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Die Feuerwanzen krabbeln aus den Löchern

Gemeine Feuerwanze

Während des Winters vergraben sich die Feuerwanzen in der wärmenden Erde unter Büschen, Laubhaufen und Steinen. In großen Knäulen von mehr als hundert Wanzen überstehen sie den langen Winter, sie wärmen sich gegenseitig und geben sich Gemeinschaft.

Im März, April, wenn die Sonne wieder an Kraft gewinnt, krabbeln die hübschen Tierchen aus ihren Verstecken hervor. Sie versammeln sich an den auffälligen sonnenexponierten Stellen, wo sie Spaziergängern im Frühling besonders auffallen, zum Beispiel am Fuß von Lindenbäumen. Dort sitzen sie oft zu Dutzenden, um sich zu wärmen. Mit ihren feuerrot- schwarz gemusterten Flügelkleidern sind erste frohen Boten des Frühling.

Die „echten“ Feuerwanzen werden oft verwechselt mit den Feuerkäfern, sind aber keine Käfer sondern Insekten. Ihre Flügel sind verkürzt, sie können damit nicht abheben. Nur vereinzelt gibt es flugfähige Männchen. Anders als Dickmaulrüssler, Kirschessig-Fliegen, Blattläuse oder Pflaumenwickler richten die Feuerwanzen in Deutschland eigentlich keinen Schaden an. Sie ernähren sich nähmlich weitgehend von Pflanzenausscheidungen und toten Insekten. Auf ihrem Speiseplan stehen auch abgefallene Pflanzensamen, besonders gut schmecken ihnen die Samen von Malven und Linden. Mit ihren Stechrüsseln öffnen sie die Schalen und saugen den Saft heraus. Auch tote Insekten zählen zu ihrem Futter.

Gemeine Feuerwanze auf Frucht der Wilden Malve
Gemeine Feuerwanze auf Frucht der Wilden Malve – Foto: Belladonna2 CC-BY-SA 3.0

Beim Frühlingserwachen beginnen die Feuerwanzen mit ihren Gruppensex-Paarungszeremonien. Die Weibchen paaren sich in der Regel mit mehreren Männchen. Einzelne Paarungen dauern meist mehrere Stunden, können sogar tagelang andauern. So verringern die Männchen die Zahl der Konkurrenten, da das Weibchen weniger Zeit hat, sich anderen zuzuwenden. Die hohe sexuelle Aktivität und spätere Eiablage verlangt den Weibchen viel Energie ab, so dass sie in der Regel ein kürzeres Leben als ihre männlichen Partner haben.

Die Weibchen legen bis zu 60 Eiern. Die daraus schlüpfenden Nymphen hätten sich binnen 40 Tagen fünfmal bis sie ausgewachsen sind.

Die Feuerwanzen haben eine besondere Art der Verständigung. Sie kommunizieren über Duftstoffe. Über die Pheromone informieren sie sich über gute Futterplätze oder Schlafplätze. Ein Gemeinschafts-Pheromon „ruft“ große Gruppen an interessanten Futter- oder Schlafplätzen zusammen. Ein Alarm-Pheromon warnt vor Gefahren.
Fressfeinde sind in erster Linie Vögel, doch diese werden schon allein durch die leuchtenden Warnfarben der Feuerwanzen abgeschreckt. Wenn sie sich einmal an ihnen vergreifen, bekommen sie weitere Verteidigungswaffen zu spüren. Die Feuerwanzen sondern zur Verteidigung ein unangenehm schmeckendes Sekret ab, das sie für ihre Feinde sehr ungenießbar macht. Auf diese Weise haben die Feuerwanzen so gut wie keine natürlichen Feinde in Deutschland.

Nur der Mensch greift in ihr Leben ein: viele Feuerwanzen werden beim Überqueren von Wegen zertreten. Auf Waldwegen werden manche Feuerwanzen von den Stollenreifen von Mountain-Bikern zerfräst.
Zu den gefährdeten Tierarten zählen die Feuerwanzen nicht. Manche Gärtner empfinden sie als Lästlinge im Garten.

Ihre wertvolle ökologische Rolle als Zersetzer von organischer Substanz und als Förderer des Bodenlebens ist noch gar nicht richtig erkannt.

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a/m