Die Planungen für den Bau des unterirdischen Stauraumkanals wurden am 26.9.2013 öffentlich von den Berliner Wasserbetrieben im Kino Colosseumn vorgestellt. Neben den bereits bekannten Details wurde nun auch ein möglicher Zeitplan vorgestellt. Geplant ist der Baubeginn im Jahr 2016. Wie lange die Baustelle dauert, ist noch offen.

Rohrvortriebsmaschine - Foto: Berliner Wasserbetriebe

Rohrvortriebsmaschine - Foto: Berliner Wasserbetriebe

Rücksicht auf die Mauerparkbesucher

Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Grüne) möchte Rücksicht auf die vielen Mauerparkbesucher walten lassen, und möchte daher die Bauarbeiten im Sommer ruhen lassen. Er plädiert deshalb für eine lange Bauzeit.

Das Bezirksamt Pankow will die Bauarbeiten nur in der kalten Jahreszeit genehmigen: von Ende Oktober bis Mitte März. Im Frühjahr und Sommer sollen die Baustellen abgedichtet und geschlossen sein, sodass sie niemanden behindern. So lautet die Vorgabe von Kirchner.

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) wenden sich jedoch gegen diese Variante und wollen in zwei bis drei Jahren mit dem rund 750 Meter langen Stauraumkanal fertig sein. Mehrkosten von ca. 3 Mio. € werden von den BWB für eine verlängerte Bauzeit geltend gemacht. 60% Der Kosten trägt das Land Berlin, 40% die Berliner Wasserbetriebe.

Die endgültige politische Entscheidung will Jens-Holger Kirchner bis zum Jahresende forcieren, und dazu einen Beschluss durch Bezirksamt und BVV herbeiführen.

Bau-Variante noch offen

5 Jahre Bauzeit – für 750 Meter Stauraumkanal – das erscheint ein bischen viel. Bei genauer Betrachtung gibt es viel Spielraum:
Der Fokus der Betrachtung richtet sich vorwiegend auf den Stauraumkanal und dessen Baugruben an der Bernauer Straße/Eberswalder Strasse und an der Gleimstrasse.

Bautechnisch gesehen gibt es jedoch ein ganzes Maßnahme-Bündel, bevor überhaupt mit dem eigentlichen Bau des Stauraum-Kanals begonnen werden kann. So wird mindestens ein halbes Jahr benötigt, um vorbereitend Leitungen und Infrastruktur aus dem Baufeld zu verlegen, umzuverlegen und für Neuanschlüsse vorzubereiten.

Phase 1:
Umlegearbeiten der vorhandenen Kabel und Rohrleitungen im Bereich Bernauer Strase/Schwedter Straße

Phase 2:
Anlegen der Startbaugrube im Bereich Bernauer Strase und Zielbaugrube im Bereich Gleimstraße sowie Vortrieb DN 1000 in der Bernauer Straße.
Hier wird auch Schildvortriebsmaschine aufgebaut und die Fördertechnik zum Abtransport des Aushubmaterials. Ein Portalkran wird die Kanalrohre vom LKW heben, und nach und nach in den Vortriebskanal einsetzen. Eine LKW-Rampe ermöglicht An- und Abtransport für Baumaterial und Aushub.

Phase 3:
Rohrvortrieb und Bau des 750 Meter langen Stauraumkanals DN 3800. Aus anderen derartigen Vorhaben wird derzeit eine Bauzeit von ca. 71 Tagen für den Rohrvortrieb und Einbau kalkuliert. Während dieser Zeit müssen täglich 8-10 LKW Aushub abfahren, insgesamt rund 13.-14.000 Kubikmeter.

Phase 4:
Einbau der Schächte an der Schwedter Straße und Anschlüsse an den Stauraumkanal.

Phase 5:
Bau des Regenüberlaufbauwerk RÜ 29 I und Ablaufbauwerk RÜ 29 II im Bereich Gleimstraße sowie Zulaufkanal DN 1200. Es sind ähnliche Bauwerke wie das Sperr-Wehr in der Storkower Strasse. Eine Bauzeit von 6-Monaten bis 1 Jahr ist zu kalkulieren.

