Montag, 23. Oktober 2017
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Touristische “Petitessen” #2

Sperr-Information im Schlosspark Buch

Der Schloßpark in Buch ist ergrünt, alle Blätter stehen voll im Saft. Frühsommergrün, traumhafte Parkszenen, dunkle Waldwege, helle Wiesen und dazu Wasser und Brückenübergänge locken Parkbesucher in ein beschauliches Gartenreich hinein.

Der Schloßpark Buch zählt zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten in Pankow – doch nicht über alle Brücken kann man gehen – ein provisorisches Wildzaun-Drahtgeflecht versperrt Parksuchern den Weg.

Sperre im Schlosspark Buch

Daran hängt ein auf denkwürdig-pragmatische Weise befestigter amtlicher Zettel. Eingelegt in eine Plastik-Aktenhülle und notdürftig mit gelb-schwarzen Warnband an das Drahtgeflecht geklebt, prangt eine amtliche Bekanntmachung mitten über dem Weg. Die Schrift ist zum Teil unleserlich, der Toner auf dem Papier etwas zerlaufen und ausgebleicht.

Als Spaziergänger ist man zuerst irritiert: ist es ein Streich? Oder gar eine Kunstaktion?

In jedem Fall wird die Neugier geweckt:

„Bezirksamt Pankow von Berlin – Abt. Finanzen, Personal und Umwelt – Amt für Umwelt und Natur“ steht im Briefkopf – daneben das Berlin-Logo.

Artenschutz im Schloßpark Buch

„Das Amt für Umwelt hat einen Teilbereich des ehemaligen Holländergartens für den Besucherverkehr gespert … (sinngemäß) …

Auf der betroffenen Fläche befinden sich Bäume auf denen geschützte Käferarten siedeln ….

In der beigefügten Karte ist dieser Bereich schraffiert dargestellt. Ohne Absperrung würden diese Bäume aufgrund ihrer nachlassenden Vitalität nach und nach gefällt werden müssen.

Die Sperrung wird nach dem Ableben der Bäume wieder aufgehoben.

Leider werden Sie kleine Umwege in Kauf nehmen müssen. Wir bitten um Verständnis für die Unannehmlichkeiten.“

Unterzeichnet ist das Schreiben mit „Schläger“.

Unwillkürlich fragt man sich: „Was mögen das für Käfer sein?“ Was hat es mit dem Ableben der Bäume auf sich? Dauert das lange? Oder geht es etwa schnell? … Wie groß und fix können die Käfer nur sein – wenn eine derart provisorische Sperrmaßnahme ausreicht?

Auf dem Heimweg in der S-Bahn inspirierte die Geschichte noch eine ganze Weile das Denken: „Hat das Amt hier etwa nur an Käfer und an Bäume gedacht?“ „Gibt es nicht einmal Geld für ordentliche Absperrhinweise?“.

„Sollte das Grünflächenamt sich auch in die Lage von Touristen versetzen und diese Hinweise mehrsprachig aushängen?“

Zum Schluß, die S-Bahn fuhr gerade im S-Bahnhof Pankow ein, kam die zündende Idee: „Baumfressende Käfer, herabfallende Äste und absterbende Bäume sind ein seltenes Naturschutz-Ereignis, das nicht genug bestaunt und gewürdigt werden kann.“

Wir haben es im Schloßpark nicht mit einer Absperrung zur Gefahrenabwehr, sondern mit einem „Käfer-Reservat“ und einer touristischen Attraktion zu tun! m/s

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m/s