Mittwoch, 22. November 2017
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„Traust Du Dich, zu retten?“

Traust Du Dich zu retten?

Die vergangenen zehn Minuten waren von großer Eile geprägt, die Alarmierung erreichte mich auf dem Heimweg zum Abendessen im Auto. Ein Notruf war eingegangen, das Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug (LHF) wurde angefordert, ein Brandfall vor Ort mit Personenrettung war von der Einsatzleitstelle gemeldet worden. Die Uhr begann zu ticken: Es galt schnellstmöglich zur Feuerwache Karow zu fahren, und dort mit mehreren Kollegen mit dem LHF auszurücken.

Nach einer eiligen Fahrt auf Nebenwegen erreichte ich die Feuerwache in Minute vier. Kollegen hatten schon die Tore geöffnet, der Weg zur Feuerwehrgarderobe war frei, das Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung aus Schutzhose und Schutzjacke war schon hundertmal geübt, Feuerwehrhelm und Brandbekämpfungshandschuhe wurden mitgenommen, in Minute sechs startete der 250-PS-Motor des LHF 16/12 – wir rückten mit Blaulicht und Sirene aus.
Der Einsatzort, ein Wohnhaus mit anliegender Garage, wurde bereits in Minute zwölf erreicht. Die Fahrt mit Blaulicht und Sirene war wie im Flug vergangen. Eine Rauchwolke quoll aus Dach und Fenstern des Wohnhauses, noch war kein Vollbrand ausgebrochen.

Zwei Personen mit Hund am Brandort wurden der Einsatzleitstelle gemeldet, Personenrettung hat nun höchste Priorität.

Zwei Kollegen halfen beim Anlegen der Atemschutzausrüstung, in der dreizehnten Minute begann der „Innenangriff“ zur Personenrettung. Brandbekämpfung und Personenrettung im Innenangriff gelten als Königsdisziplin der Feuerwehr. Hier sind Mut und Umsicht gefragt.
Aus der Tür quoll schon schwarzer Rauch, ein Zeichen für einen schwelenden und giftigen Brand, ein bei Wohnungsbränden typischer Giftcocktail von verbrannten Kunststoffen lag in der Luft.
Ein kurzes Innehalten, die Gewöhnung an das Pressluft-Atemgerät ist immer wieder neu, ein Gefühl von Beklemmung stellt sich ein. Hyperventilation muss auf jeden Fall vermieden werden. Also: kurz stillstehen, sammeln, Atmung bewusst kontrollieren. Innehalten – durchatmen – sortieren – und weitermachen.

Die „Standard-Einsatz-Regeln: Brandbekämpfung im Innenangriff“ sind im Hinterkopf, eine durchdachte Einsatztaktik ist abzurufen.

Die Gefährdungsbeurteilung und Risikoanalyse zeigt an: Vorsicht ist bei jeder Türöffnung geboten: Sauerstoffzufuhr kann einen Brandüberschlag auslösen. Also Taschenlampe anschalten, umsichtig vorangehen und Lage erkunden. Suchen und Retten hat jetzt Priorität!

Im dichten Rauch bin ich in vorderster Linie auf mich allein gestellt, der Lichtkegel der Taschenlampe frisst sich förmlich durch den Rauch. Systematisch wird der Raum abgesucht, keine Ecke darf übersehen werden, denn in höchster Not verkriechen sich Mensch und Tier in kleinsten Nischen und Ecken. Der Adrenalinpegel steigt, jeden Moment kann ein Brandopfer auftauchen … und doch muss professionelle Ruhe bewahrt werden.

Traust Du Dich zu retten?
Innenangriff „Suchen und Retten“ mit Atemschutzgerät und Taschenlampe – Foto: Tim Peschke

Die Kollegen haben inzwischen den Schlauch ausgerollt und gehen parallel zum Löschangriff über, andere Kollegen kümmern sich um die Entrauchung und einsatztaktische Ventilation und sichern mich mit ab. Kein Fehler darf passieren, der dem Feuer Sauerstoff zuführt, andererseits müssen minimale Sichtverhältnisse gesichert werden … . Im dichten Rauch wandert der Lichtkegel der Feuerwehr-Taschenlampe über den Boden, wo sind die Bewohner? In Minute fünfzehn sind beide Bewohner gefunden, mit Tüchern vor dem Mund im Bad, gerade noch sicher vor dem Feuer geflohen. Die Rettung mit Rettungshauben beginnt … .

„Traust Du Dich, zu retten?“

Die Freiwillige Feuerwehr Karow lädt zur bisher außergewöhnlichsten Mitgliederwerbeaktion ein. Am 09.11.2017 wird ein Großeinsatz der Freiwilligen Feuerwehr Karow mit mehreren Fahrzeugen durchgeführt. Von 17 Uhr bis 19 Uhr stehen die Feuerwehr-Kollegen am S-Bahnhof Karow (Bushaltestelle) und in der Einkaufspassage Bucher Chaussee Ecken Achillesstraße.
Die Werbeaktion soll helfen, neue Mitglieder für die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr zu gewinnen. Die wachsende Einwohnerzahl in Karow und im Einzugsbereich der Feuerwehr hat nicht nur gute Seiten – auch die Zahl der Einsätze für die Freiwillige Feuerwehr Karow steigt. Es wird daher immer wichtiger, neue aktive Mitglieder zu gewinnen.

Wehrleiter Lutz Jander steht bei dieser Aktion als Ansprechpartner der Freiwilligen Feuerwehr Karow zur Verfügung. Die Feuerwehr Karow zählt übrigens zu den Freiwilligen Feuerwehren mit erfolgreicher Nachwuchswerbung und bildet ein starkes Team, das sogar eine eigene Marketingabteilung unterhält.

Weitere Informationen:

www.ff-karow.de

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m/s