Sonntag, 22. Oktober 2017
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Was tun wir für die Integration?

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Wenn Integration gefordert wird, wird leicht übersehen, wie schwer es ist, zwischen zwei Kulturen Brücken zu schlagen. Ein neues Suhrkamp-Buch widmet sich dem Thema „Brückenbau“ auf besondere Weise: es hilft auch, den Blick auf uns selbst zu richten, die als Akteure, als Eltern als Schüler und Lehrer selbst Bedingungen für „gelingende“ oder mißlingende Integration setzen.

Das Buch „Schule, Moschee, Elternhaus – Eine ethnologische Intervention“ handelt von einem Modellprojekt in Berlin, das schon vor Jahren begonnen wurde, und viele neue Blickwinkel und Facetten eröffnet hat und wertvolle Erfahrungen und auch Selbsterfahrungen ermöglicht hat.

Zusammentreffen der Religionen führt zu Druck & Streß

Die neue Präsenz des Islams ist nur die sichtbarste Form einer »Wiederkehr der Götter« (Friedrich Wilhelm Graf) in der modernen gegenwärtigen Gesellschaft. Konservative Spielarten vom Religionen erfahren eine neue Energiezufuhr, ob Evangelikalismus, strenggläubiger Islam oder ultraorthodoxes Judentum. Die neue Präsenz der Religionen wird als Herausforderung für die Institutionen des säkularen Staats, allen voran die Schule, wahrgenommen.

Die ersten naheliegenden Antworten sind Distanzierung, Abwehr und sozialer Druck; die Folgen sind gesellschaftliche Verhärtung und Konflikte. Dabei wirkt Ausgrenzung in beide Richtungen: Muslimen bleiben auf Ausgrenzung und Abneigung nur die Möglichkeiten des Rückzugs, der Nischenbildung und Ausprägung von Parallelgesellschaften.

Offensichtlich stößt das bisherige Modell des liberalen Staates dabei an grenzen, weil sich Abgrenzungen nur gegenseitig zu verstärken scheinen. Jürgen Habermas daher gefordert, den liberalen Staat in Richtung auf eine postsäkulare Kultur weiterzuentwickeln – in der Dialog und Integration auch über religiöse Unterschiede hinweg möglich sind.

Projekts »Brücken im Kiez«

Autor Werner Schiffauer und das Team der Stiftung Brandenburger Tor in Berlin haben einen Dialog zwischen Eltern, Vertretern von Moscheegemeinden und Lehrern initiiert. Das Anliegen des Projekts »Brücken im Kiez« war es, diese Forderung nach einer eine postsäkularen Kultur praktisch umzusetzen.

Durch eine ethnologische Intervention haben sie versucht, neue Wege im Umgang mit der postsäkularen Situation zu finden. Jenseits aller Klischees von Parallelgesellschaften und Integrationsverweigerung zeigen sie konkret, wo Hürden und wo die Möglichkeiten für ein besseres Miteinander liegen.

Über den Autor
Werner Schiffauer, geboren 1951, ist Professor für Kultur-anthropologie in Frankfurt an der Oder. In der edition suhr-kamp erschien von ihm zuletzt Nach dem Islamismus. Die islamische Gemeinschaft Milli Görüs (2010).
Lesenswert ist auch sein Buch Fremde in der Stadt – Zehn Essays über Kultur und Differenz.
Große Städte sind Orte, wo Fremde sich treffen. Wie ist das Zusammenleben mit Fremden in unserer Kultur organisiert – und in anderen Kulturen? Werner Schiffauers Kulturvergleich gibt die Chance, das Eigene aus der Perspektive des Anderen neu wahrzunehmen.

Schule Moschee Elternhaus

Literaturhinweis

Werner Schiffauer, Meryem Uçan, Susanne Schwalgin, Neslihan Kurt
Schule, Moschee, Elternhaus – Eine ethnologische Intervention

Erschienen: 07.11.2015
edition suhrkamp 2699, Broschur, 298 Seiten
18 € | ISBN: 978-3-518-12699-8

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m/s