Donnerstag, 14. Dezember 2017
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Touristische Petitessen #8

Panke naturnah

Das Flüsschen Panke verbindet Berlin-Mitte und die Stadt Bernau bei Berlin. Der Panke-Radweg folgt dem Lauf des Flüsschens und erfreut sich wachsender Beliebtheit. 2007 wurde die Panke als erstes gemeinsames Pilotprojekt zwischen Berlin und dem Land Brandenburg vereinbart.

Zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, dem Bezirk Pankow und dem damaligen Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz und dem Landesumweltamtbegannen wurden Vorarbeiten für die Entwicklung der Panke von der Quelle bis zur Mündung initiiert.

Panke 2015

Ziel des Pilotprojektes war es, „Vorgehensweisen in der Maßnahmenplanung und in der Beteiligung für den Prozess der Entwicklung einer guten ökologischen Gewässerqualität im hochurbanen Raum zu erproben.“

Das Maßnahmenkonzept war von April 2008 bis März 2009 von der Arge „Panke 2015“ erarbeitet worden. Das Jahr 2015 rückt heran, und in der Tat sind ganz beachtliche Projekte ins Leben gerufen worden.

Das Netzwerk „Panke 2015“ hat ein Engagement auf breiter Basis angestoßen. Viele Menschen und Projekte fühlen sich mit der Panke verbunden, es gab und gibt viele Möglichkeiten, sich aktiv an der Belebung des Stadtgewässers zu beteiligen. Gemeinsame Aufräum- und Putzaktionen, Frühstück am Wasser, Familien- und Kunstaktionen und Umweltprojekte wurden durchgeführt.

Der Verein „panke.info“, das Quartiersmanagement Pankstraße und Soldinerkiez, der Runde Tisch Blankenburg, sogar ein Panke-Park-Kulturkonvent und zeitweise eine lokale Agenda 21 wurden aktiviert. Die Bezirksämter Mitte und Pankow arbeiteten zusammen.

Panke - zugewuchert im August 2014
Panke – zugewuchert im August 2014

Naturschauspiel in Französisch-Buchholz

Fährt man mit dem Fahrrad entlang des Pankeradweges, so ist derzeit ein einmaliges Naturschauspiel zu sehen. Die Flußaue hat sich streckenweise in ein naturwüchsiges Paradies verwandelt. Große Stauden, langgewachsene Gräser haben sich allerüppigst entwickelt.
Wanderer, Jogger und Nordic-Walker kommen zum Teil nicht aus dem Staunen heraus:

Die Panke ist weg – nicht zu sehen – einfach zugewuchert! Soviel Natur war wohl noch nie!

Große und blühende Bestände von Urtica dioica wachsen überall am Wegesrand, und zeugen davon, der Boden ist bestens mit Nährstoffe versorgt. Unter den Süßgräsern fällt insbesondere Agropyron repens auf, das große, zusammenhängende Flächen besiedelt und andere Pflanzen sogar verdrängt. An trockneren Standorten in der Sonne mischt sich Bromus sterilis ein und ist mit seinen dürren Blütenrispen gut zu erkennen.

Große, dichtwüchsige Bestände von Artemisia vulgaris var. vulgaris und Artemisia vulgaris var. indica wachsen bis zu 1,5 Meter hoch auf, und sorgen für die Ausbreitung unendlich großen Mengen Blütenpollen. Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht sogar an einigen Stellen Wuchshöhen bis zu 2 Meter.

Auch Ambrosia artemisiifolia wurde gesichtet, deren Pollen leider für viele Menschen allergene Wirkung haben.

Wunderschöne gelbe Farbaspekte zaubern derzeit die Blütenstände von Solidago canadensis in die Pankelandschaft, ein Neophyt, der eigentlich eher auf innerstädtischen Brachflächen wächst, und sich hier in die Flußaue landschaftsmalerisch einmischt.

Grauwasserfahnen im Flüsschen

Den Radlern und Wanderern fällt nur das uppige Grün auf, und man ist dann doch einigermaßen erstaunt, wenn an Brücken doch wieder ein Stück grauverwaschenen Panke-Wassers und dunkelgrüne Unterwasser-Rasen zu sehen sind.

Was mag dort nur eingeleitet werden? Ist das Chemie? Küchenabwasser oder wird hier heimlich die Klärgrube geleert?

Man mag eigentlich nicht hinsehen – und ist dankbar, für die vielen hochwachsenden Gräser und Wild-Stauden.

Als Gewässer II. Ordnung unterliegt die Gewässerunterhaltung und der Gewässerausbau der Panke den Bestimmungen der Europäischen Wasserrechts-Rahmen-Richtlinie (EU-WRRL). Im Brandenburger Abschnitt nördlich von Buch wird die Panke gemäß Unterhaltungs-verbändezuständigkeitsverordnung regelmässig gepflegt. Böschungsmahd und Sohlkrautung, sowie mäandernde Sohlkrautung sorgen abschnittsweise für eine naturnahe Entwicklung der Flußaue.

2015 wird alles besser!

In Berlin wird es noch eine Weile dauern, bis der Unterhaltungsstandard von Brandenburg auch im Pankower Zuständigkeitsbereich erreicht wird. Immerhin: auf dem 5. Tag der Panke am 16. August 2012 hat man das Ziel verkündet:

Bis 12/2015 soll die Zielerreichung „guter ökologischer Zustand“ bzw. „gutes ökologisches Potential“ angestrebt werden.

Vielleicht kann man schon im nächsten Frühsommer anfangen, und die „verdammten Brennesseln, Beifuß-Gewächse und Quecken“ selektiv abzmähen, bevor sie hoch aufwachsen und blühen – damit auch anderen Pflanzen eine Chance bekommen, das Licht der Natur zu erblicken! m/s

Weitere Informationen:

Unkraut-Steckbriefe

Agropyron repens – gemeine Quecke
Artemisia vulgaris var. vulgaris – Gemeiner Beifuß
Artemisia vulgaris var. indica – Beifuß, asiat. Varietät
Ambrosia artemisiifolia – Beifuß-Ambrosie
Bromus sterilis – Taube Trespe
Solidago canadensis – Kanadische Goldrute
Urtica dioica – gemeinse Brennessel

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m/s