Sonntag, 17. Dezember 2017
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Zensur bei ZEITonline

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Im Magazin ZEIT online erschien vor wenigen Minuten ein Interview mit dem Oxford Ökonom Paul Collier, das von Philipp Faigle geführt wurde.
Doch mitten im Lesen des Interviews wurde der Text abgeschaltet, eine Umschaltung auf die zweite Seite war nicht mehr möglich.

Der Titel des Interviews hatte es in sich:

MIGRATION: „Wir reichen den Menschen den geladenen Revolver“.

Im Untertext hieß es:

„Europas Migrationspolitik tötet, sagt der Oxford Ökonom Paul Collier. Mißtrauen gegen Migraten findet er normal – und warnt vor falschen Tabus.

Screenshot: ZEIT online 6.2.2015 um 18:20 Uhr
Screenshot: ZEIT online 6.2.2015 um 18:20 Uhr
Interview plötzlich gelöscht

Oxford Ökonom Paul Collier wird jedoch auch in anderen Medien zitiert, und hier kann man sich von dessen Auffassungen genauer informieren.
Bereits im Jahr 2013 äußerte er sich zur Flüchtlingstragödie von Lampedusa:

Wntwicklungsökonom Paul Collier „Wir locken die Menschen in den Tod“

Der Entwicklungsökonom Paul Collier spricht im Interview über die Lehren aus der Tragödie von Lampedusa und die gesellschaftlichen Folgen von Ein- und Auswanderung. – 03.11.2013

Bereits im Jahr 2008 forderte Collier einen Marshall-Plan für Afrika:

«Wir brauchen einen Marshallplan für Afrika» Oxford-Ökonom Paul Collier zur Hilfe für die ärmste Milliarde
NZZ 25.1.2008

Das von Paul Collier verfaßte Buch: „Paul Collier: Exodus. How Migration Is Changing Our Word. Oxford University Press 2013“ erscheint demnächst auf Deutsch, und wird heftige Diskussionen auslösen.

Collier, Professor an der Universität Oxford, ist eine Kapazität unter den Krisen- und Entwicklungsforschern, sein Urteil hat Gewicht. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Dritten Welt und insbesondere Afrika, und hat schon mehrere sehr sachliche Bücher publiziert, die zum Teil mit sehr unliebsame Thesen bekannt wurden. Am Beispiel westafrikanischer Staaten wie Elfenbeinküste fragte Collier etwa, ob Demokratie zu mehr Unsicherheit führt.

In seinem Buch „Wars, Guns and Votes“ kommt er zu dem Schluss, dass die Demokratie die Gesellschaften in den am wenigsten entwickelten Ländern gefährlicher gemacht habe.

In seinem neuen Buch Exodus ist nun so etwas wie ein Standardwerk erschienen, das seine Forschungen zusammenführt und den „Schaden und Nutzen von Migrationsbewegungen“ beurteilt. Collier hat dabei keine Streitschrift vorgelegt – sondern liefert nur Fakten, die seine Aussagen untermauern.

Colliers Buch macht derzeit in rechtsgerichteten Kreisen die Runde. In Medien wie Junge Freiheit und Blaue Narzisse wird Collier ausgiebig zitiert, um fremdenfeindliche Argumentationen aufzubauen.

Doch Vorsicht: Paul Collier hat über Afrika und afrikanische Entwicklungen geforscht, und seine Forschungsergebnisse und Thesen sind nicht einfach in europäische Verhältnisse zu übertragen. Seine Mahnungen sind jedoch ernst zu nehmen. Die Diskussion über Collier wird nicht ausbleiben.

ZEIT online muß sich nun allerdings fragen lassen, warum man ein bereits veröffentlichtes Interview ganz urplötzlich zurückzieht.

Update am 9.2.2015:

Das Interview mit Paul Collier wurde heute vormittag um 9:53 veröffentlicht.

Migration: Wir reichen den Menschen den geladenen Revolver – Link

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m/s