sind so formuliert, dass es auch ein Bestellrisiko gibt – zudem muss bar vor Ort bezahlt werden. Das bedeutet aber, zum Abholtermin muss jemand anwesend sein, und auf die Abholung warten. Ein moderner Service sieht wohl anders aus, und müsste ganz ohne Bestellrisiken mit unsicheren Kostennachforderungen funktionieren. Hilfreich wäre wohl auch eine mehrsprachige Version – oder eine Version in „einfacher Sprache“.

Die Entsorgung von Einzelstücken ist offensichtlich zu aufwändig und zu kompliziert. Zwar gibt es auch eine BSR-App, aber wer sich das antut, wird es wohl aufgrund des „digital-bürokratischen“ Aufwands kein zweites Mal tun.

Neue Ideen & Lösungen sind gefragt

Um die „Sperrmüll-Vermüllung“ zu stoppen, sind smartere Ideen und Lösungen gefragt. Vielleicht sollten wir Prenzlauer Berg speziell das Gleimviertel einfach als Testgebiet ansehen. Parteien, Kommunalpolitiker und Bürgervereine könnten sich einmal intensiver mit dem „Sperrmüll-Bezirk“ Prenzlauer Berg befassen.

Für die Entsorgung von Laub und Gartenabfällen hat die BSR bereits ein System, das berlinweit gut funktioniert: Laubsäcke werden für einen festen Preis verkauft, der eine kostenlose Einsammlung erlaubt, und Entorgungsentgelte abdeckt.
Das Sperrmüllproblem könnte ähnlich zum Stückpreis gelöst werden: wasserfeste Wertmarken auf jedem Sperrmüllstück und eine eine kostenpflichtige „Sperrmüll-Plane“ in Orange könnte den Sperrmüll abdecken, gegen Regen schützen – um die Materialverwertung zu sichern. Gleichzeitig wäre es eine Markierung für Sperrmüll-Abholtouren-Dienste.

Weitere Informationen:

Berliner Stadtreinigungsbetriebe – Sperrmüll

Kiro Sperrmüll & Entsorgung – www.sperrmuell-entsorgen.berlin

* Alf. M. – Name verändert

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m/s