Mittwoch, 23. August 2017
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Wirtschaft für Ausbau der Wasserstraßen

Wassertourismus in der Metropole Berlin

Viele Wasserstraßen in der Region Berlin-Brandenburg sind in einem schlechten Zustand. Brücken, Schleusen und Uferwände müssen instandgesetzt und unterhalten werden. An dringend notwendigen Investitionen mangelt es seit dem Erlass des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zum Investitionsstopp an Wasserstraßen mit wenig Güterverkehr. Dies wirkt sich sehr nachteilig auf den Wirtschaftfaktor „Wassertourismus“ aus.

Wassertourismus in der Metropole Berlin
Wassertourismus in der Metropole Berlin: Dampfer auf der Spree

IHKs aus Ostdeutschland übergeben Resolution zum Wassertourismus an die Politik

Von der jüngst beschlossenen Erhöhung der Bundesmittel für Binnenwasserstraßen muss auch die Region Berlin-Brandenburg profitieren, um weiteres Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Das fordern Vertreter ostdeutscher IHKs in einer Resolution, die der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium Dorothee Bär übergeben wurden. Die Industrie- und Handelskammern in Ostdeutschland untermauern damit ihre Haltung zu einem geplanten Wassertourismuskonzept des Bundes, in dem die Aspekte des Wassertourismus‘ stärker beachtet werden müssen. Die Resolution wird durch weitere 19 Partner mitgetragen.

Wassertourismus ist wichtiger Wirtschaftfaktor geworden

Der Wassertourismus ist gerade im ländlichen und strukturschwachen Raum zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Berlin und Brandenburg gehören zu den wasserreichsten Regionen in Mitteleuropa.

Das Wassersportrevier reicht vom Lausitzer Seenland über die Havel bis ins Stettiner Haff und die Oder hinauf weit nach Polen und ist auch über Elbe und Rhein an Westeuropa und Norddeutschland angebunden. An den Berliner Wasserstraßen ankern Kajütboote, Yachten und Hausbooten mit Heimathäfen an der Loire, Paris und Amsterdam.

Wassertourismus wächst

Allein in Berlin und Brandenburg erwirtschaften – – insgesamt 2.124 direkt Beschäftigte einen Bruttojahresumsatz von rund 200 Millionen Euro durch den Wassertourismus. Dazu gehören unter anderem mehr als 300 kommerzielle Bootshäfen und Vereine, 65 Reedereien sowie 128 Kanuverleiher. Die Branche entwickelt sich stetig weiter: Charterbootsurlauber, Mietkanuten und rund drei Millionen Passagiere auf den Fahrgastschiffen nutzen jedes Jahr die Möglichkeiten des Wassertourismus‘ in der Region. Diese Daten wurden in der im Juli veröffentlichten Studie „Wirtschaftliche Effekte im Wassertourismus Berlin-Brandenburg“ erhoben und machen allein die direkten wirtschaftlichen Effekte sichtbar. Diese Studie und die Resolution haben federführend die IHKs in Berlin und Brandenburg erarbeitet.

Schleuse Wolfsbruch bei Kleinzerlang
Schleuse Wolfsbruch bei Kleinzerlang: meistgenutzte Bootsschleuse im Hüttenkanal bei Rheinsberg mit über 36.000 Schleusenfahrten pro Jahr

Apell an den Deutschen Bundestag

Bei der öffentlichen Übergabe sagte der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Brandenburger IHKs und Präsident der IHK Ostbrandenburg, Dr. Ulrich Müller: „Der Wassertourismus hat sich im Osten Deutschlands zu einem bedeutenden Tourismussegment entwickelt. Er ist damit ein wichtiger Image- und Wirtschaftsfaktor. Deutschlands Wasserstraßen sind Teil des europäischen Wasserstraßennetzes. Eine Abkopplung unserer europäischen Nachbarn vom Netz der Wasserstraßen in Mittel- und Westeuropa liegt nicht im Interesse dieser Länder.
Wir appellieren daher an den Deutschen Bundestag, im Zuge der Verabschiedung des Wassertourismuskonzeptes, der derzeit geltenden Kategorisierung der Bundeswasserstraßen eine klare Absage zu erteilen. Für die künftige Entwicklung aller Bundeswasserstraßen sind ausreichend zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Attraktivität des Wassertourismus‘ liegt vor allem in einem ausgezeichneten Netz an Wasserstraßen.“

Christian Wiesenhütter, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, betonte: „Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich: Es dürfen keine Abstriche bei Erhalt von und Investitionen in Wasserstraßen, die stark vom Tourismus genutzt werden, gemacht werden. In einem Wassersportrevier, in dem es bereits heute an den Schleusen lange Wartezeiten gibt, müssen die Kapazitäten eher noch ausgebaut werden – Verzicht hierauf bedeutet: Wegfall von Arbeitsplätzen auf und am Wasser und somit die Veränderung ganzer Regionen. Politik in Bund und Ländern haben eine große Verantwortung und müssen bei ihren Entscheidungen – beispielsweise bei der geplanten Bundeswasserreform – die Erkenntnisse der Studie berücksichtigen.“

Weitere Informationen:

Resolution der ostdeutschen IHKs – Link
Studie wirtschaftliche Effekte im Wassertourismus Berlin-Brandenburg – Link

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m/s