Dienstag, 21. Mai 2024
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1. Mai 2024 – Tag der redaktionellen Arbeit!

Tag der redaktionellen Arbeit

Von Michael Springer

Helmut Schmidt hat im Jahr 2000 in seiner Rede „Selbstbehauptung Europas im neuen Jahrhundert Europa“ als einen Raum identifiziert, der eine gemeinsame europäische Kultur des Rechts und des Wirtschaftens habe, die durch Aufklärung und die Revolutionen in Europa geprägt sei. Europas Selbstbehauptung stehe vor einigen Herausforderungen.
Helmut Schmidt verwies vor 24 Jahren auf den bevorstehenden Klimawandel, und auf die zügige Globalisierung der Finanzmärkte.

Heute sehen wir: Europa steht vielen weiteren und auch ganz neuen inneren, äußeren und systemischen Gefahren gegenüber! — Diese Gefahren werden hier heute nicht benannt, und auch nicht aufgezählt!

Viele Köpfe & sehr viel redaktionelle Arbeit sind gefragt

Es erfordert sehr viele Köpfe, viele schreibende und kenntnisreiche Köpfe, um diese Gefahren zu erkennen, einzuordnen und zu bewerten! Vor allem werden vielfältige Kompetenzen und interkulturelle Kompetenzen und sehr vielfältige Perspektiven von „publizierenden und kommunizierenden“ Köpfen benötigt. Wissens- und Erfahrungsträger sind gefragt, und Menschen mit innovativer und Vorausschau und Fähigkeiten zur Innovation. Gedruckte Zeitungen, Zeitungsmedien und Internetmedien vermitteln Gefahren und Wissen. — Doch wie steht es um die Wissensverbreitung? — Wieviel Wissen wird quasi blind und folgenlos publiziert, weil die Zielgruppen nicht erreicht werden?

Es gibt dazu noch doch einen tiefen, grundlegenden neuen Anlass, der künftig alljährlich in alle Zukunft bedacht, und neu geprüft und gescheckt und weiter entwickelt werden muss! Systeme mit künstlicher Intelligenz sind in die Welt geetreten!

Unser in rund 2.500 Jahren gewachsenes Rechte- und Wertesystem und das europäische Wirtschafts- und Kulturmodell stehen von einem gravitativen Innovationsbruch, der die gesamte Zivilisation in Europa und in der ganzen Welt verändert. — Es beginnt auf jedem Smartphone und auf jedem Bildschirmgerät: selbstlernfähige Systeme mit sogenannter „künstlicher Intelligenz“ übernehmen bedeutsame Anteile in der menschlichen Kommunikation und Alltagskommunikation!

Wer hat das Sagen? — Wo bleiben Ethik & Humanität?

Schon bald wird es mehr von AI-Systemen generierte Texte geben, als originär von Menschen erdachte Texte.

Das Wissen der Geschichte, das Wissen von Experten und das publizierte Wissen und das gesamte evidente Spezialwissen können heute durch maschinelles Lernen emergent verbunden, gemixt und zusammenfabuliert werden!

Gleichzeitig fehlen der Politik und vor allem der Regierungs- und Wirtschaftspolitik wichtige neue multidisziplinäre und evidenzbasierte Ansätze, die sich jenseits linearer wissenschaftlicher Expertise bewegen können. — Um das europäisch geprägte Wirtschafts- und Kulturmodell zukunftsfähig und wirtschaftlich tragfähig zu erhalten, müssen alle redaktionellen Berufe zum Erhalt der Ordnung beitragen.

Publizistik, Politik, angewandte Geistes- und Sozialwissenschaften, Künste und Kultur und vor allem die Wirtschaftswissenschaften stehen vor einer ganz neuen emergenten Daten- und Maschinenwelt, in die kein Mensch mehr hineinschauen kann.

Das neue Erkenntnisproblem und das neue systemtheoretischen Problem: „Wie soll geplant und vorausschauend gedacht werden, wenn nur noch SUCHEN, ABFRAGEN, PROMPTEN und STAUNEN möglich sind?“
— Wer setzt als Autor, Journalist, Politiker oder Verantwortungsträger diese Ergebnisse zu neuen Konzepten, Strategien, Handlungsanweisungen und Beschlussvorlagen um? — Wer unterscheidet zwischen Fake-News, überredender politischer Rhetorik, Kon-Fabulationen der AI-Systeme und schierer Rabulistik? —

Schon heute wissen wir: Das Primat der Politik, das Primat des regelbasierten, demokratischen Handelns und Regierens sind grundstürzend in Frage gestellt! — Die humane Ethik der Zivilisation steht insgesamt neu auf dem Spiel und zu Disposition! — Dazu sind die Freiheiten und alle Entfaltungsfreiheiten des Individuums in Frage gestellt!

Redaktionelle Arbeit, humanes und evidenzbasiertes Denken werden für Europa zukunftsentscheidend!

Allein der EU Artificial Intelligence Act ist hunderte Seiten lang. Selbst die „Zusammenfassung des AI-Gesetzes auf hoher Ebene“ ist kaum überschaubar, und kaum verständlich! — Die wesentlichen AI-Technologien sind zudem „unsichtbar & uneinsehbar!“ — Welche Auswirkungen ergeben sich daraus für informelle Eliten, für Arm & Reich. Welche konstruktiven Ideen und Konzepte sind aus AI-Technologien ableitbar? Wie kann künftig Erwerbsarbeit im Sozialsystem gesichert werden?

Redaktionelle Arbeit sichert Zukünfte & Zukunft der Arbeit

Alle redaktionellen Berufe müssen den Wert der redaktionellen Arbeit, und ihre Kosten für eingesetzte intellektuelle und psychische Ressourcen einschließlich der Lebenszeit neu bewerten.

Bezahlte und freie honorierte Arbeit, publizistisches Unternehmertum und alle journalistischen Berufe müssen über bisher bekannte Regeln hinaus als Erwerbsformen neu bewertet und abgesichert werden.
Löhne, Gehälter und Honorare, sowie Urheberrechts-Tantiemen und Erlöse aus Verlagsurheberrechten und ihren Verwertungsrechten müssen künftig auch als „humane Einkommensarten“ gegenüber Kapital- und Digitaleinkommen neu betrachtet und gesichert werden.

Die Gesellschaft muss einen neuen Gesellschaftsvertrag erdenken und abschließen, der die systemrelevanten redaktionellen Berufe und alle redaktionelle Arbeit als Erwerbsarbeit absichert.

Alle redaktionelle Zusammenarbeit mit AI-Systemen und alle auswertenden und kontrollierenden redaktionellen Tätigkeiten, die Ergebnisse von AI-Systemen redaktionell aufbereiten, müssen sozial und finanziell abgesichert werden.

Der „Tag der redaktionellen Arbeit“ wird künftig den traditionellen Tag der Arbeit ergänzen und vielleicht sogar beflügeln!

m/s