Montag, 21. August 2017
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Spielplätze neu denken in Pankow!

Spielplatz Humannplatz im Herbst 2014

Roland Schröder (SPD) ist nicht nur Vorsitzender des Ausschuss für Stadtentwicklung und Grünanlagen, sondern auch einer der fleissigsten Bezirksverordneten, was die Formulierung Kleiner Anfragen angeht. Mit Kleinen Anfragen ermitteln Bezirksverordnete Informationen oder arbeiten Probleme bzw. Misstände heraus, um eine politische Debatte und/oder bezirkliches Handeln mit den Antragsthemen anzuregen.

Spielplatz Humannplatz im Herbst 2014
Spielplatz Humannplatz: Herbstsonntag 2.11.2014

Das Bezirksamt ist gehalten, die Anfragen angemessen und in angemessener Frist zu beantworten. Besonders interessant sind jene Anfragen, die mit ganz unscheinbaren Fragen daherkommen, deren politische Brisanz sich erst beim Vorliegen der bearbeiteten Antworten erschliesst. Beim Thema Kinderspielplätze könnte es sich um so ein Thema handeln.

Roland Schröder (SPD) in der BVV-Pankow
Roland Schröder (SPD) in der BVV-Pankow am 15.10.2014

Spielplätze am Arnimplatz und Falkplatz

In seiner Kleinen Anfrage KA- 0658/VII fragte Schröder nach der Wiedernutzbarmachung des Spielplatz an der Rhinower Straße und den Möglichkeiten, die Hilfe der Anwohnerinnen und Anwohnern in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig fragte er nach den zweckgebundenen Einnahmen des Bezirksamtes für die Buchungsstelle im Kapitel 4720 des Bezirkshaushaltes. Hier ist ganz beachtliches Geld zusammengekommen, und vielleicht stand auch die stille Erwartung hinter der Frage, die Mittel könnten für die Sanierung von Spielplätzen in Frage kommen.

Spielplatz gesperrt! Kopenhagener/Rhinower Straße
Spielplatz gesperrt! Kopenhagener/Rhinower Straße – seit 3 Jahren Bauzaun im Kiez

Enttäuschende Antwort zum Spielplatz Rhinower Straße

Die Antwort zum gesperrten Spielplatz Rhinower Straße war eine echte Enttäuschung, denn hier ist eine Anwohnerinitiative „Koppegärtner“ aktiv, die den Spielplatz gern wieder nutzbar zu machen würde:

„Die Möglichkeiten sind sehr begrenzt, da das Bezirksamt die Verkehrssicherheit auf den Spielplätzen gewährleisten muss und auch dafür haftet. Anwohner haben in der Regel keine Fachkenntnisse für den Aus- bzw. Einbau oder Reparatur von Spielgeräten.“

So werden vorbeugend alle konstruktiven Gedanken aus Verwaltungssicht abgeblockt. Immerhin, ein klitzekleiner Spalt ist offen:

„Eine Möglichkeit wäre meist nur, ggf. Spielgeräte anteilig über Spenden zu finanzieren.“

Doch auch hier wird auf die Bremse getreten, diesmal die Kostenbremse: „Zur Verdeutlichung: Bei kleinen Kletterkombinationen (Turm mit Dach, verschiedenen Aufgängen und einer Rutsche) bewegt man sich meist kostenseitig schon im unteren fünfstelligen Bereich. Hinzu kommt die Herstellung des benötigten Fallraumes mit Fallschutz entsprechend der DIN-EN 1176 und 1177, der ebenfalls fachgerecht herzustellen und zu finanzieren ist.“

Falkplatz und Arnimplatz mit eingeschränkter Spielmöglichkeit

In der Antwort heißt es weiter: „Auf dem Falkplatz sind wegen notwendiger Reparaturen zwei Geräte gesperrt.“ – „Beim Arnimplatz stellt sich die Situation etwas anders dar. Für die Unterhaltung u. a. von Spielgeräten stehen leider nicht genügend Mittel im Haushalt zur Verfügung, sodass von den Mitarbeitern Prioritäten bei den Reparaturen gesetzt werden müssen. Das kann dazu führen, dass bei zu hohen Reparaturkosten, insbesondere bei Spielgeräten aus Holz, diese ersatzlos abgebaut werden müssen.“

Immerhin sind für den Arnimplatz Mittel angemeldet, die voraussichtlich 2015 abgerufen und verbaut werden können.

