Freitag, 18. August 2017
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Telekom Hybrid bei niedriger DSL-Geschwindigkeit in Pankow

TELEKOM Hybrid-Test in Alt-Pankow

Im Pankower Zentrum wurde vielen Kabelkunden zum 19.10.2015 der „digitale Kabelanschluß“ gekündigt. Im Kern von Alt-Pankow existiert ein Gebiet mit schlechtem Breitband-Ausbau, das OPAL-Sondergebiet, für das Ausweichlösungen angewendet werden müssen. Telekom MagentaZuhause Hybrid soll die Versorgungslücke in Gebieten mit schlechtem Breitband-Ausbau schließen. Es ist eine Kombination aus DSL- und LTE-Verbindung, die über einen speziellen Router hergstellt wird.

TELEKOM Hybrid-Test in Alt-Pankow
TELEKOM Hybrid-Test in Alt-Pankow

Daniel Molenda von der Redaktion der teltarif.de Onlineverlag GmbH berichtet über den Test. Molenda: „Telekom MagentaZuhause Hybrid soll die Versorgungslücke in Gebieten mit schlechtem Breitband-Ausbau schließen. Wir haben den Anschluss in einem OPAL-Sondergebiet getestet.

Breitband Ausbausituation in Berlin-Pankow

Die Telekom Deutschland bietet seit November 2014 MagentaZuhause Hybrid an, ein Bündelprodukt aus DSL und LTE in einem. Der spezielle Router Speedport Hybrid realisiert den Internet-Zugang zunächst über den heimischen DSL-Anschluss und schaltet nach Bedarf einen weiteren Kanal per LTE hinzu, der Bestandteil des Vertrags ist. Dabei steht über die LTE-Verbindung ein unbegrenztes und ungedrosseltes Datenvolumen zur Verfügung. Durch die Aufteilung des Datenstroms durch den Router und die Bündelung in der Gegenstelle (Bonding) wird die Datenrate erhöht.

Die Anschlusstechnik eignet sich also in erster Linie für DSL-Anschlüsse, die nicht die gewünschte Leistung bringen. Wir gehen in diesem Test der Frage nach, ob sich Hybrid-Anschlüsse tatsächlich dazu eignen, eine schlechte Breitband-Versorgung auch im städtischen Raum zu kompensieren.

Wir haben für die Schaltung eines Hybrid-Test-Anschlusses mit schwacher DSL-Komponente im Stadtgebiet von Berlin einen Bereich gesucht, der eine schlechte DSL-Versorgung aufweist. Fündig wurden wir in Berlin-Pankow. Der Bezirk ist zwar der bevölkerungsreichste Berlins und umfasst unter anderem die Ortsteile Prenzlauer Berg, Weißensee, Blankenfelde und Pankow selbst.

Lücken in Pankow im Breitband-Atlas sichtbar

Ungeachtet der Bewohnerzahl tun sich bei der Breitband-Versorgung in Pankow Lücken auf.

Wir haben Pankow als Testgebiet ausgesucht, genauer: das OPAL-Sondergebiet um Florastraße, Wollankstraße und Grabbeallee, weil hier laut Breitbandatlas gebietsweise eine schlechte Versorgung mit DSL-Anschlüssen vorliegt. Nach der Wiedervereinigung wurden hier wie an anderen Orten in Ostdeutschland Glasfaserleitungen auf OPAL-Basis verlegt. Als sich herausstellte, dass über DSL und VDSL deutlich höhere Bandbreiten realisierbar sind, wurde das Netz mit klassischen Kupferleitungen überbaut. In diesen Gebieten sind bis heute DSL-Anschlüsse mit einer Bandbreite von maximal 6 MBit/s im Downstream erhältlich, sofern ein Anschluss überhaupt realisierbar ist.

Dies reicht jedoch für eine Schaltung von Hybrid-Anschlüssen aus. Laut Auskunft der Telekom können Hybrid-Anschlüsse an Annex-B-Anschlüssen auf All-IP-Basis ab einem Downstream von 3 MBit/s und an Annex-J-Anschlüssen ab einem Downstream von nur 384 kBit/s geschaltet werden. Potenziell seien 26 Millionen Anschlüsse in Deutschland Hybrid-fähig. Geschaltet sind nach Auskunft der Telekom jedoch nur ein Bruchteil dessen. Genaue Zahlen gibt der Netzbetreiber nicht bekannt.

