Mittwoch, 16. August 2017
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Stillstand in Pankow

Stillstand in Pankow: Baugrundstück am Pankower Anger

Mitten in Pankow, in Sichtweite der alten Pfarrkirche auf dem Anger liegt eine große Fläche brach. Hier stand die alte Kaufhalle. Die Fläche unmittelbar neben dem Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Pankow – zwischen Schulstrasse, Breite Strasse und Bleicheröder Park – ist eines der wichtigsten Filet-Grundstücke in Alt-Pankow.

Stillstand in Pankow: Baugrundstück am Pankower Anger
Stillstand in Pankow: Baugrundstück am Pankower Anger

Im Sommer 2012 war man noch optimistisch, ein neuer Bebauungsplan wurde mit dem Grundstücksbesitzer abgestimmt.

Die ANH Hausbesitz GmbH & Co. KG beabsichtigte bisher, hier ein großflächiges Einzelhandelszentrum zu bauen, als Gegenüber zur Rathauspassage. Der Pankower Anger sollte so in seiner Zentrenfunktion gestärkt werden.
Im rückwärtigen Teil sind Wohnungen geplant. Daas Grundstück bietet sich aufgrund seiner Lage eigentlich auch für eine Einkaufspassage an, die Fußgänger auf dem Weg zur Schulstraße und zum Bahnhof Pankow durchqueren können.

Erster Bauentwurf durchgefallen

Doch der erste Bauentwurf war im Jahr 2013 durchgefallen, ein fast quadratischer Baukörper mit Auffahrtrampe und Dachparkplatz. Das Pankower Stadtplanungsamt hat den Vorentwurf abgelehnt, weil er sich nicht in das bisherige Bauumfeld einfügt.

Städtebaulich muß auf das historische Gemeindehaus Rücksicht genommen werden, eine Fassadenfront mit einer Dachschräge und Dachziegeln würde gewiss besser passen, als ein Flachdach mit parkenden Autos und einem stabilen Geländer, das nicht wie eine schlanke Attika wirkt, sondern wie ein großer breiter Balken.

Auch ist die bereits bestehende Bebauung, beginnend am Restaurant Olivenbaum bis zur Mühlenstrasse städtebaulich prägend. Eine Front eines Einkaufszentrums mit Fenstern und darüber liegenden Büros, Praxen und auch Dachwohnungen würde dagegen einen stadtgestalterisch vielfältigen Anblick bieten.

Wettbewerb um Flächen und Park-Comfort

Dem Investor ANH ist es nicht zu verdenken, wenn er einen leicht zugänglichen Parkplatz schaffen will. Denn leicht zugängliche Parkplätze sind ein „muss“, wenn man wirtschaftlich erfolgreich vermieten will.
Die Konkurrenz zur Rathauspassage kann leichter gewonnen werden, wenn Autos keine Parkhaus-Kehren fahren müssen, und wenn man nicht in untere oder obere Geschosse fahren muß.
Leider hat die Pankower Stadtplanung einen starken Anreiz zum ebenerdigen Parken am REWE-Markt in der Wollankstraße gesetzt.
Es wird nun eher schwer werden, einen Ankermieter zu finden, der 10 Jahre Mietvertragssicherheit garantiert.
Der REWE-Markt zieht auch autofahrende Kunden aus der Rathauspassage ab – und hier muss sensibel reagiert werden, weil der Ankermieter KAUFLAND unter der Entwicklung leidet. Ohne KAUFLAND hätte die Rathauspassage ein echtes Problem, ausreichend Kunden anzuziehen.

Auswirkungen der Planungen am Pankower Tor

Mit den Planungen am Pankower Tor kommt zusätzliche Unsicherheit ins Spiel. Hier sollen bis zu 1.500 ebenerdige Parkplätze entstehen. Zudem droht ein massiver Verkehrsstau im Pankower Zentrum, der die Kreuzungen an der Granitzstrasse/Berliner Strasse und an der Florastraße/Berliner Straße überlastet. Bei einem Verkehrsstau bleiben die Kunden langfristig von den schlecht erreichbaren Einkaufsflächen weg.
Zudem droht nun auch noch eine juristisch bedingte Planungsunsicherheit, die man eigentlich mit dem vorgeschalteten Werkstattverfahren Pankower Tor vermeiden wollte.
Der Effekt: aufgrund bislang unklarer Verkehrsplanungen UND unklarer Bauleitplanung kann sich das Vorhaben auf „ungewisse Zeit“ verschieben.
Investor Krieger hat durch eine voreilige Veröffentlichung von geplanten Absprachen selbst zu dieser Planungsunsicherheit* beigetragen, denn die Konkurrenz am Alex und in der Schönhauser Allee schläft nicht.

