Donnerstag, 17. August 2017
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Tram M10 fährt zum Hauptbahnhof

Metro-Tram M10 zum Hauptbahnhof

In Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg wächst das Streckennetz der Straßenbahn endlich zusammen. Seit dem 29. August fährt die auch als „Party-Tram“ bezeichnete Metro-Tramlinie M 10 auch direkt bis zum Hauptbahnhof. Dazu bedienen die beiden Metro-Tramlinien M8 und M10 vom Nordbahnhof kommend die neue Strecke. Die erwartet BVG auf diesem Streckenabschnitt täglich bis zu 20.000 Fahrgäste.

Metro-Tram M10 zum Hauptbahnhof
Metro-Tram M10 zum Hauptbahnhof – der Abendsonne entgegen

Schon heute ist klar: diese neuen Tram-Linien werden nicht nur Berlin-Mitte, sondern auch Prenzlauer Berg verändern und beflügeln. Nicht nur Berlin-Touristen, sondern auch Sport- und Fußballfreunde werden die M10 nutzen, um quer durch Berlin bis nach Friedrichshain zu fahren. Viele Berufspendler werden auch von der S-Bahn auf die Metro-Tram umsteigen.

Entlang der gesamten Strecke wird sich das Nachtleben beleben, und auch für Händler, Cafés und Bars wird sich die geschäftliche Situation enorm verbessern. In Prenzlauer Berg und in Berlin Mitte entstehen neue Chancen, um der bereits weit fortgeschrittenen Gentrifizierung etwas Neues entgegen zu setzen.

Nordbahnhof
Nordbahnhof: Kurvenfahrt statt Endstation

Wichtige Attraktionen der Metropole werden verbunden

Das geplante Knaack-Kulturhaus am Mauerpark wird künftig eine wichtige Attraktion für das Nachtleben. Auch wenn es noch mit dem Bau etwas dauert: schon jetzt haben sich erste Agenturen und Planer Gedanken über die weitere Entwicklung entlang der Metro-Tramlinie M 10 gemacht, Räume für neue Locations abgesteckt.

Die Einbettung des Hauptbahnhofes in das ÖPNV-Gesamtnetz sorgt vor allem entlang der Invalidenstraße für neue Impulse. Mauerpark und Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark und Max-Schmeling-Halle werden enorm profitieren.

Auch für die Kulturbrauerei und die gesamte Danziger Straße werden neue Wachstumsimpulse für mehr Kulturbesucher ergeben. Handel und Gastronomie werden sicher schnell auf das neue Potential reagieren.

Vor allem die bequeme Anbindung des Naturkundemuseums dürfte für viel Interesse von Schülern und Familien aus Prenzlauer Berg sorgen. Schon in wenigen Minuten kann man das aufwändig modernisierte Naturkundemuseum gelangen, und aus dem Kiez in das Erdaltertum und in die vielfältige Welt von Fauna und Flora eintauchen.

Das Medizinhistorische Museum der Charité und der „Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin“ liegen ebenfalls an der Tram-Strecke.

Tramhaltestelle Hauptbahnhof
Tramhaltestelle Hauptbahnhof: kühn gebaut von Gruber + Popp Architekten

Haltestellen – Architektur – statt Standard-Stadtmöbel

Die aus einem Spezial-Leichtbeton gefertigte Haltestelle am Hauptbahnhof ist architektonisch ein gelungender Bau, der mit seinem kühn geschwungenen Dach angenehm mit der großen Architektur des Hauptbahnhofs kontrastier. Hier hat man ein bautechnisches und architektonisches Wagnis unternommen, das zunächst viel Ärger und Bauverzögerungen gebracht hat. Der mit Styropor versetzte Beton mußte aufwändig geglättet und beschichtet werden. Ein Risiko, das aber Experten bekannt ist – und dennoch kein grundsätzliches Hindernis für kühne Stahlbeton-Konstruktionen ist.
Das Architekturbüro Gruber + Popp hat hier zwei konstruktive Schalentragwerke entworfen. Mit Hochpunkten an den äußeren Querrändern und zu den Gleisen hin und Tiefpunkten an den Auflagern am S-Bahnabgang wird die doppelte Krümmung erreicht. Eine natürliche Entwässerung der Dachfläche wird so erreicht..
Der hochfeste Leichtbeton (LC45/50 nach DIN EC 2) mit Zuschlagsstoffen aus Leichtsanden und Blähton konnte deutlich Gewicht einsparen. Um das Eigengewicht der Schale zu minimieren, wurde für den äußeren, nur 7 cm dünnen Schalenbereich, eine nicht rostende Bewehrung gewählt. Die Bauweise ermöglicht ein von Leichtigkeit geprägtes Erscheinungsbild der Dächer.
In der Betontechnik wurde ein Weg zu ressourcenschonendem Bauen beschritten. die dünne und leichte Konstruktion verbraucht deutlich weniger Rohstoffe. Die Beton-Oberflächen wurden auf mineralischer Basis lasiert.

Tram + U - Haltestelle Hauptbahnhof
Tram + U – Haltestelle Hauptbahnhof mit großer architektonischer Geste

Fast zehn Jahre Verzögerung

Die Tramverlängerung vom Nordbahnhof zum Hauptbahnhof war schon zeitgleich mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs im Jahr 2006 geplant. Anwohnerklagen hatten das Projekt auf 2,4 Kilometer Streckenlänge lange gestoppt. Erst nach jahrelangen Prozessen konnte 2011 mit dem Bau begonnen werden. Für die Annalen der Städtebaugeschichte Berlins bemerkenswert: vier Bausenatoren waren mit dem Projekt beschäftigt: Peter Strieder (SPD) leitete das Planverfahren ein. Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) musste 2004 das Planverfahren des Vorgängers stoppen. Michael Müller (SPD) trieb den Bau endlich erfolgreich an. Und Andreas Geisel (SPD) durfte die Tram-Linien endlich in Betrieb nehmen.
Der Neubau der Invalidenstraße mit Einbau der Tramgleise hat inzwischen rund 66 Millionen Euro gekostet – eine wichtige Zukunftsinvestition für die Metropole.

Tram-Fahrschule in der Invalidenstraße
Tram-Fahrschule in der Invalidenstraße: Die BVG bildet neue Fahrer aus

Metro-Tram-Linien mit neuem Takt

Bereits seit Dezember 2014 fährt die M5 aus Hohenschönhausen über die Chausseestraße und Invalidenstraße zum Hauptbahnhof. Mit der Inbetriebnahme der Linien M8 und M10 fährt die M5 nur noch alle 20, statt bisher zehn Minuten. Die „Party-Tram“ M10 fährt wird alle fünf Minuten. Die M8 fährt im 10-Minuten-Takt vom Nordbahnhof zum Hauptbahnhof.
Die neuen Tram-Haltestellen Nordbahnhof, Naturkundemuseum, Invalidenpark, Hauptbahnhof,Lesser-Ury-Weg und Alt-Moabit sind noch nicht in allen Stadtplänen zu finden. Doch schon bald werden sie auf auf vielen Reiseführern als Stationen der „beliebtesten Tram-Linien“ der Hauptstadt auftauchen.
Die BVG muss sich allerdings noch besser vorbereiten. Ein aktueller Personalengpaß bei Tram-Fahrern muß überwunden werden. Am letzten Sonntag fuhr auch eine Fahrschul-Tram direkt vor die Kameralinse.

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m/s