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Kultur stirbt den Dinosaurier-Tod!

Mahnwache mit original T-Rex-Skelett

Vor rund 66 Millionen Jahren kollidierte ein riesiger Asteroid mit der Erde. Der 180 Kilometer große Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán zeugt noch heute davon. Der Einschlag wirbelte Megatonnen von Staub auf, die den Himmel jahrelang verdunkelten und ein frostiges Erdzeitalter verursachten. Ein Massensterben von Dinosauriern und zahlreichen anderen Arten war das Resultat. Bis zu 75 Prozent aller Tierarten starben damals aus.

Vor gut einem Jahr schlug der billiardstelgrammschwere, nanokleine SARS-CoV-2-Virus auf der von über acht Milliarden Menschen besiedelten Erde ein — und verbreitete sich über unsichtbare Aerosol-Wolken auf dem ganzen Planeten. Über 68 Millionen Menschen wurden seitdem infiziert, inzwischen sind über 1.570.642 Menschen an Corona-Folgen gestorben.
Millionen Menschen wurden in der Folge arbeitslos, stürzten in bittere Armut zurück.

Alarmstufe Dunkelrot für Kultur- und Veranstaltungswirtschaft

Infektionsschutz-Maßnahmen und der Dauer-Lockdown haben in Deutschland insbesondere die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft getroffen. Mit einer Mahnwache am Brandenburger Tor wurde am 9.12.2020 auf die äußerst dramatische Lage aufmerksam gemacht.

Ein 67 Millionen Jahre altes original T-Rex-Skelett aus dem Dinosaurier-Museum Altmühltal (Bayern) verdeutlichte das Bild: Millionen Menschen aus den Bereichen Kunst und Kultur, Gastronomie und Hotellerie, Veranstaltungen und Messen, Tourismus, Freizeitindustrie und Museen sind ohne Arbeit, und viele von ihnen ohne Einkommen.
Nach Angaben des Aktionsbündnis #AlarmstufeDunkelrot sind etwa 10% aller Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland betroffen.

„Bislang war vor allem die Veranstaltungswirtschaft im existenzvernichtenden Dauerlockdown, jetzt sind es insgesamt bis zu 4,5 Millionen Menschen aus betroffenen Branchen. Für sie, aber auch für ihre Familien, ihre Kinder, wird es besinnliche Weihnachten nicht geben. Stattdessen werden diejenigen, die zum Schutz aller ihren Berufen nicht nachgehen dürfen, Weihnachten alleine und ohne Geld gelassen“ so Dirk Wöhler, Anmelder der Demonstration/ Mahnwache. Dies sei ein Skandal und müsse umgehend behoben werden.

Schauspielerin Marion Kracht machte in einer sehr emotionalen Rede auf die prekäre Situation von Schauspielern aufmerksam.

Klare Forderungen an die Politik

Angesichts der dramatischen Lage weist das Aktionsbündnis #AlarmstufeDunkelrot auf eklatante Mißstände hin und stellt konkrete Forderungen:

Neben der Erhöhung der Abschlagszahlungen der Novemberhilfe wird eine Fortführung von Hilfen für den privaten Lebensunterhalt als Kurzarbeitergeld gefordert. Denn: Grundsicherung bei in voller Höhe weiterlaufenden Kosten könne nicht funktionieren. Der Abzug von Zuverdiensten ab 140 EUR verhindert sogar wirksame mögliche Selbsthilfe. Deshalb ist die Grundsicherung für Selbständige und Unternehmer im Effekt eine durch schlechtes Regieren herbeigeführte „Insolvenz per Regierungsbeschluss“.

Die Verschiebung von Steuererminen, Steuerstundungen und der weitere Verlängerung der Insolvenz-Anzeigepflicht über den 31.12.2020 hinaus sind notwendig, um eine Welle an Insolvenzen noch zu verhindern.

Gefordert wird auch ein sofortiger Beginn für die Entwicklung von Neustart-Szenarien, die über reine Kulturveranstaltungen hinaus gehen. Eine andauernde und erneute Planlosigkeit können die betroffenen Branchen nicht weiter verkraften.