Spielplatz im Mauerpark
Spielplatz im Mauerpark:
Klettergerüst heiß begehrt am 2.11.2014

Verwendung der zweckgebundene Einnahmen

In der Antwort des Bezirksamtes wurde auch die Verwendung der zweckgebundene Einnahmen aus vergangenen Jahren aufgeklärt. Bei den zweckgebundenen Einnahmen der Buchungsstelle in Kapitel 4720 handelt es sich um Mittel, die insbesondere von Bürgern als auch Firmen gezahlt wurden. Es handelte sich hierbei um Baumspenden, Zahlungen für die Grünentwicklung im Bezirk, Einnahmen aus Buchverkäufen.
Sie wurden vorrangig für die Neu- bzw. Ersatzpflanzung von Bäumen und deren Anwachspflege, für die Verbesserung der ländlichen Strukturen, für Ausgleichsmaßnahmen und für die Grünunterhaltung eingesetzt.

Übernutzung von Spielplätzen in Pankow ein generelles Problem

Wie dramatisch die Übernutzung der Spielplätze in Pankow ist, wurde schon durch die weitere Kleine Anfrage KA-0349/VII (aus dem Jahr 2013) deutlich, weil das Jugendamt zwischenzeitlich erwogen hatte, Neugründungen von Kitas ohne eigene Grünfläche zu stoppen:

„In der KA-0349/VII führte das Bezirksamt auf Frage 3 aus: „Um eine Übernutzung der Spielplätze zu verhindern, hat das Jugendamt Anfang Mai beschlossen, befristet für ein Jahr der Gründung von Kitas ohne eigene Freifläche, in der Bezirksregion XIII (Helmholtzplatz), um den Kollwitzplatz und um den Humannplatz nicht mehr zuzustimmen.“

Im Juli 2013 wurden die in der KA-0349/VII erwähnten Gebiete noch nach umfangreichen Abstimmungen um folgende erweitert:

– Planungsräume 23, 24, 25 in der Bezirksregion IX (Weißensee)
– Westlicher Teil der Bezirksregion VI (Pankow Zentrum)

Die Bezirksregion XI gehörte im Juli 2013 nicht zu diesen Bezirksregionen. Obwohl das Straßen- und Grünflächenamt Pankow auch für diese Bezirksregion Übernutzungserscheinungen der Spielplätze verzeichnete, wurden von anderen Fachleuten die weitläufigen Grünflächen des Mauerparkes, des Jahn-Sportparkes (auch von Kitas genutzt), des Armin- und Falkplatzes als deutliche Entlastung für die Spielplätze angesehen.
In der Drucksache KA-0349/VII wurde die Bitte an das Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt, alle Spielplätze aufzulisten, die bereits Übernutzungserscheinungen aufweisen, um auch im Umfeld dieser Spielplätze entsprechend planen und reagieren zu können.

Überlastungssituation auf 220 Spielplätzen

In der Antwort des Bezirksamtes wird auch deutlich: es sind rund 220 Spielplätze, Außenanlagen der 70 Schulen des Bezirks und 9 Jugendfreizeiteinrichtungen, die überlastet sind.

Damit tut sich ein Grundsatzproblem auf, denn bisher übliche Spielplatzaustattungen haben nur eine begrenzte Lebensdauer, die in Berlin bei ca. 6 Jahren liegt.

Für die Spielplatzinstandhaltung stellt das eine enorme Herausforderung dar, denn bei einer linearen Überschlagsrechnung müßten in Pankow jährlich rund 37-40 Spielplätze grundlegend instand gesetzt werden, um die Gesamtzahl in Betrieb und betriebssicher zu halten.

Spielplatz mit Seele in Ostritz
Spielplatz mit Seele, Ostritz, Foto: Stadtverwaltung Ostritz

Spielplätze neu denken in Pankow!

Spielplatzplanung und Instandhaltung benötigen in Pankow ein Konzept, das auf lange Sicht funktioniert und dem für die nächsten 10-12 Jahre absehbaren Bedarf gerecht wird. Die heute im Spielalter befindlichen Kinder werden in wenigen Jahren weiterführende Schulen besuchen, und der Spielplatzbedarf wird sich dem anpassen. Gleichzeitig verändert die sich entwickelnde Altersstruktur auch die Belastung der Spielplätze und Geräte, denn Kleinkinder spielen anders, als Heranwachsende.

Die Einbindung von Bürgerinitiativen und Trägern wäre deshalb eine vernünftige Sache. Auch die organisierte Einwerbung von Spenden ist eine gute Idee, die schon der zuständige Stadtrat Carsten Röding (CDU) in Berlin-Spandau sehr erfolgreich umgesetzt hat (Aktion „Raum für Kinderträume„).

