Montag, 21. August 2017
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Suhrkamp wird AG

Suhrkamp Verlag - Klingelschild

Der Suhrkamp Verlag geht aus dem Insolvenzverfahren gestärkt hervor – und wird in eine Aktiengesellschaft ungewandelt. Dieser Insolvenzplan wurde vom Amtsgericht Charlottenburg zugelassen.

Damit neigt sich ein langjähriger Gesellschafterstreit dem Ende zu, der zwischen Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz (59 % Anteil der KG) und Miteigentümer Hans Barlach (39% Anteil der KG) geführt worden war.

m/sSuhrkamp Verlag - Klingelschild

Die neue Suhrkamp AG wird einen Aufsichtsrat erhalten, als Mitglieder wurden bereits benannt:

Gerhard Baum, ehemaliger FDP-Innenminister
Hans-Magnus Enzensberger, Autor
Marie Warburg, Frau des ehemaligen Kulturstaatsministers Michael Naumann.

Die große Spekulation von Hans Barlach, sich durch einen Anteilskauf den Einfluss auf den Suhrkamp-verlag zu sichern, geht nun im Großen und Ganzen fehl.

Der Enkel des Bildhauers Ernst Barlach muß nun sogar noch Schulden aus diesem Geschäft aus dem Jahre 2009 begleichen und rund 5,4 Mio. € nachentrichten. Er war bei dem Kauf der Anteile über eine Aktiengesellschaft über fünf Jahre einen großen Teil des damaligen Kaufpreises schuldig geblieben und wurde vom Verkäufer Andreas Reinhart in Basel erfolgreich auf Zahlung, plus Zinsen verklagt.

Bereits im August teilte der Verlag Suhrkamp mit:

„Durch die Änderung der Rechtsform des Suhrkamp Verlags wird der insolvenzauslösende Gesellschafterstreit das operative Geschäft des Verlags nicht länger beeinträchtigen können. Zukünftig wird ein Vorstand – kontrolliert von einem durch die Aktionäre gewählten Aufsichtsrat – eigenverantwortlich handeln.“

„Der Formwechsel des Verlags berührt die Gesellschafterstellung der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung und der Medienholding AG nicht. Die Gesellschafter werden als Aktionäre wie bisher am Verlag beteiligt sein. Ihre Mitwirkungs- und Einflussrechte ergeben sich künftig aus dem Aktienrecht.“

Auch an den Ausstieg eines Gesellschafters wurde gedacht:

„Für den Fall, dass ein Gesellschafter an dem in die Rechtsform einer Aktiengesellschaft umgewandelten Verlag nicht mehr beteiligt sein möchte, sieht der Insolvenzplan ein Abfindungsangebot vor. Damit wird jedem der Gesellschafter die Möglichkeit eröffnet, seine Aktien gegen Erhalt eines Abfindungsbetrags an die Gesellschaft oder – mit Zustimmung des Verlags – an einen Dritten zu übertragen.“

„Darüber hinaus sieht der Insolvenzplan vor, dass der Insel Verlag, der operativ vollständig vom Suhrkamp Verlag abhängig ist, Tochtergesellschaft des Suhrkamp Verlags wird. Damit wird die gesellschaftsrechtliche Struktur der Verlagsgruppe entscheidend vereinfacht.“

Blätterrauschen in der Pappelallee

Ulla Unseld-Berkéwicz und ihre Verbündeten, die Autoren und Unterstützer können sich nach einem Sommer des Blätterrauschens nun bald wieder auf ihre Passion konzentrieren: schöne und bedenkliche Bücher zu produzieren.

Während die Pappeln in Prenzlauer Berg ihre Blätter verlieren, blüht der Verlag neu auf.

Hans Barlach wird jetzt als tragischer Spekulant und Prozeß-Hansl in die Literaturgeschichte eingehen.

Im Feuilleton und in der Literatur wird der Ausgang des Gesellschafterstreits allerdings noch einigen Nachhall finden – und sicher noch einige Umgewöhnung erfordern:

Aus „der Suhrkamp-Verlag“ wird nun „die Suhrkamp AG“ werden, und das hört sich nicht nur nach „Börse“ sondern auch nach unglaublich viel „Frauenpower“ an! m/s

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m/s