Ungleichbehandlung von Unternehmen und Freiberuflern

Eine Ungleichbehandlung von Unternehmen und Menschen wird beklagt. Die Förderpolitik ist nicht ausreichend passfähig für die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft, in der einzelne Menschen vor allem mit ihrer Person als Künstler, Darstellende, als Veranstaltungs- und Tontechniker und anderen Berufen allein berufstätig sind.

Neben bislang unzureichenden Finanz-Hilfen sorgt aktuell die verzögerte Auszahlung der Novemberhilfe für große Not und Ungleichbehandlungen! Während in gesicherten Berufen nach Tarif mit bis zu 14 Monatsgehältern und Weihnachtsgeld gezahlt werden, müssen sich die Betroffenen in Kultur- und Veranstaltungswirtschaft bis mindestens Mitte Januar gedulden.

Für großen Verdruß sorgt auch die Perspektive, ab Januar erneut keine Hilfen außer Fixkostenzuschüssen zu bekommen. „Es wird erneut lediglich Unternehmen, nicht aber Menschen geholfen“ sagte Robin Kirchhoff, Mitinitiator der Mahnwache. Angesichts des Sonderopfers der Branchen sei das inakzeptabel.

„All das, wodurch eine Gesellschaft eine Gesellschaft ist, stirbt aktuell bereits aus. Dieses Aussterben muss sofort gestoppt werden.“ Die Politik wird dringend aufgefordert, endlich professionell und zielgerichtet zu handeln!“


Anmerkungen zum systemischen Versagen der Politik.

Kommentar: Michael Springer

Wenigstens 5 Millionen Menschen fallen derzeit in Deutschland einer einseitig und erratisch auf Infektionsschutz und auf bürokratische Ausgleichshilfen fixierten Politik zum Opfer.
Gerade in der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft und in Gastronomie und Hotellerie, Veranstaltungen, Messebau und Messen, Tourismus, Freizeitindustrie und Museen sind wichtige Kompetenzen vorhanden, um Infektionsschutz und wirtschaftliche Aktivitäten zu verbinden.
Fachkräfte aus Kultur- und Veranstaltungswirtschaft könnten zum Beispiel wichtige Helfer sein, um die Digitalisierung der Schulen voran zu bringen, und neue Konzepte für Bildung, Curricula und Medien- und Kulturprojekte vorbereiten.
Messebauer könnten helfen, um Infektionsschutzschleusen und Trennwände in Schulen, Altenpflegeheimen und öffentlichen Bauten einzubauen. Gastronomie und Hotellerie könnten spezielle Quarantäne- und Rehabilitationsmaßnahmen durchführen, um „vulnerable Gruppen“ aus HotSpots in sichere Aufenthalte zu bringen.
Manche Baudenkmäler könnten früher saniert und in Kulturorte umgebaut werden.

Vor allem aber sind ganz andere politische Prioritätensetzungen erforderlich:

„Denn die soziale Marktwirtschaft erlaubt die gleichzeitige Orchestrierung von wirtschaftlicher Entfaltung, Gefahrenabwehr und Infektionsschutz und direkten Gesundheitschutz und erforderlicher medizinischer Behandlung.“

Statt ministerieller Krisenrunden sind übergreifende „Task-Forces“, „Branchen-Sozialpläne“ und „kulturwirtschaftliche Investitionspläne“ und „kommunale Synergie-Projekte“ erforderlich. Eine nationale Kraft- und Ideen-Anstrengung wie beim Aufbau-Ost ist sogar nötig! Mehr kreatives Projektmanagement ist gefordert! Ausgerechnet die vom Lockdown heute sehr hart Betroffenen können das, wenn man sie nur aus den Fängen der Bürokratie entlässt und auch Kredit erlaubt!
Die Regelungen zur Beschäftigungssicherung zu Zeiten der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben wären ein Vorbild. Es muss dazu keine Bundesanstalt für pandemiebedingte Sonderaufgaben gegründet werden! — „Auftrags-Ökonomien, statt „Antrags-Ökonomien!“

Politisch zugespitzt: „Weniger Angela Merkel, weniger Scholz, weniger Altmeier und weniger Grütters! Stattdessen mehr Helmut Kohl, mehr Theo Waigl, mehr Dr. Johannes Ludewig und mehr Birgit Breuel sind nötig!“

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m/s

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