Sonntag, 01. November 2026
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Wenn die „KI“-Blase platzt — Europas Ausweg aus der Digitalisierungskrise

Europas Zukunft 2833

Von Michael Springer

Europa und Deutschland befinden sich in einer komplexen weltwirtschaftlichen Krise, die auch das Mediensystem und das gesamte politische System ergreift. Die Ursachen sind mannigfaltig und sie werden von vielen Akteuren und den tiefen Folgen von technologie- und wirtschaftspolitischen Umbrüchen verursacht. Neu hinzu kommen gigantische Risiken, die durch eine bisher völlig überschätzte Investitions-Rallye in Technologien für „sogenannte Künstliche Intelligenz“ in die Welt gesetzt wurden.

Über 70.000 YouTube-Videos gehen täglich neu ins Netz, das ist mehr als ein Menschenleben Sendezeit. Eine geradezu irrwitzige Informations- und Nachrichtenflut überwältigt derzeit das aktuelle individuelle Wahrnehmungs- und Denkvermögen. Die demokratisch und kollektiv Verantwortung tragenden Organisationen, Gremien und Parteien sind sogar real überfordert, tragfähige Realpolitik und neue tragende Zukunftspolitik zu entwickeln. Digitale Souveränität kann nicht mehr verteidigt werden. Auch die mentale und intellektuelle Souveränität steht inzwischen zur Disposition.

Die von Überkomplexität und Hyperdynaxität geprägte aktuellen Weltlage stellt inzwischen Zivilisation auf dem Prüfstand. Die Wirtschafts- und Rechtsordnung und die kulturelle die Ordnung stehen zugleich vor unabweisbaren disruptiven und überraschenden Veränderungen. Erhalten, Ordnen, Transformieren? Es gibt offenbar keinen Kompass für Weiterentwicklung der Zivilisation, der Demokratie und der Wirtschaft. Die komplexen Arbeitsteilungen mit sozialen, finanziellen und technologisch ineinander verflochtenen Märkten und Regeln haben bis in Deutschland und in Europa einen fundamentalen Wohlstand begründet.

Platzen der KI-Blase – ein zwangsläufiges Zivilisationsphänomen

Inzwischen zeichnet sich eine fundamentale „Digitalisierungskrise“ ab, die stabile mittelständische Wirtschaft durch instabile Plattformökonomien und „Innovations-Scam“ ersetzt. Analysten und Ökonomen warnten bereits 2025 vor einer KI-Blase und einer historisch beispiellosen Fehlallokation von Kapital, das in Chips und Rechenzenten investiert wurde. Experten schätzen zudem ein, das viele der verbauten Nvidia-Chips und Server-Racks und Rechenzentren-Kapazitäten noch gar nicht in Betrieb sind. Ihnen geht offenbar noch der Inbetriebnahme die Arbeit und das Geld aus.

Die neuen laufenden Quartalszahlen der US-Tech-Riesen im Herbst 2026 weisen schon grundlegende Fragezeichen auf, ob der gigantische KI-Investitionsboom überhaupt gerechtfertigt war.
Die Tech-Konzerne müssten erst beweisen, dass die massiven Ausgaben für Nvidia-Chips und Rechenzentren echte Gewinne durch KI-Produkte abwerfen. Doch die Erwartungen bestätigen sich nicht, denn alle großen Plattformkonzerne und Hyperscaler melden erschreckende Verlustzahlen und viel zu geringe Umsätze. — Bleiben diese erwarteten Umsätze aus, springen Investoren ab und das Platzen der KI-Blase kann nun sehr schnell gehen.

Plötzliche weltweite Zivilisationsrisiken

Es ist inzwischen ein weltweites Phänomen: auch Chinas KI-Aktien stürzen ab, 480 Milliarden Dollar Börsenwert sind bereits vernichtet. Hinter dem Phänomen steht die enorme Verbesserung der Effizienz durch KI-Systeme in der Produktion. Sie führt zu einem Preissenkungswettbewerb, an dessen Ende es in der Gesamtwirtschaft nur Verlierer gibt.
Das Platzen der „KI-Blasen“ ist offenbar überraschend weltweit im Gange. Aktuelles Beispiel: Google meldet einem hohen eigenen Rekordumsatz – und verliert trotzdem binnen Minuten rund 500 Milliarden Dollar an Börsenwert. Der Grund: In der Bilanz wurde ein gigantisches KI‑Risiko entdeckt.

