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Fiat Cinquecento einfach online leasen?

Fiat Cinquecento Collection 2018

Es hörte sich wie ein sagenhaftes Angebot an: „Einfach online leasen: Mit Lidl in 15 Minuten zum Wunsch-Cinquecento“. Die Überschrift der Pressestelle von Lidl Deutschland aus Neckarsulm versprach ein attraktives Angebot. Im Untertitel war mehr zu erfahren: „Als erster Lebensmittelhändler bietet Lidl gemeinsam mit dem Start-up Vehiculum den Fiat 500 als komplett digitales Auto-Leasing ab 89 Euro im Monat exklusiv im Lidl-Onlineshop.“

„Ab 4. Februar können Kunden einen Fiat 500 mit attraktiver Sonderausstattung unkompliziert und preiswert ab 89 Euro im Monat leasen. Das Angebot ist auf 1.000 Fahrzeuge limitiert und bis zum 30. April exklusiv im Lidl-Onlineshop über lidl-autos.de erhältlich.“

Das Angebot klang verlockend: „Der Fiat 500, auch bekannt als Cinquecento, hat sich als ideales Stadtfahrzeug bewährt und genießt Kultstatus. Als Lidl-Leasing-Auto gibt es den kleinen Flitzer als Schaltwagen mit 69 PS in einer Sonderausstattung mit Lederlenkrad, hinteren Parksensoren, Touchscreen inklusive Navigationsgerät und Bluetooth sowie Design-Felgen. Farbe, Vertragslaufzeit und Laufleistung lassen sich individuell bestimmen. Zulassungs- und Überführungskosten sind bereits im Preis enthalten. Im Full-Service-Paket für monatlich nur 164 Euro sind außerdem alle Wartungskosten während der Laufzeit, die Kfz-Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung sowie zusätzlich ein Satz Winterreifen inklusive.“

Partner von Lidl ist vordergründig das digitale Start-up Vehiculum, das laut seiner Webseite verschiedenste „Top-Leasing-Deals“. Abzuholen sind die Autos an drei Standorten: in Berlin. Erfurt oder Halle. Hier wird auch klar, wer hinter dem Angebot steckt: es ist das Autohaus Gotthard König, das allein in Berlin mit einem millionenschweren Marketing-Etat und eigener Werbeagentur den Kraftfahrzeugmarkt mit vorwiegend französischen Importautos ankurbelt.

Das Leasing-Startup Vehiculum will den Kraftfahrzeughandel digitalisieren. Vehiculum-Gründer Lukas Steinhilber sagt dazu euphorisch. „Mit der Lidl-Aktion zeigen wir schon heute, wie zukünftig Autos beschafft werden. Nämlich einfach, transparent und komplett digital.“

FCA Germany prüft rechtliche Schritte

Das Lidl-Angebot stößt in Händlerkreisen und bei Fiat Chrysler Automobile Deutschland (FCA Germany) auf Bedenken. Gegenüber der Zeitschrift »kfz-betrieb« wurde mitgeeilt, die Lidl-Aktion sei nicht mit dem Importeur abgestimmt. Man distanziere sich von dem Angebot, sagte der Sprecher. Und weiter: „FCA Germany wird rechtliche Schritte gegenüber allen Beteiligten prüfen und gegebenenfalls einleiten.“

Auch der Fiat-Händlerverband ist verärgert, weil sich hier Lidl als nicht autorisierter Wiederverkäufer darstellt. In der Online-Ausgabe der Westdeutsche Allgemeine Zeitung WAZ wird heute der Autoexperte Dudenhöffer zitiert, der zu den neuen Leasing-Geschäftsmodellen befragt wurde:

„Dies sind die trojanischen Pferde des Autohandels, die ihn Stück für Stück aushöhlen.“ Händler müssten sich mittelfristig wohl ein neues Geschäftsmodell schaffen, meinte danach Dudenhöffer: „Die neue Welt der Internet-Generation macht den klassischen Autohandel überflüssig.“

Ein Berliner Fiat-Händler, der nach einem Gegen-Angebot gefragt wurde, sagte, er beteilige sich nicht an so einem Preiswettbewerb, weil der Wertverlust des Fahrzeugs in den ersten drei Jahren höher sei, als die Leasingraten insgesamt ergeben. Die Rückgabe des Fahrzeugs sei im Fall von weiteren wertmindernden Gebrauchsspuren ggf. problematisch, und könne zu unerwarteten Nachzahlungen führen.

Autoleasing – die Rechtsnatur des Leasingvertrages entscheidet

Die Verbraucherzentrale Bayern e.V. hat auf dem Verbraucherportal des Bayrischen Staatsministeriumd für Umwelt und Verbraucherschutz wichtige Grund Informationen zum Leasing veröffentlicht. Der Rat: „Wer als Verbraucher mit dem Gedanken spielt, ein Fahrzeug zu leasen, sollte genau prüfen, ob ein Leasingvertrag für ihn das Richtige ist, und die Vertragsunterlagen genau sichten.“
Die Rechtsnatur des Leasingvertrags wird dort erläutert, und die verschiedenen Modelle. Schon beim Grundmodell des Leasing wird zwischen direktem und indirektem Hersteller- oder Händlerleasing unterschieden. Beim direkten Hersteller-/Händlerleasing ist der Lieferant selbst der Leasinggeber. Beim indirekten Leasing ist es ein mit dem Hersteller oder Händler wirtschaftlich verbundenes Unternehmen, in der Regel eine Kfz-Bank, das die Rolle des Leasinggebers einnimmt.

Je nachdem ob Kilometerleasing, Restwertleasing oder Andienungsleasing vereinbart ist, kommen ganz unterschiedliche Kosten und Kostenrisiken auf die Leasingnehmer zu. Auf Grund des Dreiecksverhältnisses Leasingnehmer – Leasinggeber – Produzent können auch mehr Probleme entstehen als bei reinen Darlehens- und Mietverhältnissen.

Die wichtigste Rat ist daher, auch das Kleingedruckte im Leasingvertrag genau zu lesen, und in jedem Fall mit spitzen Bleistift nachzurechnen.

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