Der Unterschied zwischen Pankow und dem „platten Land“ zeigt sich in der Vergleichsgrafik zum Netzausbau.

LTE mit bis zu 300 MBit/s verfügbar

Eine Voraussetzung für die Schaltung eines Hybrid-Anschlusses ist die LTE-Verfügbarkeit. Liegt nur GPRS/EDGE oder UMTS/HSPA an, wird MagentaZuhause Hybrid nicht geschaltet.

Im Gegensatz zu ruralen (ländlichen) Regionen ist im Testgebiet Pankow laut der Telekom-Netzkarte LTE über die Frequenzen 800, 1800 und 2600 MHz verfügbar. Abseits der großen Städte kommt oft nur die 800-MHz-Frequenz wegen ihrer vorteilhaften Ausbreitungseigenschaften zum Einsatz.

Telekom Netzausbau
Telekom Netzausbau –
links: LTE im Ortsteil Pankow über 800 MHz mit Datenraten bis zu 50 MBit/s. Rechts: LTE-Netzabdeckung mit 1800 und 2600 MHz.

In Pankow sind also über LTE Bandbreiten zwischen 150 und 300 MBit/s verfügbar. Der Hybrid-Anschluss sollte also in der Lage sein, einen schwachen DSL-Anschluss auszugleichen.

DSL im OPAL-Sondergebiet

Am Testanschluss war per DSL tatsächlich keine höhere Datenrate als die anliegenden 6,7 MBit/s zu bekommen. VDSL war gar nicht buchbar. Wir buchten daher zunächst einen reinen DSL-Tarif. Die Speedtests ergaben hier nur ca. 5,5 MBit/s im Downstream. Die synchronisierten 6,7 MBit/s wurden real nie erreicht. Für einen Festnetz-Anschluss in einer Großstadt – zumal im bevölkerungsreichsten Bezirk der Bundeshauptstadt – war dies ein sehr schlechter Wert.

DSL-Bandbreite am Testanschluß
DSL-Bandbreite am Testanschluß

Gleichwohl ist nicht ganz Berlin betroffen: Rund um den Ortsteil Pankow ist VDSL laut Netzabfrage verfügbar. Des Weiteren ist zu erkennen, dass im OPAL-Sondergebiet rund um die Florastraße in Pankow VDSL punktuell ausgebaut ist. Im restlichen Bereich ist MagentaZuhause Hybrid mit 16 MBit/s pro Leitung (insgesamt 32 MBit/s) weitestgehend buchbar. Per Speedoption lässt sich das Paket auf 66 bzw. 116 MBit/s erweitern.

Wir wollten wissen, ob konkret am Testanschluss auch mehr als 32 MBit/s drin sind.

TELEKOM Netzausbau Alt-Pankow
TELEKOM Netzausbau Alt-Pankow – Screenshot TELEKOM

Hybrid-Anschluss mit 66 MBit/s gebucht

Am Testanschluss haben wir den Tarif MagentaZuhause Hybrid S mit der Speedoption M gebucht. In diesem Paket sind bis zu 66 MBit/s im Downstream (16 MBit/s über DSL und 50 MBit/s über LTE) und rund 11 MBit/s im Upstream möglich.

Wie erwähnt war am Testanschluss kein VDSL verfügbar. Dreistellige Bandbreiten wären also erst mit der Speedoption L (100 / 40 MBit/s) möglich gewesen. Dieser Tarif wird nach Auskunft der Telekom jedoch nicht vorrangig von den Kunden gebucht.

Den Anschluss unterzogen wir einem ausführlichen Test, um Vor- und Nachteile im Testgebiet herauszufiltern. Das wichtigste vorweg: Die gemessene Bandbreite stieg in der Tat erheblich gegenüber dem zuvor geschalteten reinen DSL-Anschluss.

