Donnerstag, 15. November 2018
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Rundlokschuppen: Enteignung von Krieger die beste Option?

Rundlokschuppen Pankow Heinersdorf

/// Kommentar /// – Seit einem Jahrzehnt ist die städtebauliche Entwicklung in Pankow durch einen Investor gelähmt, der seine privatwirtschaftlichen Interessenlagen über die städtebaulichen Gesamtinteressen und über Gemeinwohl zu stellen versucht. Es geht um die zukünftige städtebauliche Entwicklung der Flächen des ehemaligen Rangierbahnhofs Pankow. Und um ein einzigartiges Baudenkmal in Form des Rundlokschuppens am S-Bhf. Heinersdorf, sowie die baulichen Anlagen und ein ausgedehntes Gelände, das sich auch als Zukunfttandort für Arbeitsplätze, Studenten-Wohnen und für moderne Werkstattfertigungen anbietet.

Es geht aber auch um altbacken-schwachbrüstige Kommunalpolitik, die nur Hinterzimmerstärken aufweist, und keine Kraft entfaltet, wo es um die Wahrnehmung von Gemeinwohl, Zukunftsinteressen und städtebauliche Planungshoheit geht.

Es sind zu einem guten Teil Versäumnisse der Vergangenheit, insbesondere der SPD Pankow, die sich hier vergeblich abgearbeitet hat, und ihre eigene Drittklassigkeit organisiert hat. Die Aufräumversuche und die Verärgerung gehen weiter. Denn ausgerechnet am Rundlokschuppen will nun der verärgerte Investor ein Exempel statuieren: Abriss!

Die Anordnungen den Bezirksamts Pankow zum Denkmalschutz zum Erhalt des Rundlokschuppens sind durch Widerspruch und Verwaltungsgerichtsentscheidung abgewiesen worden. Kurt Krieger will nun offenbar den Rechtsweg beschreiten, und wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit den Rundlokschuppen abreißen lassen, und so die Verhandlungsposition für den gewünschten Bau zweier Möbelmärkte stärken.

Doch werden diese Märkte noch gebraucht? Die nächsten größen HÖFFNER-Märkte stehen am Südkreuz, kaum 30 Minuten vom S-Bahnhof Pankow entfernt – und an der Landsberger Allee. Der nächste SCONTO-Markt an der Ringbahn am Bahnhof Storkower Straße ist nur 15 Minuten entfernt.

Was ist mit den Prioritäten zum Klimaschutz, Luftaustausch, Feinstaub und Stickoxiden?

Durch jahrelanges Zuwarten und Planungsschachern mit nunmehr 23 verschiedenen Entwürfen und etlichen unveröffentlichten Plan-Varianten, erweist sich nach und nach die Unmöglichkeit der Investoren-Ziele. Erhöhte Feinstaub- und Stickoxid-Werte können heute durch einfache Anwohnerklagen zum baurechtlichen Genehmigungshindernis werden. Noch mehr Verkehr mit Dieselfahrzeugen im Pankower Zentrum und an der Prenzlauer Promenade verbietet sich quasi von selbst.

Bei den Schulstandorten muss man schon zurückrudern. Hier ist die schlechte Außenluftqualität längst zum Genehmigungshindernis geworden, weil Schulpflicht und gesunde Lebensverhältnisse am Standort zusammen passen müssen.

Die große Fläche des ehemaligen Rangierbahnhofes mit Anbindung an die Panke-Aue hat in ihrer Ausrichtung als Klima- und Kaltluftschneise eine erhebliche und existenzielle Bedeutung. Wer hier zubaut, schränkt auch den Luftaustausch und die Luftqualität ein. Das kommunalpolitische Versäumnis: trotz umfangreicher Werkstattplanverfahrens-Ansätze und vieler Sitzungen ist in Pankow noch nie das Wort „Stadtklimatisches Gutachten“ gefallen.

Es ist auch nicht einzusehen, dass man inzwischen erfolgreich in Pankow Bürgerbeteiligung und Integrierte Stadtentwicklungskonzepte durchführt, nur am Pankower Tor nicht!

Die Begünstigung des Investors muss aufhören! Es muss harte Kante gefahren werden, und auf städtebaulich kompetente neutrale Gutachter gebaut werden. Die Pankower Politik darf sich nicht länger über den Tisch ziehen lassen, und das für den ganzen Bezirk mit 400.000 Einwohnern zentrale Vorhaben wie einen „Vorhaben- und Erschließungsplan“ behandeln.

Streitfall Rundlokschuppen – das Maß ist voll!

Bezirksamt Pankow und Berliner Senat sollten nun das baurechtliche Instrumentarium zücken, und den Investor wie jeden anderen Schrottimmobilien-Eigentümer enteignen.

Die Verzögerungen am Flughafen Tegel schaffen auch Spielraum bei GRW-Mitteln, um den Rundlokschuppen und das dahinter liegende Gelände in einen Zukunftsort für „Creative Industries“ mit 3-D-Druck, Art & Design, Möbeldesign und zukunftsorientierte Fertigungen – von Industrie 4.0, Roboter-Fertigung und Mensch-Roboter-Kollaboration zu verwandeln.

Es wäre zugleich ein noch fehlender Innovations-Cluster in der Berliner SmartCity-Strategie!

Weitere Informationen:

Verwahrloste Immobilien – Leitfaden zum Einsatz von Rechtsinstrumenten beim Umgang mit verwahrlosten Immobilien

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m/s
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