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Strandbad Weißensee öffnet wieder

Weißer See

Die gute Nachricht zuerst: am 3. Juli öffnet wieder das Strandbad Weißensee, mit strengen Genehmigungsauflagen, Hygieneregeln und täglichen Schließzeiten für eine Desinfektion. Die Regeln sind bis auf Details in allen Berliner Strandbädern einheitlich. Für Pächter Alexander Schüller und seine Strandbad Berlin Weissensee UG ist die Betreiberschaft des traditionsreichen Strandbads zu wirtschaftlichen Abenteuer und zu einer schweren Belastung geworden.

Alte Baulasten des Jahres 2017
Die baubedingten Schließung des Strandbad Weißensee im April-Mai 2017 ist noch immer nicht wirtschaftlich verdaut. Damals wurde die Abwasserleitung durch eine benachbarte Baustelle gekappt. Nach erfolgreichen Krisenmanagements und vielen schlaflosen Nächten beim Strandbad Team um Alexander Schüller, konnte die wichtige Sommer-Attraktion in Weißensee schnell wieder in Betrieb gehen. Doch die zugesagte Schadensersaztzleistung des Verursachers in Höhe von über 160.000 € ist seitdem bis heute ausgeblieben.

Lockdown aufgrund SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung
Im Jahr 2020 nun die Corona-Pandemie und die SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung den wochenlangen Lockdown erzwungen und eine frühe Saisoneröffnung des Strandbad Weißensee verhindert.

Alle privaten Berliner Bäderbetreiber sind inzwischen gleichermaßen tiefer Sorge um Liquidität, Wirtschaftlichkeit und Einhaltung von Zahlungsverpflichtungen. Solange der private Bäderbetreiber (oder seine Mitarbeitenden) nicht selbst an Corona erkrankt, gibt es auch keinen Schadensersatz nach dem Infektionsschutzgesetz.

Die privaten Badbetreiber sind wirtschaftlich wegen teilweisen Wegfall der Geschäftsgrundlage schwer in Not. Nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben müssten alle ahcht Betriebe zwei gute Jahre wirtschaften, um den Corona-Lockdown betriebswirtschaftlich wieder herein zu holen. Da es sich um wetterabhängige Saisonbetriebe handelt, die ihren Betrieb auf Einhaltung vieler Auflagen und damit verbundene Fixkosten stützen müssen, kann ohnehin nicht mit normalen betriebswirtschaftlichen Jahresplanungen gerechnet werden.

Badewasserqualität, Wasserstand, Hygienemaßnahmen zur Corona-Vorsorge und Beschränkungen hinsichtlich Abstand und Besucherzahl beeinflussen das zu erwartende Betriebsergebnis. Der Bademeister und Rettungsschwimmer muss auch bei wenigen Gästen und schlechten Wetter bezahlt werden. Ein Strandbad als reines Strandcafé mit Badeverbot wäre nicht attraktiv. Ein Strandbad hat daher keinen wirtschaftlichen Puffer: entweder es läuft wirtschaftlich tragfähig – oder es bleibt geschlossen.

September 2020: Monat der Angst vor Insolvenz
Die landeseigenen Bäderbetriebe haben den privaten Betreibern zwar Pachtzahlungen gestundet, jedoch nur bis zum September. Kredite für getätigte und vertragliche Investitionen konnten auch nicht wie geplant bedient werden. Spätestens nach den Sommerferien muss ein Hilfsprogramm für alle acht privaten Berliner Bäderbetreiber her. im Fall von Insolvenzen dürfte eine Neuvergabe an private Betreiber wohl scheitern, die Betriebe müssten dann als kommunale Pflichtaufgabe ganz von den Berliner Bäderbetrieben übernommen werden.

Wasserstand des Weißen Sees
Die letzten Trockenjahre haben zu einem Absinken des Wasserspiegels geführt. Aktuell sind rund 82.000 Kubikmeter Wasser im See vorhanden. Die Möglichkeit durch Grundwasserzufuhr den Pegel stabil zu halten, war schon in früheren Zeiten genutzt worden. Doch eine neue Brunnenbohrung wurde notwendig. Da Grundwassernutzungen in Berlin wasserrechtlich genehmigungspflichtig sind, genügte es nicht, einfach einen Brunnen zu bohren. Es musste auch die Wasserqualität geprüft werden, weil üblicherweise Schwebstoffe im Grundwasser zu finden sind. Nach Beprobung stellte sich heraus, dass ein Filter notwendig wird. Das Bezirksamt Pankow musste die Kosten für eine Wasserfilter nachträglich einstellen, sodaß nun sechstellige Kosten für Brunnen plus Wasserfilter entstehen.
Das die Beschaffung dauert, mussten andere Wege gefunden werden, um den Weißen See aufzufüllen-

Berliner Wasserbetriebe helfen mit 30.000 Kubikmetern Wasser aus
Geplant ist, alte Trinkwasserleitungen am Weißen See zu reaktivieren, um dem Gewässer rund 30.000 Kubikmeter Trinkwasser zuzuführen. Alexander Schüller verspricht sich davon eine merkliche Anhebung des Wasserspiegels.

Hygieneauflagen und Betriebseinschränkungen mit Abstandsregeln
Um wirtschaftlich überhaupt über die Runden zu kommen, sind am Tag durchgängig dreistellige bis vierstelligen Gästezahlen notwendig. Viele Regentage hintereinander können dabei das „Aus“ bedeuten. Die Fixkosten eines einzigen Betriebstages können auch nur erwirtschaftet werden, wenn es ausreichend Besucher und Kassenumsätze gibt. Werden die Auflagen zu streng ausgelegt, passen zu wenige Besucher in das Strandbad. Das Strandbad Weißensee macht dann bei voller Sonne Verluste, und rast unaufhaltsam in die Insolvenz.

Zuwenige Besucher aufgrund Abstandsregeln – genau um diesen Punkt wurde daher hinter den Kulissen gerungen. Das Gesundheitsamt Pankow hatte dabei zuerst strengere Regeln im Sinn. Erst berlinweite Abstimmung zwischen Strandbadbetreiber, Gesundheitsamt Pankow und Senat brachte die Genehmigungsgrundlage für die Öffnung des Betriebes. Genehmigt wurden verschiedenen Sitzgruppierungen für gleichzeitig über 300 Gäste im Strandbad Weißensee.

Am 3.Juli 2020 wird das Strandbad Weißensee seine Sommersaison eröffnen. Am frühen Nachmittag gibt es eine Schließzeit, in der die Einrichtungen des Strandbad Weißensee desinfiziert werden. Nachmittags wird dann bis in den frühen Abend geöffnet.

Genaue Öffnungs- und Schließzeiten werden in Kürze auf der Internetseite angezeigt.

Weitere Informationen:

www.strandbadweissensee.de

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m/s