Die theoretisch erreichbaren 66 MBit/s wurden am Test-Anschluss nie gemessen. In der Spitze lagen die Ergebnisse bei rund 49 MBit/s. Üblicherweise hatte die Geschwindigkeit deutlich niedrigere Werte. Aufgrund von Kapazitätsproblemen im Netz brach die Bandbreite im Testzeitraum zeitweise sogar auf unter 1 MBit/s ein. Das Problem wurde jedoch offensichtlich behoben, so dass sich die Datenraten zwischen 20 und 30 MBit/s einpendelten. Die Schwankungen sind auf die Eigenschaft der LTE-Komponente als Shared Medium zurückzuführen. Am Hybrid-Anschluss konnten jedoch zwei Personen gleichzeitig ohne Aussetzer Videos in SD-Qualität streamen und normal surfen. Erst bei umfangreichen Uploads von Musikdateien in einen Cloud-Storage brach die Performance für alle Internetverbindungen spürbar ein.

Der Upstream lag im Speedtest überwiegend bei den zu erwartenden 11 MBit/s, meist sogar etwas darüber. Unterm Strich stellte der Hybrid-Anschluss also eine erhebliche Verbesserung in Puncto Geschwindigkeiten gegenüber dem reinen DSL-Anschluss dar.

In der Regel wurden Paketlaufzeiten (Ping) von 20 bis 30 Millisekunden gemessen. Dieser relativ gute Wert ist der DSL-Komponente des Hybrid-Anschlusses zuzurechnen. Daten, die über die LTE-Leitung gesendet wurden, hatten eine Laufzeit von ca. 70 Millisekunden. Nutzer von Hybrid-Anschlüssen müssen sich also in dieser Hinsicht auf eine Verschlechterung gegenüber dem reinen Festnetz-Produkt einstellen. Anwendungen, die auf Datenübertragung in Echtzeit angewiesen sind, hatten im Testzeitraum am Hybrid-Anschluss teilweise Probleme (z.B. Online-Spiele).

Schwierigkeiten beim Mail-Versand / Einstellungen am Speedport Hybrid

Beim Test sind wir auf eine weitere Fußangel gestoßen. Wer Schwierigkeiten mit dem E-Mail-Versand am Hybrid-Anschluss hat, sollte die Konfigurations-Oberfläche des Router überprüfen. E-Mail-Server im Speedport Hybrid gesperrt

Standardmäßig aktiv ist eine Einstellung im Speedport Hybrid, die Nutzern von weit verbreiteten E-Mail-Diensten Rätsel aufgeben dürfte: Die „Liste der sicheren E-Mail-Server“.

Wer hinter dem Speedport Hybrid mit einem E-Mail-Client arbeitet und E-Mails versenden will, sollte diese Option überprüfen, denn in der vorkonfigurierten Liste fehlen wichtige Anbieter. SMTP-Server, die nicht gelistet sind, werden vom Speedport gesperrt.

Verbesserungen nach Nutzer-Feedback

Dass die Telekom auf Nutzer-Feedback reagiert, hat zu einer kleinen, aber offenbar nicht unwesentlichen Veränderung geführt.

Technisch wenig versierte Nutzer beklagten, dass der SIM-Kartenschacht des Speedport Hybrid nicht einfach zu finden sei. Auf diesen Umstand hat die Telekom reagiert und den Schacht mit einem Aufkleber in der Unternehmensfarbe deutlicher sichtbar gemacht.

SIM-Schaucht am Speedport Hybrid
SIM-Schaucht am Speedport Hybrid: ein Aufkleber hilft beim finden des SIM-Schachts – Foto: www.teltarif.de Daniel Molenda

Nach Angaben des magentafarbenen Konzerns zeigte sich im Usability-Test, dass mehrheitlich Frauen unter den Nutzern keine Probleme beim Aufstellen und Einrichten des Speedport Hybrid hatten. Die weiblichen Testpersonen studierten die Installationsanleitung oft sehr genau und konnten auch bei geringen technischen Kenntnissen den Anschluss fehlerlos zum Funktionieren bringen.

Beitrag und verwendete Abbildungen & Screenshosts sind mit Genehmigung des Autors Daniel Molenda wiedergegeben und verlinkt:

Telekom Hybrid bei niedriger DSL-Geschwindigkeit | Daniel Molenda | www.teltarif.de/hybrid-pankow

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m/s