Dienstag, 12. Mai 2026
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Zeitgenössische Kunstkritik

Arts in Involution

Von Michael Springer

„Die Kunstkritik ist in Pankow auf den Hund gekommen!“ — Es hat mit der Digitalisierung, Entgrenzung und Virtualisierung unserer Kulturstadt Berlin zu tun. — Und mit einer strukturellen Krise der Zivilisation, die sich immer instabiler entwickelt.

Mit dem neuen Prinzip „Public Media“ werden Informationen und Nachrichten ohne digitale Barrieren verbreitet. Zugleich entsteht dabei ein sensibles Messinstrument für die Kosten von Lokalmedien und Lokalpresse, das zur Früherkennung von Entwicklungen und Fehlentwicklungen taugt.

Insbesondere in den Künsten, der Kultur- und Kreativwirtschaft sind Gentrifizierungs- und Verdrängungsprozesse wahrnehmbar. Inzwischen verändern sich in Berlin Demografie und Marktstrukturen auf vielfältige Weise. Trendeffekte, Rebound- und Seggregations-Effekte und Kohortenbildung waren beobachtbar.
Inzwischen haben wir eine überschießende News- und Story-Dichte, für die die verfügbare freie Lesezeit nicht mehr ausreicht. Mediale Interessen- und Zielgruppen lösen sich auf und werden zu „Such- und Abfragegruppen.“

Inzwischen explodiert die Nachrichtenvielfalt, Google Gemini, Deep Seek und eine Vielfalt von AI-Systemen und AI-Generatoren suchen von Menschen gesteuerte Bildschirme, um dort biologisch-mentale Aufmerksamkeit zu finden.

Kunstkritik funktioniert nicht mehr, denn die „Künstler:innen der Freien Szene arbeiten inhaltlich, methodisch und strukturell unabhängig, selbstbestimmt und selbstorganisiert. Sie arbeiten nicht marktorientiert oder kommerziell und sind nicht in festen Arbeitsverhältnissen beschäftigt;“ so die Eigenerklärung des Bündnis Freie Szene e.V. .

Die Mitgliederwerbung des berufsverbandes bildender künstler*innen berlin e.V. (bbk berlin) stimmt auch nicht mehr: „JE MEHR WIR SIND – DESTO MEHR HABEN WIR ZU SAGEN – DESTO SICHTBARER SIND WIR – DESTO BESSER WERDEN WIR GEHÖRT – DESTO MEHR KÖNNEN WIR BEWEGEN!“

Kunst schrumpft in Berlin — Shrinking Arts in Berlin

In den letzten 12 Jahren ist die Berliner Kunstszene geschrumpft, derzeit sind nur noch etwa 3.000 anerkannte Künstler:innen Mitglied im bbk berlin. Die Existenzbedingungen für Künstler:innen sind mehr als prekär, wie die Studie „Prekäre Hauptstadt, kreative Existenzen“ des bbk berlin aufzeigt.

  • Der Median des jährlichen Arbeitseinkommens aus künstlerischer Tätigkeit liegt bei 6.000 €,
  • Nur 15,3% werden von einer Galerie repräsentiert,
  • selbst unter den Vertretenen Künstler*innen trägt die Galerierepräsentanz für 61,7% kaum oder gar nicht zur Existenzsicherung bei.

Kunst und Kunstkritik rechnen sich nicht, auch nicht für Lokalpresse-Medien. Die Kunstkritik und die öffentliche Aufmerksamkeit fehlen, die Berlin zur Stadt der Kultur und Kunst gemacht haben. Nur wenn die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen für künstlerischer Arbeit substanziell verbessert werden, könnten die Kulturszenen neu belebt werden.

Für Lokaljournalismus gibt es somit auch eine klare kommerzielle Grenze, denn inzwischen werden nur noch staatlich finanzierte Ausstellungsankündigungen in Pankow produziert.

Journalismus und Kunstkritik in Lokalmedien sind erst ab 3,89 €/Einwohner/Jahr zu haben.

„Läge vor jedem Bild eine Wurst, und wäre der Kunstkritiker ein Hund so, würde er zeitweise satt.“ — Die Kosten für die Hundehütte & das ÖPNV-Ticket sind damit allerdings noch nicht gedeckt! *

*) Anmerkung:
Kunstkritik ist z.Zt. überregionalen Zeitungen mit kostendeckenden Werbeerträgen vorbehalten.


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