Freitag, 23. Juni 2017
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Wikingerspielplatz an der Norwegerstraße

Wikingerspielplatz 'Die Norweger - Bucht'

Die Eröffnung des Spielplatzes Norwegerstraße 1 am heutigen Tage wurde erst am frühen Vormittag von der Pressestelle des Bezirksamt Pankow gemeldet. Das Grundstück ein schwieriger Fall: eine Eckgrundstück vor zwei Brandwänden, steile Hanglage – und ziemlich prominent an der Ecke Behmstraße / Norwegerstraße gelegen. Ein Fall für einen Landschaftsarchitekten – und für das in Pankow immer mehr bewährte „Kinderbeteiligungsverfahren.

Die Pressemeldung: Klartext, kurz und knapp, etwas trockene Verwaltungssprache:

„Ein neuer Spielplatz an der Norwegerstraße 1 (an der Behmbrücke) in Prenzlauer Berg wird am Freitag, dem 30. September 2016 zur Nutzung freigegeben. In dem mit Kinderspielplätzen unterversorgten Gebiet ist in der Norwegerstraße 1 / Behmstraße eine 1.412 m² große Spielfläche mit integriertem Aufenthaltsbereich, unter Einbeziehung der Ideen interessierter Nutzer und Anwohner, entstanden. Der fertige Platz kann nun ein neues Zentrum für das aktive Zusammenleben im Kiez werden.“

Immerhin wird ein kleiner Einblick in die Entstehung gegeben. Die vielen kreativen Ideen und Anregungen der Kinder und Akteure gehen im knappen Text leider unter:

„Im Jahr 2014 wurden die Kinder der Umgebung über die Kindertagesstätten und Grundschulen beteiligt und im Auftrag des Straßen- und Grünflächenamtes Pankow das Konzept „Norwegerbucht“ vom Büro Hollricher Landschaftsarchitektur entwickelt.

Ähnlich einem Fjord schlängelt sich die untere Spielebene in das Grundstück, ein großer Wal lässt sich wie ein Spielschiff beklettern. Weitere Geräte wurden mit Schnitzfiguren an das Thema „Norweger“ oder „Wikinger“ angelehnt. Eine Wikingerfrau an der Norwegerstraße und ein Wikingermann an der Behmstraße laden zum Spielen ein, ein Wikingerkind wurde als Drehscheibe aufgestellt. Große Rutschen und Baumstämme zum Balancieren verbinden die drei Spielebenen für kleine und große Kinder. Unmittelbar an der Behmbrücke wurde eine Aussichtsplattform als ’skjønnhet utsikt‘ (Schöne Aussicht) mit Blick über die sogenannte „Ulbricht-Kurve“, die ehemaligen Grenzanlagen und S-Bahnflächen bis zur Bornholmer Brücke geschaffen.

„Wegen des vorgefundenen Trümmerschutts im Untergrund und einigen sicherheitsrelevanten Nachbesserungen sowie der umfangreichen Hangbefestigungen durch Palisaden und Weidenhölzer hat sich die Bauzeit über die Sommerferien hinweg gezogen“, erklärt der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung Jens-Holger Kirchner (Bü90/Grüne). Nun heißt es ‚av gårde spill‘ oder ‚Leinen los‘.
Finanziert wurde das Bauvorhaben aus Investitionsmitteln des Landes Berlin. Die Baukosten betragen ca. 338.000 EUR.“

Wikingerspielplatz 'Die Norweger - Bucht'
Wikingerspielplatz ‚Die Norweger – Bucht‘ – mit Wikinger-Mann, Weib und Kind – Foto: Jörg Hollricher. Freier Landschaftsarchitekt

Entstanden ist ein wunderschöner und prägnanter Spielplatz, dessen Gestaltungskonzept höchst funktional und doch liebevoll durchdacht ist. Die sympathischen, bunten hölzernen Wikingerfiguren geben dem Spielplatz einprägsame Gesichter.