Auch muß über die Ausstattung von Spielplätzen mit Spielgeräten und über den Aufwand von Gestaltungsideen und -elementen nachgedacht werden. Pädagogen wissen: „Der Raum erzieht mit!“ – Es ist oft sinnvoller, zu „Strukturieren“, statt zu „Dekorieren“.

Viele Spielmöglichkeiten können in der Geländeform und Flächenausstattung mit Wegen, Spielsand, Rasen und Grünfläche und Bodenmodellierung angelegt werden. Den Kindern wird nur Raum für eigene Phantasie und Bewegung gegeben. Auch wird das Potential mobiler Spiele, die von Kindern und Betreuern mitgebracht werden, oft nicht ausgenutzt.

Ein Drachen auf einer Wiese, Papierflieger die von einem Hochsitz starten, Boccia und Federball, viele Spiele benötigen einfach nur „Freifläche“ – kommen ohne große Möblierung aus.

Eine kleine Stadt aus angemalten Steinen, ein Labyrinth aus Zaunteilen und schnellwachsenden Pflanzen und feste Tunnel und kleine Höhlen und Sitzmöglichkeiten aus Baumstämmen und Steinen sind dauerhaft und wartungsarm.

Im Neuköllner Jahnpark gibt es etwa eine über 50 Jahre alte „Beton-Schlange“, die schon von etlichen Generationen von Kindern genutzt wurde, und etwa so haltbar ist, wie das Käthe-Kollwitz-Denkmal, das heute fast wie ein Spielgerät genutzt wird: mal Sitzplatz, mal Herausforderung zum Klettern, und im Winter als Zielscheibe für Schneebälle.

Spielplatzeröffnung in Buch am 13.6.2013

Deutscher SPIELRAUM Preis und andere Wettbewerbe

Das Bestreben, kreative und angemessene Lösungen für Spielplatzgestaltungen zu finden, treibt praktisch alle Kommunen und Träge ran. In den Wettbewerben „Deutscher SPIELRAUM Preis“ wird ein Trend zum naturnahen und strukturierten Spielplatz erkennbar, der mit robusten Ausstattung und dauerhaften Materialien funktioniert.

Auch ist eine altersgerechte Differenzierung notwendig, und es gibt nicht nur „Spielplätze im Sinne der Bauordnung“, sondern „Außengelände, Schulhöfe, Spielplätze, Bolzplätze, Abenteuerspielplätze, Kinderbauernhofe, Kita-Gärten und Kinderkulturgärten“(u.a.).

Die in Pankow vorbildliche „Kinderbeteiligung“ an der Spielplatzplanung muß ebenfalls kritisch befragt werden, weil sich ein Trend zur „Überausstattung“ abzeichnet, starre Großspielgeräten zu beschaffen, die nur kurze Zeit bedürfnisgerecht sind.

Kreative Ideen, wie mit relativ einfachen Eingriffen und Gestaltungsideen Kindern ein umfangreicheres Spielangebot und freies Spielen ermöglicht werden kann, sind unterrepräsentiert.

Landschaftsarchitekten und Planer sind gefordert, mit Eltern, Kindern und Erlebnispädagogen neu über Kinderspiel und die Eltern-Kind-Kommunikation nachzudenken.

Ein Spielplatz als „BEWEGUNGSsbaustelle“ lässt Kinder ihre Bewegungsanlässe selbst bauen: großräumig austoben, aktiv mit dem eigenen Körper auseinandersetzen, eigene Kräfte zum Einsatz bringen, geräusch- und lustvoll agieren, neue Bewegungsmuster kennen
lernen. laufen, springen, hüpfen, klettern, rutschen, schaukeln, wippen, kriechen, kippeln, gleiten, rutschen, heben, tragen, stützen, schieben…

Die Grundidee von „Bewegen und Bauen“ für Kinder vergrößert etwa das Potential an Gestaltungsmöglichkeiten, Kinder müssen hier Materialien in Verwendbarkeit und Eigenschaften kennenlernen, Bau- und Bewegungseinfälle selbst erfinden. Natürlich müssen Erwachsene hier mehr aufpassen, und auch ggf. helfend eingreifen, aber gemeinsame Eltern-Kind-Aktivitäten sind sehr förderlich!

Das allein spielende Kind auf dem Spielgerät, auf Sitzbänken platzierte Eltern, die sich mit dem Smartphone beschäftigten – das ist dagegen ein eher problematisches Spielplatzkonzept.

Weitere Informationen:

Anlage: Liste der stark frequentierten Spielplätze nach Ortsteilen

* KA-0349 VII wurde von Nils Petring (DIE LINKE) 2013 gestellt.

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m/s