Für die weitere Entwicklung im Pankower Zentrum droht nun Stillstand, denn der Investor ANH findet nur dann potente Ankermieter, wenn klar ist, was auf dem ehemaligen Güter- und Rangierbahnhof entsteht.

Senat, Bezirkspolitik und auch die Pankower Wirtschaft müßten eigentlich auf das Höchste alarmiert sein, denn jahrelanger Stillstand mitten in einer Wachstumsphase kostet Chancen und Arbeitsplätze.

Positive Geschäftstentwicklung im Kleinen

Blickt man die Pankower Einkaufsstrassen entlang, dann ist der Aufschwung spürbar. Insbesondere in der Berliner Strasse ist eine neue Entwickung in Gang gekommen, die aber noch höherwertige Angebote vermissen lässt.
Sogar bis zum U-Bahnhof Vinetastrasse ist es zu spüren: dort haben etliche Geschäfte neu eröffnet, sodass bereit eine Konkurrenz zum nördlichen Ende der Berliner Strasse eintritt.

Dienstleistungszentrum Garbátyplatz
Dienstleistungszentrum Garbátyplatz: Lamellen, Blenden - oder Was?

Das Dienstleistungszentrum am Garbátyplatz hat nun nach über einem Jahr endlich eine fertige Fasssade, über die wohl auch noch gestritten werden kann:

Sind es Lamellen, Kunst am Bau, Blenden, Fassadenelemente, Vorsatz-Stelen – oder was?

Es sieht gewöhnungsbedüftig aus, aber die Geschäfte wie EDEKA, Apotheke und DM erzielten dort 2013 bereits Rekordumsätze. Auch einige Arztpraxen sind dort sehr erfolgreich platziert.

Aufgabe der Politik: Stadtgestaltung

Die Bezirkspolitik und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt müssen nun selbst mehr zur Herstellung von Planungssicherheit tun. Wichtigste Aufgabe ist dabei eine Gesamtschau und eine Verkehrsplanung, die methodisch abgesicherte Zahlen und entsprechende Straßenplanungen, insbesondere an den Kreuzungen und Knotenpunkten, für das gesamte Pankower Zentrum vorlegt.

Für den Freifläche in der Breite Strasse sollte auch eine Alternativ-Planung ins Auge gefasst werden, denn mit zunehmender Zeitdauer wird es unwahrscheinlich, hier nochmals großflächigen Einzelhandel zu etablieren.
Ein Hotel, ein multifunktioneller Saal, ein hochwertiges Restaurant und ein mittelständischer Einkaufsmix – plus Wohnen passen womöglich längst besser ins Bild.

Die Frage: „Wie sieht Pankow im Jahr 2020 aus?“ – steht nun im Raum. Stillstand wäre die schlechteste Option. m/s

Weitere Informationen

* Gefährliche Planspiele am Pankower Tor – 18. 12. 2013

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m/s

4 thoughts on “Stillstand in Pankow

  1. Abgesehen von einigen Einzelhändlern im Rathaus-Center, ist der Kaufland die wohl am schlechteste Umsetzung
    eines Kaufland die ich jemals gesehen habe. Es ist eine Zumutung wie man zb für Wurst oder Milchprodukte durch alle Gänge vom Haupteingang, über Laufbänder, abermals durch alle Gänge zurück zum Obergeschoss – letztlich wieder alle Abteilungen im Obergeschoss durchqueren muss um zu den Kassen zu gelangen! Ich verstehe es nicht, wie man so etwas bauen kann.
    Ich gehe dort sehr ungern einkaufen. Sehr unübersichtlich, und viele weite Wege.
    Es ist eine Zumutung!

    1. eine sehr gute beschreibung der situation, fachlich fundiert und sachlich die verschiedenen einkaufsstandorte dargestellt ! leider fehlt dem amt der mut endlich endscheidungen vorran zutreiben. schade um die breitestrasse und pankower anger.

  2. Pankow hat sehr viele Familien, Jugendliche, Kinder! Es fehlt eine attraktive Schwimmhalle, ein Erlebnisbad. Das ANH Gelände wäre hierfür ein sehr guter Standort.

    Cooper

  3. Der artikel ist schon älter – wie ist der Stand aktuell? Zumindest zu sehen ist noch kein Fortschritt…

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