Von Michael Springer
Bezirksbürgermeisterin Cordelia Koch hat gemeinsam mit Wanderleiter Eckehard Heiber vom Sportverein Empor-Berlin alle Interessierten eingeladen, den Pankower Norden bei Wanderungen zu erkunden und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Die Einladung wurde in der Pressemitteilung vom 22.07.2026 veröffentlicht. Der Spaziergang findet am Samstag, dem 8. August 2026 von 9:30 bis 12:30 Uhr statt. Treffpunkt ist der Vorplatz am Bahnhof Buch. Auf einer Distanz vom gut elf Kilometern geht es gemeinsam zum Torfstich und Lietzengraben, zur Bogenseekette, zum Karpfenteich sowie zur Moorlinse und wieder zurück zum Bahnhof Buch. Um Voranmeldung wird gebeten.
Die Überschrift der Pressemitteilung deutet eine gewisse mentale Distanz der Pankower Bürgermeisterin zum nördlichsten Ortsteil von Pankow an. Die Auswahl der Wanderstrecke sieht wie eine Stadtflucht aus, wobei es natürlich verständlich ist, wenn der Wanderleiter aus Prenzlauer Berg kommt.
Dahinter steht ein soziales Phänomen: in Pankow gibt es seit vielen Jahren ein Übergewicht in den kommunal agierenden Eliten, die auf eine Schul- und Jugendzeit in Prenzlauer Berg zurückblicken können. Die Distanz zum Bezirksamt und zur Stadtverordnetenversammlung in der Fröbelstraße ist für die Bucher Bürger sehr groß. Auch zu groß für eine wirksame ehrenamtliche Präsenz in den politischen Parteien?
Langfristentwicklung seit 2001
Die Berliner Bezirksreform vom 1. Januar 2001 reduzierte die Anzahl der Stadtbezirke von 23 auf 12. Im Zuge dieser Bezirksgebietsreform wurden die alten Bezirke Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee zu einem neuen Großbezirk zusammengelegt. Zuerst waren es 13 Ortsteile, die auf der Internetseite des Bezirksamt Pankow beschrieben sind (Mit freundlicher Unterstützung der HertelMedia Verlags-GmbH).
Inzwischen wurden durch die soziale Planungskoordination insgesamt 16 Bezirksregionen ausgewiesen. Eine verwaltungsinterne Lösung, die bisher weder im Stadtmarketing noch als Verwaltungsakt in den Köpfen der Bürger angekommen ist.
Berlin-Buch wird auch auf Wikipedia recht sparsam behandelt: „Buch ist ein Ortsteil des Bezirks Pankow in Berlin und der nördlichste der Stadt. Den an der Panke liegenden Ort prägen der historische Dorfkern, der Schlosspark, umfassende Krankenhausanlagen und moderne Neubausiedlungen.“
Auch auf dem Tourismusportal mit einem völlig irreführenden Domain-Namen wird Berlin-Buch nur holzschnittartig behandelt: „Buch steht für eine einzigartige Mischung aus Geschichte, Wissenschaft und Natur. Seit 1342 urkundlich erwähnt, entwickelte sich Buch vom märkischen Dorf zu einem bedeutenden Standort medizinischer Forschung. Die historischen Krankenhausbauten des frühen 20. Jahrhunderts, darunter die von Ludwig Hoffmann entworfenen Kliniken, prägen bis heute das Stadtbild. Moderne Wissenschaftseinrichtungen im Campus Buch knüpfen an diese Tradition an. Gleichzeitig lädt der weitläufige Schlosspark mit Teichen, alten Baumalleen und dem barocken Schlossensemble zu Spaziergängen ein. Buch bietet ein ruhiges, grünes Umfeld am Rand Berlins, in dem Kulturgeschichte und Natur verträglich zusammenfinden.
So ist es kein Wunder, wenn selbst ChatGPT durcheinander kommt, und die Fakten der Bezirksgliederung mit ihren verschiedenen Zeitschichten nicht klar ordnen kann.
Tourismusmarketing: Willkommen in Pankow 2012
Auch auf der Willkommensseite des Bezirksamts Pankow kommt Berlin-Buch nur beiläufig in einem Halbsatz vor: „Berlins ältester Biergarten im Prater an der Kastanienallee befindet sich ebenso im Bezirk wie das modernste Klinikum der Stadt in Berlin-Buch.“
Die Seiten zum Thema Bürgermeister zeigt noch die Gesichter von 2012. Danach scheint im Pankower Rathaus nicht mehr viel passiert zu sein! Die Seite über Tourismusmarketing steht offenbar seit 13 Jahren unverändert, oder ist durch Updates geschädigt worden, denn für Bilder sind nur Platzhalter zu sehen.
Die jahrelang mit hunderttausenden Euros geförderten „PANKOW(ER)LEBEN-Heften“ sind nicht mehr seit Jahren erschienen. Die fleißige Agentur IN TOUCH ist nach Brandenburg umgesiedelt. Die mit Fördermitteln aufgebaute Stadtimage-Werbung ist entschwunden. Das Internetportal ist praktisch nicht mehr existent und wird als „unsicher angezeigt.“
Auf visitberlin wird immerhin geworben: „Pankow – Kosmopolitisch, kreativ und entspannt;“ wobei es sich aber nur um Prenzlauer Berg handelt. Berlin-Buch kommt unter einem ganz anderen Begriff auf visitberlin vor: „Städtische Zentrale Buch.“ — Wir können hier das Versagen der Berliner Tourismusförderung par Excellence besichtigen, die immerhin mit Millionenbeträgen aus der Übernachtungssteuer (City-Tax) finanziert wird und derzeit 198 Mitarbeitende und 21 in Ausbildung beschäftigt.
Berlin-Buch – ein Zukunftsort
Berlin-Buch taucht stattdessen in der Reihe der elf Berliner Zukunftsorte auf, jenen Innovations- und Technologie-Clustern, die besonders im Fokus der Wirtschaftsförderung stehen. Fast hätte es in Berlin zwölf Berliner Zukunftsorte gegeben, denn das Health Innovation Quarter Berlin-Mitte ist in diesem Jahr dazu gekommen. Doch der EUREF-Campus in Tempelhof-Schöneberg ist aus der Riege der zukunftsorte ausgeschieden und wird künftig eigene Roadmaps entwickeln.
So wird Berlin-Buch als Zukunftsort portraitiert: als „Green Health City – für die Zukunft der Medizin.“
Die spannende Frage taucht nun im laufenden Wahlkampf auf: „Wie blicken Bürger, Parteien und neu zu wählende Kandidatinnen und Kandidaten für BVV und Berliner-Abgeordnetenhaus auf ihren „Zukunftsbezirk?“ — „Wer hat die systemische und volkswirtschaftliche Kompetenz, um politisch und kommunalpolitisch in die Zukunft zu führen?“
Public Media — Eine offene Medienebene für Pankow, ohne digitale Hürden mit neuen Digitalrechten!