Landschaftsarchitekt Jörg Hollricher nennt den Spielplatz ‚Die Norweger – Bucht‘ und beschreibt das Gestaltungskonzept, das zwischen den Wünschen der Kinder und den schwierigen Geländebedingungen nach kreativen Lösungen suchen musste.

Gestaltungskonzept des Spielplatz ‚Die Norweger – Bucht‘

Charakteristisch für das Grundstück ist der große Höhenunterschied des Geländes, welcher abgefangen und befestigt wurde. Einzelne kleine Nieschen aus Findlingen und Spielhäusern sind auf dem ganzen Spielplatz verteilt und dienen zur Behausungen der Winkinger. Unten auf Höhe der Norwegerstraße liegt der ‚Hafen‘ als Einschnitt ähnlich dem Bild eines Fjordes. Ein Wal ist dort gestrandet, und stellt gleichzeitig mit seinem oberen Wanten – Gang und seinen Klettermöglichkeiten ein Fantasie – Schiff dar.
Die verschiedenen Höhen werden durch Rutschen und Wege überwunden, auf dem mittleren Niveau befindet sich der ‚Thing – Platz‘. Dort ist der Bereich für die kleineren Kinder mit einer Sandfläche, einer Nestschaukel und weiteren Einrichtungen. Zusätzlich befindet sich zahlreiches Strandgut in Form von angespülten Baumstämmen an den Hängen, die als Kletter – und Balanciermöglichkeiten ebenfalls zur Überwindung der Höhenunterschiede dienen.

Die Baumstämme sind gehobelt und geschliffen, lange Edelstahlstangen fixieren die Baumstämme am Hang und dienen zugleich zum Klettern und als Aufstiegshilfe.

Entsprechend des Bezuges zu Norwegen wurden Kiefern, Birken und Ebereschen gepflanzt. Darüber hinaus wurde einige wertvolle Gehölze erhalten wie zum Beispiel ein beeindruckender Holunder. Auch die gleichzeitig zur Hangbefestigung notwendigen Weidenbüsche werden viel Spaß zum Verstecken bieten.

Der Schwerpunkt der Spieleinrichtungen wird gemäß dem Ergebnis der Kinderbeteiligung beim Klettern, Schaukeln und Rutschen liegen. Die Neuanlage des Asphaltweges nimmt den Straßenverlauf der Norwegerstraße auf und dient als Wirtschaftsweg für den Spielplatz.

Wikinger auf dem Spielplatz 'Die Norweger - Bucht'
Wikinger auf dem Spielplatz ‚Die Norweger – Bucht‘ – Foto: Jörg Hollricher. Freier Landschaftsarchitekt

In der Parkfläche außerhalb des Spielplatzes wurden Bausteine des Konzeptes zum Mauerweg von Fugmann – Janotta (08/2013) aufgenommen. Dieses sieht Zierkirschen als Leitbäume (4 Bäume in der Neugestaltung) und den Erhalt der ‚Hinterlandmauer‘ vor. Seitlich des oberen Einganges an der Treppenanlage zur Behmstraße befindet sich eine Aussichtsterrasse, die den weiten Blick über die Bahnanlagen(umgangssprachlich als ‚Ulbricht-Kurve‘ bezeichnete Gleisabschnitt) und zur Bornholmer Brücke gewährt (skjoennhet utsikt = schöne Aussicht). Am unteren Ende der Mauer bilden zwei Sitzstufen den Abschluß zum Ende der Norwegerstraße.“

Die Wikingerfamilie wurde nach historischem Vorbild nachempfunden, und entspricht einer Zeit, als der Wikinger-Mann den Hammer führte. Sein Wikinger-Weib trägt den Kochlöffel etwas verschämt auf dem Rücken, damit vorbeilaufende Frauenrechtlerinnen nicht gleich provoziert werden – Kiezdiskussionen sind damit nicht ausgeschlossen!

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m/s