Donnerstag, 03. September 2026
Home > Aktuell > Pink Slime quillt in die Medienwelt!

Pink Slime quillt in die Medienwelt!

„Pink Slime“ im Journalismus

Von Michael Springer

Beim bisher sogenannten „Pink-Slime-Journalismus“ werden lokale Nachrichtenbeiträge typischerweise an Niedriglohnkräfte ausgelagert oder mithilfe von Computerautomatisierung bzw. KI aus verschiedenen Datensätzen generiert. Solche Websites lassen sich oft an einem hohen Anteil automatisch erstellter oder auf Vorlagen basierender Inhalte sowie am Fehlen eigener Berichterstattung erkennen.
Die New York Times berichtete im Oktober 2020, dass die eingesetzten Journalisten zwischen 3 und 36 US-Dollar pro Artikel verdienten.
Angesichts des Niedergangs von Zeitungen im letzten Jahrzehnt, haben vor allem in den USA viele spezialisierte „Pink-Slime“-Angebote die Lücken gefüllt, die durch die Einstellung lokaler Zeitungen und das „Lokalzeitungssterben“ entstanden sind.
In den letzten Jahren hat sich der Begriff „Pink Slime“ auf ein völlig anderes Phänomen ausgeweitet. Als Pink-Slime-Journalismus werden automatisierte, oft KI-generierte Websites bezeichnet, die sich als seriöse, lokale Nachrichtenseiten tarnen. Der Fokus wird auf Lokalnachrichten gesetzt. Die Gestaltung und die Namensgebung dieser Publikationen ähneln oft denen unabhängiger lokaler Nachrichtenmedien.

Die Herausgeber und Betreiber agieren oft aus Briefkastenfirmen und Offshore-Standorten. Eine Anfrage aus der Schweiz zum Betreiber und Domaininhaber einer beanstandeten Seite mit Impressum in Berlin führte ins Leere. Für die Medienaufsicht und für die Regulierungsbehörden ergibt sich eine schwer lösbare neue Kontrollaufgabe.

Pink Slime-News-Seiten im deutschsprachigen Raum

Die Pink Slime Portale von Lobbygruppen oder auch politischen Akteuren finanziert, um gezielt Geld zu verdienen oder Meinungsmache zu betreiben, Desinformation zu verbreiten. Manche dienen auch nur dazu, um Nutzerdaten zu sammeln.
Während das Problem aktuell vor allem in den USA mit weit über 1.000 solcher Fake-Portale massiv ist, warnen Medienwissenschaftler in aktuellen Untersuchungen auch vor einer schleichenden Ausbreitung in Europa.
Seit Frühjahr 2026 sind auch in Deutschland Pink Slime Portale aufgeschaltet worden. Ein Betreiber hat sogar 50 Lokalzeitungen bundesweit angemeldet, davon mindestens 8 in Berlin.
Das Phänomen Pink Slime ist eng verwandt mit dem Phänomen „AI-Slop,“ das vor allem Video-Streams betrifft. Beide Phänomene bedrohen die ökonomisch tragfähige Medienentwicklung und zerstören menschliche kreative Erwerbstätigkeit als Journalisten, Autoren, Medienautoren und Creators. Vor allem zerstören Pink Slime und AI-Slop die Vertrauensbasis und humane Wertschöpfung im Bereich digitaler Medientechnologien.

Meldestelle „Pink Slime“ in Berlin

Um Lokalpresse und Public Media weiter zu entwickeln und zivilisationsrrelevanten Journalismus zu stärken, wird eine Meldestelle „Pink Slime“ in Berlin ins Leben gerufen. Diese sammelt Beispiele und analysiert verwendete Daten und Technologien, um sie für die technische Weiterentwicklung des Journalismus nutzbar zu machen. Statt Abmahnungen und Klagen auf den Weg zu bringen, wird das Phänomen „Pink Slime“ als Innovations- und Spielfeld gesehen, das „Stör- und Gefahrpotentiale“ aber auch konstruktive Innovationen entfalten und neue Märkte begründen kann.
Die größte Gefahr droht ohnehin den großen KI-Investoren und BigTech, weil Desinformation und Fakenews auch die Qualität von Sprachmodellen und generativer künstlicher Intelligenz dekonstruieren.
Die Meldestelle „Pink Slime“ ist insofern eine forensische Institution, die auch wichtiges Wissen zur Abwehr von fraudulenten Nutzungen von KI-Technologien sammelt und für Kooperationen und für Gemeingut-Innovationen verfügbar macht.

Kontakt zur Meldestelle „Pink Slime“: info@neukoelln-nachrichten.de

( Zum Schutz vor KI- & Data-Mining und Training wird eine sichere Verbindung übermittelt )

a/m