Freitag, 18. August 2017
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STAHL + PAPIER

STAHL + PAPIER
Ernst J. Petras – Skulpturen
Frank Diersch – Zeichnungen

Eine spannungsvolle Begegnung zweier Materialien und zweier Künstler ist in der Remise der Kunstgießerei & Galerie Flierl zu sehen. Skulptur und Zeichnung begegen sich in einem Raum. Die Ausstellung ist schon seit dem 22. März zu sehen, und wird noch bis zum 4. Mai 2014 gezeigt.

Im Rahmenprogramm findet am 16. April um 19 Uhr ein Künstlergespräch statt.

Skulpturen & Plastiken aus Stahl

Ernst J. Petras, 1955 ist in Potsdam geboren, absolvierte ein Abendstudium an der Kunsthochschule Berlin, Bereich Plastik. Später studierte er an der Hochschule für Kunst & Design Halle Burg Giebichenstein. Als Kurator wirkte er u.a. im Skulpturenpark Liebenberg, lehrte an der Jugendkunstschule Panketal im Bereich Plastik und nahm an Symposien in Frankreich, Hamburg und in Berlin-Brandenburg teil. Von 2009-2011 startete er das „Beirut Projekt“, in dem er sich ein Atelier in Beirut / Libanon einrichtete. Es folgten Reisen durch Syrien, Jordanien, Ägypten. Regelmäßige Ausstellungen sind im In- und Ausland zu sehen. Arbeiten im öffentlichen Raum stehen in Deutschland, Spanien, Frankreich, Polen und der Niederlande. Ernst J. Petras ist als freischaffender Künstler in Neuenhagen und Berlin tätig.

Seit seinem Aufenthalt in Beirut/Libanon beschäftigt sich Ernst Petras konsequent mit dem Quadrat und in der dreidimensionalen Form mit dem Würfel. Die ersten Zeichnungen aus dem Herbst 2009 sind Chaos beherrschende Quadrate. Dem folgen aber auch Arbeiten aus gefundenen Materialien und Kunststoffmüll, viele Zeichnungen mit Tusche und dem bevorzugtem Bleistift. Aber immer auch Metall.

Die Cubes

Zuerst wurden Skulpturen von ausgesprochener Klarheit und Genauigkeit gefertigt. Dem folgen die „schiefen Cubes“. Parallel begann der Bildhauer mit der Arbeit an der Serie „Cypher Cubes“, wobei er die Stahlbleche vor dem Zerschneiden mit einem Schriftzug verseht, diese zerschneidet und als Cube neu zusammenschweißt, ähnlich dem Verfahren der Bemalung der Reliefs Anfang der 1990 er Jahre. Der Schriftzug oder das geschriebene Wort ist nun nicht mehr lesbar, somit chiffriert. Es sind lediglich Fragmente meist weißer Reste von Buchstaben sichtbar, lesbar ist nichts mehr.

Vor fast genau einem Jahr begann Petras die Cubes mit klaren geraden Schnitten zu zerteilen. Es entstehen Skulpturen mit völlig neuem Charakter, die sich von der strengen geometrischen Klarheit entfernen hin zu einer offenen, teils musischen Leichtigkeit. Durch diese offenen Formen treten sie in einen sichtbaren Dialog mit ihrem Hintergrund. In den chiffrierten Cubes treffen sich Skulpturen aus Stahl mit den Zeichnungen auf Papier von Frank Diersch.

Frank Diersch, Arbeit 2012
Frank Diersch, Arbeit 2012 , 21 x 14,8cm

Frank Diersch, 1965 in Ost-Berlin geboren, absolvierte die Lehre zum Positivretuscheur. Nach Zeichenkursen bei Wulff Sailer studierte er von 1985 bis 1987 an der Fachschule für Werbung und Gestaltung, Berlin bei Bodo Müller und Manfred Paul. 1993 bis 1994 war er Meisterschüler/Stipendiat an der Akademie der Künste in Berlin. Ab 2005 hatte er Lehraufträge an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, der Hochschule für bildende Künste Hamburg, und an der Bergischen Universität Wuppertal. Der Künstler lebt in Berlin und Woltersdorf.
Frank Diersch beschreibt seine Papierarbeiten folgendermaßen: „Auf den Papieren versammeln sich sowohl in zeitlich ungleichen Abständen die Anwärter auf Figurendarstellungen, die einem inneren Pandämonium entspringen, angefeuert vom Alltäglichen, als auch Entwürfe von Sehnsuchtsorten und Aussichten, die scheinbar ideale Motive behaupten, arkadische Musterfälle und Verfallsvorbilder aus vergangenen Zukünften. So wie die Higgs- Gottesteilchen im Labor gesucht werden, unter Aufbietung großer Energien und nahe dem Orkus der Schwarzen Löcher, so sucht der Gegenwartszeichner Existenzbeweise im Schlick der Tinten und im Hinblick auf die zweidimensionale Unendlichkeit“.

Der Kunsthistoriker Dr. Fritz Jacobi hat die Arbeiten von Frank Diersch in seinem Artikel „Magische Gestaltverwandlungen. Zu den Zeichnungen von Frank Diersch“ wohl am besten inhaltlich und stilistisch erfasst: „Der Zeichner Frank Diersch begibt sich mit seinen von einer beinahe suggestiven Phantasie durchwobenen Blättern in geheime innere und äußere Welten. Sie lösen dennoch eine gewisse Vertrautheit in uns aus, weil diese skurrilen Linien- und Fleckgebilde Relikte des Realen einfangen, die wir beim Lesen seiner Blattgefüge nach und nach entschlüsseln. Eine wirkliche Deutung der bewegten, im Raum verspannten Szenarien aber gelingt nicht, was ganz der Intension des Künstlers entspricht. Denn Frank Diersch geht es gerade darum, mit gegenläufigen Formelementen und widerstreitenden Bedeutungsgehalten gewohnte Stimmigkeiten aufzubrechen, Bekanntes in die Distanz zu rücken und funktionale Zusammenhänge in scheinbar absurde Zuständigkeiten zu verwandeln.“

Diersch’s spielerisch verfremdete Zwischenwelten spiegeln existenzielle Momente und bleiben dabei fest im Boden verankert. Wie auf einer Bühne wachsen Figurenwesen, Objektgebilde, Naturerscheinungen und kryptische Schriftzeichen, Träume und Vorstellungen herauf. Diese surrealen, unergründlich und eigenwillig wirkenden Gestaltverwandlungen entfalten ihre ganz eigenen, fast erstarrten Lebensenergien. Organisch erscheinende Fleckgebilde erscheinen teilweise leicht und luftig, teilweise grotesk, bedrängend und bedrohlich. Zarte und feste Strukturen, collageartig zusammengefügt, ergeben ein magisches, fast mystisches Wechselspiel und eine ständige Bewegung.

Öffnungszeiten: Gießerei / Büro: Mo: 10 – 18 Uhr, Di, Mi, Do, Fr: 10 – 15 Uhr
Galerie: Mo – Fr: 14 – 19 Uhr und auf Anfrage: galerie@kunstgiesserei-flierl.de

Kunstgießerei & Galerie Flierl, Friesickestraße 17, 13086 Berlin-Weißensee – www.kunstgiesserei-flierl.de

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m/s