Donnerstag, 18. Januar 2018
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Sprunghafter Anstieg bei Krankenhausinfektionen im Herbst 2017

Norovirus - 3D-Modell

In Berliner Kliniken hat es im Herbst 2017 einen sprunghaften Anstieg von Krankenhausinfektionen gegeben. Hauptübeltäter sind Noroviren – das sind hochansteckenden Magen-Darm-Keime, die zur Spezies der humanpathogenen, unbehüllte, einzelsträngigen RNA-Viren zählen. Genauer zur Familie der Caliciviridae und der gleichnamigen Gattung Norovirus.

Das Norovirus grassiert in ganz Deutschland. In Berlin gab es in Berliner Krankenhäusern insgesamt 225 Ausbrüche, bei denen sich 1.763 Patienten in Kliniken mit Krankheitserregern ansteckten. 2016 waren es 59 Ausbrüche, die 424 Patienten trafen. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Gesundheit auf eine FDP-Anfrage hervor. Je nach Keim sind Krankenhausinfektionen meldepflichtig.
An zweiter Stelle standen 37 Rotavirus-Ausbrüche, die ebenfalls Durchfall auslösen können. Die Infektion traf 208 Patienten.

Noroviren verursachen Erbrechen und Durchfall

Hauptursache für den Anstieg von von Krankenhausinfektionen 2017 waren Infektionen mit Noroviren, die Erbrechen und Durchfall auslösen können. Dieser Keim war allein für 141 Ausbrüche auf Stationen verantwortlich, von denen 1.302 Patienten betroffen waren. Die virale Gastroenteritis, wörtlich Magen-Darm-Entzündung, wird umgangssprachlich als Magen-Darm-Grippe bezeichnet. Noroviren sin neben den Rotaviren aus der Familie der Reoviridae für die Mehrzahl der nicht bakteriell verursachten Durchfallerkrankungen beim Menschen verantwortlich.
Mit einer minimalen Infektionsdosis von 10 bis 100 Viruspartikeln ist die Übertragungsfähigkeit der Noroviren außerordentlich hoch. Der Nachweis von humanen Noroviren ist in Deutschland daher auch nach § 7 Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig. Die Inkubationszeit ist kurz und liegt zwischen 4-48 Stunden nach dem ersten Kontakt.

Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch über eine Kontakt- bzw. Schmierinfektion oder durch Einatmen von Aerosolen, etwa aus Toiletten in Gemeinschaftseinrichtungen.

Der Erreger wandert in der Regel von oben nach unten durch den Magen-Darm-Trakt. Daher beginnt die Erkrankung meist mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen. Durchfall kommt meist nach einigen Stunden dazu, während die Magensymptome dann bereits nachlassen können.

Norovirus-Fälle in ganz Deutschland gemeldet

Das Virus ist verstärkt in Norddeutschland ausgebrochen. Das Hamburger Abendblatt meldete, dass 40 Fälle beim Gesundheitsamt des Kreises Nordfriesland gemeldet wurden. 14 Personen einer Reisegruppe aus Hamburg wurden beim Urlaub in einem Husumer Hotel vom Norovirus heimgesucht und ins Krankenhaus gebracht. 47 Erkrankte waren seit Anfang Dezember im Kreis Steinburg rund um Itzehoe betroffen.
Weitere Fälle wurden aus Paderborn gemeldet. 9 Patienten und 6 Mitarbeiter im Krankenhaus St. Johannisstift sind betroffen.
Auf der geriatrischen Station im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden wurden 12 Personen gemeldet.
Weitere Fälle wurden aus dem Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) in Bielefeld gemeldet. In Netphen bei Siegen wurden 20 Fälle in der Pflegeeinrichtung Haus St. Elisabeth bestätigt. In Leipzig steckten sich mindestens elf Menschen mit dem Norovirus an. Im Landkreis Konstanz am Bodensee wurden seit Anfang Dezember 45 Fälle der Krankheit gemeldet, vor allem in Kindergärten und Altenpflegeheimen.

Die Norovirus-Infektionen sind vor nur durch eine strenge WC-Hygiene vermeidbar. Vor allem die Aerosol-Übertragung ist ein akuter Übertragungsweg. Experten empfehlen deshalb WC-Deckel vor dem Spülen zu schließen. Händewaschen und die Desinfektion von Türklinken sollte bei Gemeinschafts-WCs in Kantinen, Kitas und Schulen geregelte Routine sein.

Rückgang der Ansteckungen mit multiresistenten Bakterienstämmen

Von zehn auf nur noch einen Ausbruch gingen in Berlin gemeldete Ansteckungen mit multiresistenten Bakterienstämmen (MRSA) zurück. MRSA sind Bakterien, die in der Regel nicht auf mehr gängige Antibiotika-Gruppen reagieren. Waren davon 2016 noch 24 Patienten betroffen, blieb es in diesem Jahr bei 2 Ansteckungen. Auch Infektionen mit dem Bakterium Klebsiella, das in der Regel nicht auf Penicillin reagiert, gingen zurück.

Der Grund: Viele Kliniken haben ihr Hygiene-Management mit Blick auf multiresistente Keime in den vergangenen Jahren verbessert. Als einfache Grundregel gegen Krankenhausinfektionen gilt generell für Ärzte, Pfleger, Patienten und Besucher: Händewaschen und desinfizieren. Als Keimschleuder gelten zum Beispiel Türklinken.

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