Dienstag, 16. Juli 2024
Home > Aktuell > Verteidigungspolitik: „Deutschland muss die Verteidigung der Ukraine mit Panzern stärken!

Verteidigungspolitik: „Deutschland muss die Verteidigung der Ukraine mit Panzern stärken!

Kampfpanzer „Leopard“ 1A5

Von Michael Springer

Die Ukraine benötigt schwere Waffen, um sich gegen den völkerrechtswidrigen, rassistischen Angriffskrieg durch die Russische Armee zu wehren. Besser noch: für die Zukunft werden auch eigene Fähigkeiten zur wirksamen Abschreckung benötigt, um weitere und verlängerte Waffengänge zu verhindern.

Deutsche Schützenpanzer und Kampfpanzer aus ausgemusterten und ertüchtigten Altbeständen der Bundeswehr sind derzeit eine schnell verfügbare militärische Option!

Bis zu 50 Schützenpanzer „Marder“ stehen bereit, bis zu 100 Exemplare könnten insgesamt neu ertüchtigt und ausgeliefert werden.

Auch 88 Kampfpanzer „Leopard 1A5“ wurden Anfang der 1960er-Jahre gebaut und von der Bundeswehr bis 2003 genutzt. Das Unternehmen Rheinmetall diese Panzer kann direkt liefern — die Kosten werden mit 115 Millionen Euro beziffert.

Die Panzerlieferung an die Ukraine ist nun höchst dringlich, denn Russland sammelt derzeit rund 50.000 Soldaten und Ausrüstung auf dem Gebiet von Belarus, um einen Entlastungsangriff auf Kiew und Charkiw vorzubereiten.
Die ukrainische Armee soll zur Umgruppierung ihrer Kräfte gezwungen werden — um damit die Rückeroberung der Oblaste Cherson, Saporischja, Donetsk und Luhansk zu erschweren.

Waffenlieferungen mit Ringtausch-Vereinbarung sind erschöpft

Bisherige Pläne der Bundesregierung für einen Ringtausch mit NATO-Partnern sind inzwischen ausgereizt. Tschechien und Griechenland haben schon geliefert, und ihre aus der Sowjet-Zeit stammenden Panzer an die Ukraine abgeben.
Slowenien hat modernisierte T-55M-Kampfpanzer an die Ukraine übereignet, und von Deutschland dafür schwere LKWs und anderes Militärgerät erhalten.

Schützenpanzer-Marder1A3 des 4./Panzergrenadierbataillon 391 bei einer dynamischen Waffenshow. - Foto: Sonaz CC BY-SA 2.0
Schützenpanzer-Marder1A3 des 4./Panzergrenadierbataillon 391 bei einer dynamischen Waffenshow. – Foto: Sonaz CC BY-SA 2.0

Die Niederlande haben bereits größere Bestände an modernisierten M-113 Schützenpanzern Typ YPR-765 mit einer 25 mm Kanone an die Ukraine übergeben. Diese haben sogar mehr Feuerkraft als deutsche Schützenpanzer Marder mit einer 20 mm Maschinenkanone.
Aktuell hat sogar Litauen 50 Schützenpanzer M-113 an die ukrainische Armee übergeben.

Inzwischen sind fast alle alten T-72-Kampfpanzer und BMP-Schützenpanzern von unseren östliche NATO-Bündnispartnern großzügig weiter gegeben worden. Polen hat über 200 modernisierte T-72 Panzer an die Ukraine übergeben, und sich damit am stärksten gegen Russland positioniert.

Ersatzbeschaffung nach NATO-Standards: Polen setzt auf Südkorea

Angesichts der russischen Bedrohungslage werden alle östlichen NATO-Partner nicht mehr auf ertüchtigte ältere Kampfpanzer und Schützenpanzer aus Bundeswehr-Altbeständen zurückgreifen. Stattdessen wird inziwschen modernstes Gerät nach NATO-Standards eingekauft.

Im unseligen Streit zwischen der deutschen Bundesregierung und Polen, um angemessene Kompensation im Ringtausch von Kampfpanzern, hat Polen inzwischen eine strategische Wende vollzogen.
Unser wichtigster östlicher EU- und NATO-Partner wendet sich nun ganz von Deutschland und seiner unberechenbaren Bündnis- und Verteidigungspolitik ab.

Ein Ringtausch wird als Folge mit den USA in Gang gesetzt. Der Ukraine wurden über 200 modernisierte Kampfpanzer vom Typ T-72 geliefert. Auch eine größere Zahl Schützenpanzer BMP-1 wurde übergeben, die in zwei kampfkräftigen Brigaden eingesetzt werden. Polen will auch nach und nach rund restliche 300 T-72 und PT-91) ersetzen.

