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ZENN – Zeitung entwickelt neue News

Leben in Flüchtlingsunterkünften

Am Freitag, den 13.April 2018 ist das Projekt BENN in Berlin-Buch angelaufen. Das berlinweite neue Integrationsmanagement „BENN – Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften“ soll an insgesamt 20 Standorten im Umfeld von großen Flüchtlingsunterkünften in Gang kommen. Ziel ist es, die Gemeinschaft im jeweiligen Kiez zu stärken und so den Geflüchteten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtern.

Sozialmanagement und soziale Betreuung sollen etwas in Gang setzen, das auf Engagement und Freiwilligkeit aufbaut, und zugleich mit der Struktur und den Bedingungen von Gemeinschaftsunterkünften und dem örtlichen Umfeld umgehen muss.

Soziale Träger von Flüchtlingsunterkünften haben damit ein schwer lösbares Problem, denn es gibt Wachdienste, Betreiberaufgaben und Zeitabläufe, die Gemeinschaftseinrichtungen von dem Nachbarschaften abtrennen – de Facto sogar abschotten.

Sozialraum Gemeinschaftsunterkunft – nur bedingt pressefrei

Für freie Presse und Journalisten besteht überdies kein freier Zugang zu Geflüchteten. Einladungen zu Besichtigungen und Festen werden zentral vorbereitet und mit Presse-Erklärungen verbreitet. Anliegen der Presse und Gesprächsersuchen müssen beim Pförtnerdienst aufwändig erklärt und angemeldet werden. Jede Erstansprache ist ein Verwaltunsgakt. Die Amtssprache ist Deutsch, in der Öffentlichkeit wird nur „über Geflüchtete“ kommuniziert. Sie selbst stellen keine eigene Öffentlichkeit für sich selbst her – und sind praktisch immer „betreute Personen“ – in Reichweite des Betreibers und des Sozialmanagements.

Integration benötigt freie und mündige Gesprächspartner

Integration wird strukturell erschwert, wenn jede Begegnung durch strukturierte Kommunikation gelenkt und betreut wird. Für Journalisten und freie Presse ist das keine tragfähige Basis, weil die Freiheit aller Gesprächspartner eingeschränkt ist. Für Journalismus entsteht dazu der strukturelle Zwang, „über Geflüchtete“ schreiben zu müssen, und damit verbunden eine Distanz, die beiderseitig nur als unangenehm empfunden werden kann.

Freier Diskurs, freie Kommunikation benötigen aber individuelle Freiheit, Themenfreiheit und freie Initiative. Sozialmamagement ist nicht Aufgabe der freien Presse.
Berichterstattung „über Geflüchtete“, ohne Übersetzung in jeweilige Muttersprachen, schafft Distanz, und verstärkt Isolation, Einsamkeitsgefühle und Rückzugsgedanken bei den Betroffenen.

Es entsteht eine komplizierte Betreuungsfalle – die schwer aufzubrechen ist.

Zivilgesellschaftlicher Ausbruch aus der Betreuungsfalle

Das Projekt „BENN“ wird berlinweit an zwanzig Standorten ähnliche Probleme aufwerfen, und trifft dabei vor Ort auf völlig unterschiedlich eingestimmte Anlieger, Anwohner und Nachbarschaften und Medien. Im Gegenüber von „betreuten Gemeinschaften“ in den Unterkünften und den umgebenden Nachbarschaften mussen die vielen alltäglichen „Betreuungsfallen“ überwunden werden – wenn Integration auf Augenhöhe möglich werden soll.

Umsicht und das kritische Auge der Presse sind gefragt: bereits ausgelassenes Fußballpielen an Gemeinschaftsunterkünften kann zum Konflikt werden, weil Betreiber preiswerte Aluminium-Tore aufstellen, die aus jedem Torschuß ein Lärmproblem machen, und damit Nachbarschaftskonflikte auslösen. Es wird dann schwer, gemeinschaftliche Fußballturniere mit Nachbarschaften zu organisieren. Eine öffentliche Spendenwerbung für ein Tornetz kann Wunder bewirken.

Wenn Geflüchtete nur „betreute Ausflüge“ und „Freizeitangebote“ durch Initiativen und Träger als Freizeitbeschäftigung bekommen, wird ihre ureigene und enkulturierte Eigeninitiative ausgebremst. Warten und Zeitvertreib zermürben die Gemüter.

Das Sprachproblem wird oft selbst zur Betreuungsfalle, weil es keine ausreichende Möglichkeit zur Artikulation in den Heimatsprachen gibt. Deutsche Sprachintegration ist oft die einzige Option, und Termine mit Sprachmittlern sind knapp.

Die Möglichkeit, sich als Gast und freier Mensch fühlen zu können, wird damit eingeschränkt. Sprachgewandte Bewohner der Gemeinschaftsunterkünfte dominieren so das Geschehen – den anderen bleibt oft nur der Rückzug in die eigene Gruppe und Familie.

Damit Gemeinschaftsunterkünfte nicht zur Betreuungsfalle werden, müssen freie und zivilgesellschaftliche Angebote und Einladungen Auswege weisen. Auch müssen sich Geflüchtete und Zuwanderer selbst öffentlich mitteilen und artikulieren können.

ZENN – Zeitung entwickelt neue News

Mit den Möglichkeiten einer unabhängigen Zeitung und Internet-Medien können viele kreative Auswege geschaffen werden. Mit der Initiative „ZENN – Zeitung entwickelt neue News“ werden journalistische Angebote gemacht, die indiviuelle und freie Entfaltungsmöglichkeiten fördern:

1. Journalist/Journalistin werden, Autorin und Autor werden, auch bis zum Rückkehrer-Projekt
2. Mehrsprachige Berichte und Publikationen
3. Mehrsprachige Veranstaltungsankündigungen
4. Mehrsprachige Berichte und Geschichten
5. Storytelling mit Videos und Projektseiten.

Als Grundidee wird die interkulturelle und interlinguale Zusammenarbeit von Einzelpersonen und Kleingruppen gefördert. Auch Rückkehrer-Jobs und journalistische Tätigkeit in internationalen Sprungbrett-Projekten wird gefördert. Die Initiative muss von Einzelpersonen und unabhängigen Kleingruppen vor Ort selbst kommen.

Mit dem Projekt „ZENN – Zeitung entwickelt neue News“ entsteht eine Möglichkeit, für eine freie journalistische Entfaltung*, die von Geflüchteten, Zuwanderern und Gästen in den Unterkünften selbst entwickelt werden kann.

Die Pankower Allgemeine Zeitung und das angeschlossene Mediennetzwerk stehen als Medienplattform für kreative Projekte bereit.


Mehr Informationen:

redaktion@pankower-allgemeine-zeitung.de – Stichwort: „ZENN – Zeitung entwickelt neue News“

Sprachen: Arabisch, Englisch, Farsi, Kurdisch, Türkisch und Amtssprachen der EU sind möglich.

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m/s