Mittwoch, 24. Juli 2024
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Colosseum soll Kino- und Kulturstandort bleiben

Collosseum aus der Vogelperspektive

Die VALUES. Real Estate Holding GmbH aus Hamburg hat das Gebäudeen­sem­ble in der Schönhauser Allee 123 / Gleimstraße 30, 32, 33 und 35 mit dem historischen Kinosaal „Colosseum“ erworben.

Die gute Nachricht: der Erhalt und Betrieb des historischen Kinosaals mit kultureller Mischnutzung ist geplant. VALUES-Geschäftsführer Dr. Thorsten Bischoff sagte dazu: „Wir möchten diesem traditionellen Kulturstandort wieder Leben einhauchen und ihm langfristig verbunden bleiben.“

Die Ungewißheit über die Zukunft des traditionsreichen Kinostandortes ist damit aufgelöst. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit den Erben von Artur Brauner, wird sein Kinoerbe offenbar ganz seinem Sinne fortgeführt. Die Erbengemeinschaft um Alice Brauner hat sich zudem einstimmig für das Angebot der VALUES entschieden.

Das Berliner Projekt­entwicklungsteam von VALUES Real Estate plant den Erhalt und Betrieb des historischen Kinosaals aus den 1920er Jahren mit einer diversifizierten kulturellen Mischnutzung.

„Wir freuen uns sehr über das Vertrauen der Erbengemeinschaft Brauner in unser Team und unser Nutzungskonzept. Wir werden in den kommenden Monaten das Areal als einen Standort für die Kreativ- und Kulturbranche weiter konzipieren“, sagt Dr. Thorsten Bischoff, der als Geschäftsführer das gesamte Projektentwicklungsgeschäft der VALUES vom Berliner Standort aus verantwortet.

VALUES Real Estate engagiert sich bundesweit an städtebaulichen Premium-Standorten und orientiert dabei auf Werterhalt, nachhaltige Immobilienentwicklung und ein individuell für das Objekt entwickeltes Optimierungskonzept.

Für das Collosseum wird eine klassische Kinonutzung abseits der Welt der Blockbuster-Filme geplant. Die Film- und Kinobranche hat sich schon vor der Pandemie strukturell verändert. Digitale Formate und Programmkinos werden sich im Wettbewerb mit Streamingplattformen weiterbehaupten können.

Dr. Bischof deutet die Richtung an, in der geplant wird: „Wir sind in sehr guten Gesprächen mit am Colosseum interessierten zivilgesellschaftlichen Akteuren wie etwa dem Human Rights Film Festival Berlin und dem Jüdischen Filmfestival Berlin-Brandenburg“. Ebenso könne sich die gamesweekberlin ein Engagement an diesem Standort vorstellen.“

VALUES arbeitet noch an der Konzeption, gibt jedoch schon Einblick ist die zukünftige Richtung, für die ein wirtschaftlich tragfähiges und nachhaltiges Konzept gestellt werden soll.

Anders als von Vielen befürchtet, geht der Projektentwickler auf die engagierte Stadtgesellschaft zu. Dr. Bischoff sagte dazu: „Bei all diesen konzeptionellen Überlegungen berücksichtigen wir mit der nötigen Sensibilität für das Umfeld die Historie und die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger dieses lebendigen und kreativen Stadtareals.“

Ein zentrales Ziel der VALUES-Projektentwicklung ist es, den historischen Kinosaal und das Atrium schnellstmöglich wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dr. Bischoff: „Dabei spielt das Nutzungskonzept für einen neuen Kino- und Kulturbetrieb als Identifikationspunkt im historischen Saal und eine entsprechend kulturelle Zwischen­nutzung bis zur Bauphase eine besondere Rolle für uns.“

Das Colosseum – ein traditionsreicher Kulturstandort in Prenzlauer Berg

Das heutige Gebäudekomplex mit dem Colosseum wurde zuerst 1894 als Wagenhalle der Großen Berliner Straßenbahn genutzt, die zuerst als Pferdebetrieb und später als Busbahnhof genutzt wurde.
Erst im September 1924 eröffnete das erste Filmtheater an diesem Ort im Bereich der Schönhauser Allee 123. Während des Krieges war das Areal Lazarett. Nach Kriegsende diente es als Wärmehalle sowie als Übergangs-Spielstätte des Metropol-Theaters und Varieté.
Nach einem Umbau öffnete das historische Kino am 2. Mai 1957 erneut und diente auch als beliebtes Premierenkino der DDR. Nach der Deutschen Wiedervereingung 1989 wurde das staatliche Kino durch die Treuhandanstalt privatisiert und 1992 von dem Berliner Filmproduzent Artur Brauner zusammen mit den alten Gebäuden des Busdepots auf dem Nachbargrundstück erworben.
Im Zuge einer grundlegenden Sanierung des historischen Kinosaales Colosseum in den Jahren 1996-97 eröffnete Artur Brauner einen neu errichteten Multiplex-Kino-Komplex mit zehn Sälen auf dem Gelände der alten Wagenhallen.
Der Erfolg war jedoch nicht von langer Dauer: der Umsatz des Kinos Colosseum brach um die Hälfte ein, als nur drei Jahre später in der benachbarten Kulturbrauerei ebenfalls ein Multiplexkino mit acht Sälen eröffnet wurde. Diese harte Konkurrenzsituation trug wesentlich zum wirtschaftlichen Ende des Kinobetriebes im Mai 2020 bei.

Mit dem einstimmigen, vertrauensvollen und zügigen Verkauf des Collosseum an einen bewährten Projektentwickler hat die Erbengemeinschaft auch dem Kulturstandort Prenzlauer Berg einen großen Dienst erwiesen. So kann im Jahr 2024 hier ein großes 100-jähriges Kinojubiläum begangen werden!

m/s