USA werden für Polen zum wichtigen strategischen Partner

Die USA füllen die Lücke: bis zu 250 der modernsten Panzer Abrams M1A2SEPv3 werden geliefert. Polen wird damit vier Panzerbataillone ausstatten. Die modernsten Abrams-Panzer kommen zur 1. Warschauer Panzerbrigade, zur 19. Mechanisierten Brigade und zur 18. Mechanisierten Division im Osten des Landes. Polen baut damit die stärksten NATO-Landstreitkräfte direkt an der russischen Grenze auf — und arbeitet auch eng mit der Ukraine zusammen. — Ein Eingreifen in der Ukraine wird im Fall einer dort drohenden Niederlage notwendig. — Angst vor „Atomdrohungen“ hat man in Polen offenbar nicht — stattdessen vertraut man auf die wirksame NATO-Abschreckung und rüstet selbst massiv auf.

Polen entschied sich gegen Deutschland als Partner in der Verteidigungsindustrie. Die bereits seit langer Zeit bestehende Rüstungskooperation mit Südkorea und Großbritannien wird dagegen weiter ausgebaut.

Kernstück dieser Kooperation ist Panzerhaubitze AHS Krab mit 155mm-Geschütz, die mit einem Fahrgestell der K9 Thunder aus Südkorea, dem Geschützturm der AS90 Braveheart aus dem Vereinigten Königreich sowie ein 155-mm-Geschütz von BAE Systems.

Polen hat bereits 60 Panzerhaubitzen des Typs AHS Krab mit 155mm-Geschütz an die Ukraine geliefert, die sich als sehr zuverlässig, zielgenau und hochmobil erwiesen. Ohne die polnische Unterstützung wäre die Ukraine der russischen Armee schon unterlegen.
Gleichzeitig beschafft Polen über 100 AHS Krab für die eigenen Streitkräfte — 24 Stück werden noch in 2022 geliefert.

Zwei südkoreanische Rüstungsfirmen liefern dazu bis zu 180 Kampfpanzer K2 Black Panther — zusammen mit Ausbildungs- und Logistikpaketen und Munition. Am 27. Juli 2022 unterzeichneten Polen und Südkorea Rahmenverträge zur Lieferung von rund 1.000 Panzern K2 Black Panther. Zusätzlich liefert die Korea Aerospace Industries auch mindestens 48 FA-50-Kampfflugzeuge.

Polen mißtraut inzwischen der deutschen NATO-Politik

Deutschland und seine moderne Rüstungsindustrie werden inzwischen von Polen unter Vorbehalt gestellt. Gewünschte Waffentypen werden als Kriegsfall nicht mehr sicher disponierbar angesehen. In Warschau fragt man sich schon, ob man sich etwa auf Munitionslieferungen aus Deutschland verlassen könne, wenn etwa Russlands Armee die Grenze zu Polen überschreite.

Mitten im Krieg streiten in Deutschland Bundesregierung und Parteien über die Panzerlieferungen an die Ukraine. Mit fiktionalen politischen Talkshow-Argumenten wird die Rüstungshilfe im Not- und Ernstfall verweigert.

Das ist nicht nur gegen die NATO-Bündnistreue und eigene Sicherheitsinteressen — sondern inzwischen auch gegen jede Vernunft gerichtet.
Bundeskanzler Scholz hat mit seiner Kommunikationspolitik in Sachen Panzerlieferungen einen schweren Vertrauensschaden und strategischen Machtverlust herbeigeführt.

Ausweg: Panzerlieferung mit „Auflagen“ für die Ukraine

Eine Alternative ist noch möglich: Panzerlieferungen unter „Auflagen“ wären eine sinnvolle Option. Die Schützenpanzer „Marder“ und Kampfpanzer „Leopard 1“ könnten bis auf Weiteres nur auf den Verteidigungslinien vor Kiew, Charkiw, Lemberg und Odesss eingesetzt werden — und den Kern einer künftigen wirksamen Abschreckung für die ukrainische Armee aufbauen.

Direkter Ringtauschpartner wäre die ukrainische Armee, die einen inländischen Ringtausch vornimmt. Vorhandene und Panzer-Truppen und Gerät im Norden werden umgruppiert, um sich mit vorhandenen Wffen sich auf die bewaffnete De-Okkupation in der Südukraine zu konzentrieren.

Neue Panzerbataillone mit Schützenpanzer „Marder“ und Kampfpanzer „Leopard 1“ dienen dann zunächst als Raumdeckung und Rückversicherung, um Russland von neuerlichen Angriffen abzuschrecken.

m/s