Stauraumkanal Mauerpark - Systemzeichnung - Quelle: Berliner Wasserbetriebe

Stauraumkanal Mauerpark - Systemzeichnung - Quelle: Berliner Wasserbetriebe

Bau-Phasen-Plan notwendig

Das Bauvorhaben setzt sich somit aus einer Reihe Einzelmaßnahmen zusammen. Je nach Lage der Leitungen und Kanäle erfordert dies auch noch zusätzliche einzelne kleine Baugruben, deren Umfang noch nicht genau bekannt ist.

hildvortrieb für den Bau des Stauraumkanals - Quelle: DWA A 125, Seite 41, Bild 16

hildvortrieb für den Bau des Stauraumkanals - Quelle: DWA A 125, Seite 41, Bild 16

Der Bau des Stauraumkanals nimmt nur etwa 70-80 Tage Zeitraum ein. Diese „heiße Phase“ kann in der Tat auch in einer Herbst- und Winterperiode erledigt werden. An der Gleimstrasse muss allerdings zuerst eine „Zielgrube“ hergestellt werden, die das Vortriebsgerät zielgenau heranführt.

Die große Baugrube neben dem MAUERSEGLER wird daher nur für einen überschaubaren Zeitraum benötigt, an dem der große Stauraumkanal gebaut wird.

Nach dessen Fertigstellung kann die Baugrube verkleinert werden, weil dann nur noch Bauarbeiten zum Anschluß der Zuflüsse des Stauraumkanals im Innern der 4 Meter großen Röhre ausgeführt werden müssen. Diese Phase der unterirdischen Anschlußarbeiten erfordert nur noch einen kleinen Ein- und Ausstieg.

Die unterirdischen Anschlußarbeiten erfordern viel Zeit, weil auch Aushärtung von Beton und Dichtstoffen abgewartet werden müssen.
Insgesamt ist der Bauablauf aber auch noch optimierbar – denn die Baumaßnahme ist noch nicht ausgeschrieben.

Schnell bauen – oder lange Bauzeit?

Eine lange Bauzeit in 5 Winterperioden ist rund 3 Mio. € teurer – zudem sieht man die meiste Zeit gar keine Bauarbeiter, weil der Rohvortrieb unterirdisch verläuft.
Lediglich in der heißen Phase des Rohrvortriebs gibt es für rund 3 Monate eine intensive Bautätigkeit, die stündlich 1-2 LKW für die Anlieferung der ca. 37 Tonnen schweren Rohrelemente und für die Abfuhr von ca. 17 Kubikmetern lockeren Bodenmaterial pro Meter Stauraumkanal-Vortrieb (13 m³ fester Boden) benötigt.

Geschlossene Bauweise

Die Baugrube könnte auch wie beim U-Bahn-Bau üblich, zum Teil auch in geschlossener Bauweise hergestellt werden. So könnte der bauliche Eingriff minimiert werden. Oberirdisch wäre die Fläche mindestens durch einen Brückenweg begehbar und könnte zugleich auch „SchauStelle“ sein.
Im Bereich Gleimstrasse wird für das Regenüberlaufbauwerk rund ein halbes Jahr Bauzeit benötigt. Allerdings muß der Einstieg an dieser Baustelle für die gesamte Bauzeit möglich sein.
Auch hier kann in Baustillstandsphasen die Baugrube abgedeckt werden.

Eingriff in den Mauerpark

Alexander Puell vom Verein „Freunde des Mauerparks“ kritisierte bereits die nach seiner Ansicht zu große Baustelle an der Eberswalder Straße/Bernauer Straße.

„Diese versperrt den bisherigen Parkzugang für Passanten und Radfahrer – das geht gar nicht“. Er fordert Alternativen und einen freien Zugang zum Mauerpark und Flohmarkt.
Auch Heiner Funken von der Mauerpark-Stiftung Weltbürgerpark e.V. übte Kritik: „Das Bauvorhaben werde die Anwohner im Gleimviertel erheblich belasten.“ Er verlangt zusätzlich zur Informationsveranstaltung noch eine weitere öffentliche Diskussion im Gleimkiez.
Die Berliner Wasserbetriebe sind für eine weitere Diskussion und Lösungsuche offen. Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe will auch ein Treffen mit den Bewohnern des Gleimviertels vereinbaren.

Gegenüber der Pankower Allgemeinen Zeitung erklärte Stephan Natz heute: „… der genaue Bauablauf werde erst in der Ausschreibung festgelegt!“ m/s

Mauerparkeingang wird ab 2014 Baustelle

Bis die Arbeiten am Stauraumkanal losgehen, wird es noch einige Zeit dauern. Doch schon bald wird man sich mit einem ganz anderen Bauvorhaben anfreunden können. Bereits ab 2014 wird östlich vom Mauerpark-Eingang eine Baustelle in der Tram-Schleife für das neue KNAACK-Kulturhaus eingerichtet, das bis 2016 fertig werden soll.
Wenn alles glückt, ist das KNAACK-Kulturhaus noch vor Baubeginn für den Stauraum-Kanal fertig. m/s

Weitere Artikel zum Thema:

Abwasser-Speicher unterm Mauerpark – Pankower Allgemeine Zeitung vom 18. 09. 2013