Samstag, 21. Oktober 2017
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Zweckbau und Baukunst

Kunsthochschule Weissensee - Foto: Heike Overberg

Die Volkshochschule Pankow nimmt sich der Kunstgeschichte in Weißensee an! Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Kunsthochschule Weißensee, die heute als eines der bedeutendsten architektonischen Zeugnisse der ostdeutschen Nachkriegsmoderne zählt. Dozentin ist Frau Dr. Hildtrud Ebert.

Kunsthochschule Weissensee - Foto: Heike Overberg
Kunsthochschule Weissensee - Foto: Heike Overberg

Das Gebäude der Kunsthochschule entstand in einer schwierigen Zeit, als die damalige DDR sich gerade aus der 1947 begonnenen Formalismusdebatte löste.

Noch 1951 wurde aus den Niederlanden stammende Mart Stam, erst seit Mai 1950 Direktor der Kunsthochschule, öffentlich demontiert. Walter Ulbricht führte auf dem III. Parteitag im Juli 1950 eine Attacke gegen eine “Anzahl Architekten”, deren “formalistisches Denken” und “kosmopolitischen Phantasien” einer “fortschrittlichen deutschen Kultur” abträglich seien.
Wenige Monate später führte Ernst Hofmann, zweiter Sekretär der SED-Landesleitung Berlin, auf der 5. Tagung des ZK der SED im März 1951 den entscheidenden Angrif zur Entmachtung von Mart Stam, als er ihn als “Formalist” bezeichnete, der nicht “Wortführer der Gestaltung einer realistischen Kunstentwicklung an dieser Schule” sein konnte.
Nach längeren Auseinandersetzungen um einen Neubau der Kunsthochschule erhielt Mart Stam 1952 Hausverbot und verließ danach verbittert die DDR.

Erst sein Nachfolger Selman Selmanagic, Leiter der Architekturabteilung der Kunstschule, übernahm die neue Projektierung.
Mit der Wende in der Architekturpolitik 1950 zu den “nationalen Bautraditionen” respektive zum “klassischen Erbe von Renaissance und Klassizismus” konnte sich auch der Bauhausschüler Selmanagic nicht identifizieren. Seine öffentlich bekundete Verachtung für den Griff in die “Mottenkiste” brachte ihm die jahrelange Ignoranz der Auftraggeber ein.
Selmanagic’ Spielraum war zweifellos begrenzt, nicht nur, weil architektonische Entscheidungen Kompromisse mit den ästhetischen Erwartungen der staatlichen Auftraggeber erforderten. Die Projektierung entwickelte
sich zum Modellfall kollektiver Arbeitsweisen von Architekten,Gestaltern und Bildenden Künstler, von Lehrern und Studenten.
Selmanagic entwarf den Erweiterungsbau als dreiflüglige Anlage, die er durch einen verglasten flachen Verbindungsgang mit dem dreigeschossigen Altbau, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Trumpf, verband.
Politisch fiel die Realisierung des Hochschulbaus in die Amtszeit des ersten Minister für Kultur in der DDR, Johannes Robert Becher (* 22. Mai 1891 in München; † 11. Oktober 1958 in Ost-Berlin), der in der kurzen Tauwetterperiode nach Nikita Chruschtschows Amtsantritt bis zum Ungarn-Aufstand 1956 amtierte.

VHS Pankow:
Zweckbau und Baukunst – Die Kunsthochschule Weißensee
Kunstgeschichtliche Führung

Im Herbst 1956 wurde das Gebäude der Kunsthochschule Berlin in Weißensee feierlich eingeweiht. Es gilt heute als eines der markantesten Zeugnisse der ostdeutschen Nachkriegsmoderne.
Der Architekt Selman Selmanagic war Bauhausschüler und stand der Architekturpolitik der SED kritisch gegenüber, ohne sich jedoch über ihre Doktrin vom „klassischen Erbe“ hinwegsetzen zu können. So entstand ein Bauwerk zwischen Tradition und Moderne, zwischen Zweckbau und Baukunst.

Kursnummer: Pa1033-H, Dozentin: Dr. Hildtrud Ebert
Sonnabend, 16.11.2013, Treffpunkt: 11.00 Uhr, Bühringstraße 20 – 13088 – Berlin-Weißensee
Entgelt: 5,00 € (ermäßigt: 2,50 €), wir bitten um Anmeldung bis zum 12.11.2013.

VHS-Pankow:
Gibt es realistische Möbel? –
Vortrag zur Formalismuskampagne in der Möbelindustrie in der DDR

1952 forderte das Institut für Innenarchitektur an der Bauakademie der DDR von den Möbelherstellern, den „Kampf gegen den Formalismus“ aufzunehmen und Prototypen einer „realistischen Möbelkunst“ zu erstellen. Unter dem Motto „Möbelkunst statt Kastenschränke“ hatte sich Walter Ulbricht persönlich auf einer Konferenz im gleichen Jahr an die Spitze der Kampagne gestellt, die sich vor allem gegen die „geistige Armut“ und „Kunstlosigkeit“ der Wohnmöbel aus den Deutschen Werkstätten Hellerau richtete.
Ihre Gestalter Selman Selmanagic, Franz Ehrlich und Mart Stam wandten sich entschieden gegen die geforderte
Rückkehr zur handwerklichen Produktion.
Ihr Appell konnte jedoch nicht die Eingriffe in die Möbelbetriebe mit ihren verheerenden Folgen verhindern.

Kursnummer: Pa1034-H, Dozentin: Dr. Hildtrud Ebert
Dienstag, 26.11.2013, 18:00 – 19:30 Uhr, Prenzl. Allee 227, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg
Entgelt: 5,00 € (ermäßigt: 2,50 €), wir bitten um Anmeldung bis 25.11

Weitere Informationen:

Volkshochschule Pankow
Aktuelles Kursangebot
Service-Telefon und Online-Anmeldung:
Tel. (030) 90295 1
Internet: www.berlin.de/vhs-pankow

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m/s