Freitag, 18. August 2017
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Stieglitz ist Vogel des Jahres 2016

Stieglitz - Carduelis carduelis)

„Wenn ein ca. zwölf Zentimeter großer bunter Vogel mit roter Gesichtsmaske an Ihnen vorbeifliegt, könnte es der „Vogel des Jahres 2016“ sein. Der in Berlin oft anzutreffende farbenfrohe Stieglitz wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und seinem bayerischen Partner, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), zum Vogel des Jahres 2016 gewählt.“ Dies teile Anja Sorges, von der Geschäftsstelle des NABU-Berlin in Pankow mit.

Indikator für Artenvielfalt
„Der auch Distelfink genannte Stieglitz steht für vielfältige und farbenfrohe Landschaften, denn er ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher verschiedener Blütenpflanzen, Gräser und Bäume. Vor allem im Spätsommer und Herbst ist er häufig auf Disteln, Kletten und Karden anzutreffen, aus denen er sich geschickt die Samen herauspickt. Doch die Zahl an artenreichen Randstreifen von Feldern und Wegen mit Blumen und Wildkräutern geht zurück. In Berlin verschwinden wildblumenreiche Brachflächen, öffentliches und privates Grün wird zu intensiv gepflegt, Wildkrautvielfalt gar weggespritzt. Bunte Landschaften mit ausreichend Nahrung werden aufgrund des fortschreitenden Strukturverlustes immer seltener. Daher ist der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Mit seiner Wahl zum Vogel des Jahres 2016 wurde der Charaktervogel zum Botschafter für mehr Artenvielfalt – vor allem in Siedlungsgebieten und in der Stadt – auserkoren.

Bunte Stadt, bunter Vogel?
In Berlin gibt es jede Menge schräge Vögel, darunter aber auch viele echte. Die Spreemetropole ist abseits von Betonpromenaden und Dekorationsgrün gelegentlich auch bunt – für den Stieglitz immer noch bunt genug, wie eine im Jahr 2014 vorgenommene Untersuchung der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft e. V. herausfand. Auf 13 Probeflächen in fünf unterschiedlichen Lebensräumen wurde der Brutbestand des bunten Finken ermittelt und hochgerechnet. Mit 4.000 bis 6.000 Revieren lag dieser deutlich höher als der in der Vergangenheit auf 800 bis 1.600 Reviere geschätzte Bestand. Die höchste Dichte (1,4 Reviere/10 Hektar) wurde in Hochhaus- und Plattenbausiedlungen sowie Neubauwohnblockzonen mit lockerem Baumbestand und vorhandenen Grün- und Ruderalflächen erfasst. Die Lebensräume „Altbauwohnblockzone“ und „Kleingartenanlage“ wiesen einen deutlich niedrigeren Bestand auf. Ein Beleg dafür, dass der Stieglitz die zunehmende Innenstadtverdichtung innerhalb des S-Bahn-Rings, die
zulasten des vorhandenen Baum- und Strauchbestandes geht, deutlich quittiert.

Stadtbrut im Trend
Berliner haben zwar mehr Chancen, den Vogel des Jahres am Stadtrand zu beobachten, die Nachweise zeigen aber auch, dass der Stieglitz grüne Lebensräume mit einem lockeren Baumbestand, wilde Stadtbrachen, urbane Gärten, Sport- und Parkplätze nicht meidet.
Der farbenfrohe Stieglitz eignet sich daher gut als Indikator für ausreichend Gehölze und Krautfluren und damit als Indiz für eine lebenswerte Stadt. Diese muss aber gleichzeitig einer artenreichen Insektenwelt einen Lebensraum bieten.
Als Vollzeitvegetarier, der nur äußerst selten mal eine Blattlaus nascht und bevorzugt in Wohngemeinschaften lebt, steht der Stieglitz dem modernen Berliner übrigens in nichts nach. Für die Aufzucht der Jungen werden allerdings Kompromisse gemacht und tierische Nahrung in Form von Insekten benötigt. Wir sichern sein Überleben, wenn wir bei der Bau- und Städteplanung in Berlin bewusst strukturreiche Brachen, Verkehrsinseln sowie Ruderalflächen mit Samen tragenden Pflanzen berücksichtigen. Mit Distelsamen angereicherte „Samenbomben“ könnten ihm auch gefallen.

Mehr bunte Meter machen
Gleichzeitig mit der Verkündung des „Vogels des Jahres“ starten der NABU und der LBV die Aktion „Bunte Meter für Deutschland“. Ihr Ziel ist, möglichst viele Meter wildkrautreicher Grünflächen als neue Lebensräume für den Stieglitz und andere Singvögel zu schaffen. Ob dabei Flächen mit Wildblumen neu eingesät, Brachflächen gerettet und Ackerrandstreifen angelegt werden oder ob Kommunen bei der Pflege von Straßenrändern auf Gift und ständiges Mähen verzichten – auf einer Deutschlandkarte sollen diese Entwicklungen und Projekte dokumentiert werden. Machen Sie mit!“

Weitere Informationen:

www.nabu-berlin.de

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m/s