Montag, 22. April 2024
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Viele Fische tot! — Anglerverband bei unsachgemäßer Teichpflege ertappt!

Toter Fisch

In den Heinersdorfer Fischteichen Berlin-Pankow zwischen der Pasewalker Straße und der A114 sind Anfang September massenhaft Fische verendet. Die Gewässer werden vom Pankower Bezirksverband
des Deutschen Anglerverband Landesverband Berlin e.V. bewirtschaftet.

Der Anglerverband legte die Teiche offenbar ohne ausreichende Umsicht trocken. Laut Anwohnern verendeten viele Fische qualvoll.
Nun ist eine Trockenlegung von Fischteichen eine anerkannte Bewirtschaftungsform, die auch positive Effekte hat:

  • durch das Entwässern des Schlammes gelangt der Sauerstoff der Luft in den Boden.
  • organisches Material wird mineralisiert, Faulschlamm oxidiert.
  • für die nachfolgende Entwicklung der Unterwasser-Flora als natürliche Fischnahrung werden optimale Bedingungen geschaffen.

Zeitweises Trockenlegen hat sogar positive Effekte für den Natur- und Artenschutz, wie das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in einer Studie (Nul4196) herausgefunden hat.

Dem Berliner Anglerverband steht nun massiver Ärger und eine Strafverfolgung ins Haus, denn es sind auch streng geschützte Vogelarten betroffen von der Teich-Trockenlegung. Am Standort sind auch zwei Eisvogel-Paare beheimatet.

Das Bezirksamt Pankow ermittelt nun den Hergang und die Tatumstände.

Der Anglerverband hat möglicherweise auch gegen seine eigene Satzung verstoßen, und muss sich mindestens mit einer Sorgfaltspflichtenverletzung auseinander setzen.

In der Satzung § 2 gibt sich der Anglerverband selbst gemeinnützige Zwecke:

„(1) Anliegen des LVB sind die Erhaltung und Pflege der Natur und Landschaft sowie die Gesunderhaltung der Gewässer im Interesse von Erholung und Freizeit, zur Förderung des Sports und zur Sicherung aller Formen einer nachhaltigen Angelfischerei.“

Das Bezirksamt Pankow hat dabei vor allem den Artenschutz im Blick, wie in der Pressemitteilung vom 13.9.2024 verlautet:

„Störungen bei der Nahrungsgrundlage zweier Eisvogel-Brutpaare
Im Vorfeld hätte jedoch mit den für Naturschutz zuständigen Ämtern abgeklärt werden müssen, ob artenschutzrechtliche Bedenken gegen ein derartiges Vorhaben bestehen. Dies ist hier nicht geschehen. Im Umfeld der Heinersdorfer Fischteiche befinden sich zwei Eisvogel-Brutpaare. Die nach Bundesartenschutzverordnung streng geschützten Vögel brüten mehrmals im Jahr bis in den September. Durch den Entzug der Nahrungsgrundlage ist mit erheblichen Störungen für die Vögel zu rechnen. Ob durch das Ablassen der Teiche die Aufzucht von Nachwuchs gestört oder verhindert wurde, wird derzeit artenschutzrechtlich geprüft.“

Zukunftsfrage: Anglerinteressen versus Schwammstadtstrategie?

Eigentümer der Heinersdorfer Fischteichen ist der Deutsche Anglerverband Landesverband Berlin e.V. (DAV LV Berlin e.V.). Diese unterliegen bisher nicht dem Wasserhaushaltsgesetz. Als steuerrechtlich privilegierte bewirtschaftete Anlagen der Teichwirtschaft und Fischzucht dienen sie auch nicht unmittelbar gemeinnützigen Zwecken; sondern ermöglichen mit jedem „Köder am Haken“ eigenwirtschaftliche Zwecke.
So ist die Frage zu stellen, ob diese Gewässer unter den Bedingungen des Klimawandels besser unter die
Aufsicht der Wasserbehörden gehören und in die Berliner Schwammstadt-Strategie eingebunden werden müssen.

Im Jahr 2020 hat die BVV Pankow den Klimanotstand ausgerufen, seit dem ist vor allem Papier beschriftet worden und es sind Unmengen Daten erhoben und zusammengestellt worden.

Angesichts der großräumigen Berliner Wasserhaushaltsbilanz und dem tendenziellen Wassermangel im Nordosten Berlins, muss grundsätzlich neu geplant werden! Denn fehlt das Wasser, kann auch nicht neu gebaut werden — Berlin droht das Schicksal verlorener Maya-Städte.

Die Wiedervernässung von Landschaftselementen ist auch ein großer Beitrag zur Verminderung der Erwärmung der Stadt! — Panke, Heinersdorfer Teiche und ein „Panke-Stausee“ am Pankower Tor sind vermutlich die beste Investition in urbanen Klimaschutz und Stadtentwicklung. — Die Berliner und Pankower Stadtentwicklungspolitik muss daher auch die Interessen von Anglervereinen UND Investoren neu abwägen — Enteignungen nicht ausgeschlossen!

Nach einer Enteignung können Angler- und Bewohnerinteressen auch viel besser umgesetzt werden:

  • Angelpacht ist eine für ehrenamtliche Vereine stabile Betriebsform, die gut mit den Berliner Wasserbetrieben zusammen arbeiten kann.
  • ein „Panke-Stausee“ kann hochwertige Uferrand-Bebauungen bekommen, sogar schwimmende Wohnungen und preisgünstige Pfahlbauten in Wasserlage.
Panke-Stausee als Klimaschutz
Klimanotstand erzwingt neue baurechtliche Abwägungen am Pankower Tor: Panke-Stausee als notwendiger Klimaschutz – Fotomontage: m/s, Pixabay

siehe auch: Weltklima-Notstand: neue Prioritäten sind am Pankower Tor abzuwägen