Sonntag, 22. Oktober 2017
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Unser aller „Morgenland“
ist die Aufgabe!

Morgenland - LightPerformance

/// Kommentar /// – Vor genau 20 Jahren entwickelte die Völkergemeinschaft ein weltumfassendes Konzept: die 28. Generalkonferenz der UNESCO-Mitgliedstaaten verabschiedete vom 25.Oktober bis zum 16.November 1995 ein für alle Menschen bedeutsames Dokument: „Die Erklärung von Prinzipien der Toleranz“. Dieses Dokument der Weltkulturorganisation UNESCO ist in der deutschen Politik seltsamerweise unter den Tisch gefallen.

Morgenland - LightPerformance
MorgenLand – LightPerformance – Festival für eine enkeltaugliche Zukunft, Vaduz, 18.-22. Mai 2011 – CC-Lizenz

In Zeitungen, Kommentarforen und sozialen Medien wird aktuell eine Art „geistiger Bürgerkrieg“ ausgefochten. Ausgerechnet zum 20. Jubiläum der UN-Toleranzkonvention.

Das Datum ist eine Mahnung zum Innehalten – zur Überprüfung unserer Positionen, Standpunkte und unserer politischen Vorstellungen – auch unserer Ängste.

Was ist Toleranz? Nur ein Wort – oder ein universell gültiges Konzept für die Welt?

„Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht“ (wikipedia – Toleranz).

Doch die Bedeutung reicht philosophisch noch weiter:

John Lockes „Brief über die Toleranz“, Lessings Drama „Nathan der Weise“ und Voltaires „Abhandlung über den Toleranzgedanken“ erweiterten die Idee der Toleranz zu einem Konzept, das zum Fundament moderner Gesellschaft und Demokratie wurde.

Die UNESCO-Weltkulturorganisation hat daraus ein universelles Konzept entwickelt, das einzige mögliche kulturelle Basis für eine zukünftige Welt ist, die 186 verschiedene Kulturen und Ethnien ihr Zuhause nennen können. „Die Erklärung von Prinzipien der Toleranz“ hat sechs Artikel:

Artikel 1: Bedeutung von ‚Toleranz‘
Artikel 2: Toleranz und der Staat
Artikel 3: Soziale Dimensionen
Artikel 4: Bildung und Erziehung
Artikel 5: Verpflichtung zum Handeln
Artikel 6: Internationaler Tag für Toleranz.

Wollen wir einen „geistigen Bürgerkrieg“ weiter kultivieren?

Allen rechten, nationalpopulistischen und Pegida-Anhängern empfehle ich eine geistige Auseiandersetzung mit den politisch-philosophischen Grundlagen der UNESCO-Toleranzkonvention. Gerade Deutschland als Land der Dichter und Denker, als große alte Kulturnation, hat mit wichtigen Grundgedanken zur Entstehung der UNESCO-Toleranzkonvention beigetragen.

Bildung & logisches Denken – auch das Denken und Verhandeln in kulturellen Dimensionen gehört zu einer humanistischen Bildung dazu. Weltweite Vernetzung und Kommunikation sind heute nur auf Basis universeller Verständigung und Bildung möglich – und sind zugleich auch Vorbedingung für Wandel, Wachstum und Wohlstand in einer globalen Arbeitsteilung und Ökonomie.

Bitte überprüfen Sie Ihre „Gedankenmodelle“ selbst auf Tauglichkeit & Zukunftstauglichkeit – es ist ihre Chance, ein eigendes Stück elementare Bildung, ganz ohne äußere Indoktrination oder Nachhilfe, eigenständig in Selbstverantwortung zu erwerben.

Fehlende Toleranz – ein Bildungsproblem!

Rechte, nationalistische und völkische Gedanken – und entsprechende politisch-ideologische Formeln und Erzählungen sind leider Kennzeichen elementarer Bildungsdefizite, mangelndender Selbstreflektion und mangelnder Weltoffenheit.
Diese Bildungsdefizite müssen auch durch Bildungsangebote, Einladungen und Gesprächsangebote angesprochen werden. Nur wer selbst erkennen kann, das Bildungsdefizite in eigener Verantwortung aufgearbeitet werden müssen, kann zum mündigen und zugleich selbstbewußten Bürger werden.

Die Politik hat eine Mitverantwortung für ein Klima, das zur Weiterbildung einlädt, und persönliche Defizite offen ansprechen kann. Es macht keinen Sinn, Menschen mit Bildungsdefiziten und Mangel an politischer Kultur mit politischer Verachtung entgegen zu treten, und deren unendlichen Trotz und Hass zu wecken.

Intelligent und gemeinsam: Feindbilder beseitigen!

Wir müssen eingefahrene politisch-kommunikative Muster auf den Prüfstand stellen.

An Siegmar Gabriel, Heiko Maaß und andere appelliere ich: Überprüfen Sie die „ideologisch-hegemoniale“ Formelsprache, die von „rechtsorientierten Bürgern“ nur noch als „totale Ausgrenzung“, „Verachtung“ und „vernichtende Mißachtung“ erfahren wird.

Wir können keine breit akzeptierte Integrationspolitik betreiben, wenn wir gleichzeitig ausnahmslos Ausgrenzungsstrategien gegen gefährliche rechte politische Minderheiten betreiben, bei denen selbst gegen das Toleranzgebot verstoßen wird.

Wir können den Weg in den geistigen Bürgerkrieg stoppen, wenn wir nicht selbst für immer neue „Energiezufuhr“ sorgen!

Es ist politisch viel wirksamer, rechten Ideologen und Populisten die Feindbilder wegzunehmen! Wer politische Süppchen kochen will, sollte sich vorher im kulinarischen Wettbewerb um die beste regionaltypische Küche und im Gespräch beweisen müssen.

Statt Angst und Kampf* ist Aufbruch angesagt:

„Helfen wir allen Flüchtlingen mit Ideen & Projekten zur „Zivilisierung des Morgenlandes!“ – Unser gemeinsames Morgenland heißt „Zukunft!“ – Zusammenarbeiten an einer besseren Zukunft ist angesagt!

„Wir schaffen das! – Alle gemeinsam!“

Weitere Informationen:

Mark Terkessidis: Kollaboration | 14.10.2015 | Pankower Allgemeine Zeitung

* um den harten unbelehrbaren und gewaltbereiten Kern müssen sich selbstverständlich Polizei und Justiz kümmern!

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