Dienstag, 24. Oktober 2017
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Spielplatz Thälmannpark gesperrt

Kommunalpolitik aktuell in Pankow

Der Spielplatz I im Thälmannpark wurde gesperrt. Grund: während der laufenden Spielplatzsanierung wurden Kontaminationen aus dem Untergrund freigesetzt, die unter einer Sicherungsfolie abgeschottet waren.

Die Schadstoffe stammen aus der alten Industriegeschichte des Thälmannparks, in dem 107 Jahre lang die ehemaligen 4. Berliner Gasanstalt an der Danziger Straße in Betrieb war. Entstanden 1872-1874 – inmitten des ehemaligen Arbeiterviertels Prenzlauer Berg, wurde das letzte Gasometer am 28. Juli 1984 gesprengt. Die Stillegung des alten Gaswerks verlief jedoch nicht so, wie es heute unter Gesundheits- und Umweltvorsorgegesichtspunkten üblich ist.

Bei der Errichtung des letzten großen Wohnungsbauvorhabens Thälmannpark geschahen unter Termindruck sträfliche Versäumnisse bei der Altlastenbeseitigung.
Die damalige DDR-Regierung unter Erich Honecker wollte das Plattenbau-Viertel pünktlich zum 100. Geburtstag von Ernst Thälmann einweihen. Das Vorhaben musste 1986 als Ausdruck einer „sozialistischen Städtebaukonzeption“ pünktlich fertig sein.
Auf einen umfassenden Bodenaustausch wurde verzichtet. Schadstoffe aus dem alten Gaswerk blieben in der Erde, vor allem Phenole, krebserregende öl- und teerhaltige Verbindungen und giftige Cyanide.

Eine der Hauptursachen für oberflächennahe Belastungen war eine alte Benzol-Anlage die in der Nähe der heutigen Kinder- und Jugendfreizeithaus DIMI lag. Beim Abriss wurden Leitungen und Tanks zerstört und z.T. einfach im Boden belassen, obwohl sie teils noch mit Teer-Öl und Benzolverbindungen gefüllt waren. Im der Sprache der modernen Altlastensanierung sind „BTX“ und „PAK“ im Untergrund zu finden.
BTEX oder BTXE ist die Abkürzung für die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und die Xylole. PAK sind polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen der einfachste Naphtalin heißt. Bei ehemaligen Gaswerksabfällen sind jedoch viele weitere wichtige PAK wie Anthracen und Benzopyren und viele Varianten im Spiel.

Altlastensanierung ab 1991

Nach der Wende wurden Klagen der Anwohner über Schadstoffbelastungen ernster genommen. Seit 1991 begannen Sicherungs- und Sanierngsmaßnahmen des Senats. Zunächst hatte es eine fünfjährige, 9 Mio. DM teure Sanierung mit Bodenarbeiten gegeben. Seit Oktober 2004 steht die eine Grundwasser-Reinigungsanlage im Park. Die Schutzmaßnahmen sollten 2013 erweitert werden.
Zu den vier Brunnen, die kontaminiertes Grundwasser auf dem Weg ins Urstromtal und ins Grundwasser der Spree abfangen, soll wenigstens ein weiterer Brunnen kommen.

Deit 2004 anfallenden Kosten für die Grundwassersicherung, für Erweiterungen und sanierungsvorbereitende Untersuchungen belaufen sich derzeit auf ca. 3,3 Mio. €.

Grundwassersanierung Thälmann Park

Fachliche Prüfung und neue Gefährdungsabschätzung notwendig

Der Spielplatz bleibt nun bis auf Weiteres gesperrt. Ein vorliegendes Gutachten zu aktuellen Kontaminationen ist derzeit noch unter Verschluß.

Ob die mit der Neugestaltung des Spielplatzes beauftragte Landschaftsarchitektin Britta Gehrke die Grundlagen der Planung ausreichend ermittelt hat, muß geprüft werden. Auch können bei der Beauftragung Fehler passiert sein – denn üblicherweise werden bei einer Spielplatzsanierung keine Altlastenfragen geklärt.

Die eingebaute Dichtungsfolie war oberflächennah eingebaut, und mit Betongittersteinen als Grabeschutz abgedeckt, bevor der Spielsand aufgetragen wurde, eine Anfang der 90er Jahre durchaus übliche Bauweise, um den Gefährdungspfad zwischen Schadstoffen im Boden und einer neuen Flächennutzung sicher zu trennen.

Im Nachhinein stellt sich die „Altlasten-Sicherung“ von 1991 als Problem für die nachfolgende Spielplatzneugestaltung heraus.

In jedem Fall ist die zuständige Behörde nun zur rechtssicheren Klärung verpflichtet, und muß eine neue Gefährdungsabschätzung erstellen. Die Spielplatz-Sicherung auf belasteten Boden könnte sich dabei als sehr teure Maßnahme erweisen.

Bei der neuen Begutachtung müssen die Gutachter nun auch nach oberflächennahen Schadstoffen suchen, und die Frage klären, wie sich unter der Abdichtungsfolie PAK und BTX in Bodenluft und Wasser ausgebreitet haben.

Die tiefliegenden Kontaminationen des Grundwassers werden durch die laufende Grundwasserreinigung erfaßt, und haben mit der overflächennahen Belastung des Spielplatzes nur die Entstehungsgeschichte gemeinsam.

Die Zuständigkeit liegt nun wieder bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Weitere Informationen

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Bodenschutz/Altlasten

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m/s