Zudem wird mehr und mehr sichtbar, wie Künstliche Intelligenz das Internet in einen riesigen Spielplatz für Hacker und Reverse Engineering Projekte verwandelt. Praktisch ist keine Software und keine Plattform mehr sicher. India Global Review warnt in der „Palkii Sharma Show:“

Is AI Turning the Internet Into a Hacker’s Playground? | The Palki Sharma Show | India Global Review

Der sich entwickelnde Schaden für die Wirtschaft und Weltwirtschaft ist enorm: „KI frisst Software.“ Die SaaS-Disruption zerstört bereits große Firmenimperien wie Salesforce, SAP, ServiceNow, Workday, Oracle. Im Kreativbereich verlieren etwa Adobe und Shutterstock ihr klassisches Abrechnungsmodell „pro Nutzer/Sitzplatz.“
Inzwischen ist auch die Wissenschaftsdomäne „Mathematik“ durch OpenAI zerstört worden, nachdem rund 722 Manuskripte bzw. hunderte mathematische Ergebnisse und Beweise online gestellt wurden. Hugo Duminil-Copin, Träger des höchsten Mathematik-Preises 2022 berichtet darüber auf YouTube:

AI Destroyed My Profession – Field Medalist Burst into tears | Neural Hegemony

Ähnliches steht möglicherweise unserem gesamten europäischen Zivilisationsmodell bevor, wenn keine Gefahrenabwehr und zivilisationserhaltende Umsteuerung gelingt. Es gibt bisher noch immer kein Konzept, wie die sich ausbreitende Erwerbslosigkeit und Massenerwerbslosigkeit aufgefangen werden kann, obwohl wir uns das teuerste Regierungssystem leisten.

Googles KI-Offensive geht nach hinten los

Mit der Integration von Google Gemini hat das Unternehmen sein altes Geschäftsmodell in Frage gestellt.
Früher leitete die Google-Suche Nutzer ins Internet weiter. Heute liefert sie selbst die Antworten – anstelle des Internets. Die trifft heute alle auf Suchmaschinenoptimierung aufgebauten Publisher, Verlage und eCommerce Unternehmen und Online-Shops.

Etwa 60 % der Google-Suchanfragen enden heute, ohne dass ein einziger Klick erfolgt. Daten von Chartbeat zeigen, dass der Traffic, den Google an Webseitenbetreiber weiterleitet, innerhalb eines Jahres um 34 % zurückgegangen ist – bei kleineren Anbietern sogar um 60 %. National Public Radio (NPR, USA) bezeichnete dies sogar als ein „Ereignis, das das Aussterben zur Folge haben könnte“. Doch der eigentliche Kern der Entwicklung ist nicht das Ende der Suche an sich. Es geht vielmehr darum, was Google als Ersatz aufbaut: ein neues Geschäftsmodell, bei dem Inhalte nicht mehr an die Leser verkauft werden, sondern im großen Stil an eine KI.
Pooja Dutt, eine Microsoft-Software-Ingenieurin erklärt den Übergang in ihrem neuen YouTube-Video:

Google’s AI Takeover is Backfiring – YouTube-Video

Pooja Dutt wagt einen Ausblick, wohin sich das Google-Internet entwickeln könnte: „Wir werfen einen Blick darauf, wie sich das Internet in Zukunft entwickeln könnte: hin zu einem geschlossenen Kreislauf mit Google als „Torwächter“ – und einem kleineren, menschlicheren Web, das auf direkten Beziehungen zum Publikum basiert.“

Europa, Deutschland & Berlin benötigen Alternativen

Die europäische Zivilisation und das mannigfaltige Kultur- und Wirtschaftsmodell der Europäischen Union können einem derartigen „Hyperscaler-Geschäftsmodell“ nicht stand halten. Schon heute entleeren sich die Geschäftszentren, Leerstand und De-Urbanisierungsprozesse zerstören Dörfer, Kleinstädte, Mittelzentren und Großstädte. Politik und Parteien sind heute offenbar noch nicht einmal imstande, die eigenen Organisationen und Institutionen lebensfähig zu halten. — Immerhin: Nachhaltigkeit und Resilienz sind schon als Themen im aktuellen wirtschaftspolitischen Zukunftsdiskurs angekommen.

Erhalten, Ordnen, Transformieren? Es gibt offenbar keinen philosophischen und politischen Kompass für Weiterentwicklung der Zivilisation, der Demokratie und der Wirtschaft. — Eben dieser neue Kompass, die neue demokratische und wirtschaftliche Strategie muss nun erarbeitet werden. Es ist eine neue, auf den bewährten Ordnungen und dem Recht aufbauende Strategie, die eine Langfriststrategie für weitere 800 Jahre als Perspektive aufnimmt. Dazu muss das europäisch auf Rechten gegründete Zivilisationsmodell schrittweise und demokratisch rekapituliert und modernisiert werden.

„Europa fit for 2833“ — so der Claim für diese neue Strategie. Dieses Medium wird bald um europäische Perspektiven, Themen und Rubriken erweitert, damit Berlin auch künftig „Stadt der Freiheit und der kreativen Entfaltungsfreiheiten“ der „Citizens“ bleiben kann!


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a/m