Montag, 15. April 2024
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Ein Ausflug in die Schönower Heide

Rothirsch in der Schönower Heide

Die Schönower Heide liegt nahe der Berliner Stadtgrenze, nördlich von Schönow. Das 443 ha große Naturschutzgebiet Schönower Heide liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Wandlitz. Als ehemaliger Truppenübungsplatz gehört die Schönower Heide dem Land Berlin und wird heute in Regie der Berliner Forsten renaturiert und bewirtschaftet.
Das „Wildtierbeweidungsprojekt Schönower Heide“ schützt die Landschaft vor Verwaldung, Dam-, Rot- und Muffelwild lebt hier hinter Weidezäunen in fast natürlicher Landschaft, und kann von den Wanderern beobachtet werden. Durch die Beweidung wird die Entwicklung der Besenheide (Calluna vulgaris) begünstigt. Gräser und höher aufwachsende Pflanzen, Birken und andere Baumarten werden abgegrast.
Auf den nährstoffarmen Böden kann sich die Heide entwickeln und immer dichtere Pflanzenteppiche ausbilden.

Blühende Heidelandschaften künden den nahenden Herbst an.
Blühende Heidelandschaften künden den nahenden Herbst an – Foto: © Amina Mendez

Im Jahr 2009 begann der Ausbau des Gebiets für Spaziergänger und Wanderer und als naturnahe Attraktion des Naturparks Barnim. Ein 1,6 km langer Heidepfad führt um das Kerngebiet der Schönower Heide. Informationstafeln vermitteln Wissenswertes über die artenreiche Tierwelt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Heide.

Im Spätsommer zeigt die Heide ihre schönste Seite

Spätsommerlicher Heideteppich vor den Toren Berlins
Besenheide (Calluna vulgaris) – spätsommerlicher Heideteppich vor den Toren Berlins – Foto: © Amina Mendez

Im August/ September blüht die Heide in intensiven Farben, zwischen rosa bis violett. Zwischen den ausgedehnten Flächen mit Besenheide wachsen vereinzelt Bäume. Die Beweidung sorgt für ein eingeschränktes Wachstum, denn im späten Frühjahr wird das frische Grün von des äsenden Weidetieren abgefressen.
Die Heide entwickelt sich aus silbergrasreichen Pionierfluren, die nach und nach von Laubgebüschen, Birken und Kiefern erorbert werden. Das Landschaftsbild bietet in seiner Komposition von mageren und bewaldeten Flächen vielfältige schöne Ausblicke. Strahlend weiße Sandflächen zeigen den nackten geologischen Ursprung des Wandlitz-Ladeburger-Sanders, der nach der letzten Eiszeit entstand.

Auf den nährstoffarmen, trockenen Sandböden der Heidelandschaft gedeihen Pionierflure.
Auf den nährstoffarmen, trockenen Sandböden der Heidelandschaft gedeihen Pionierflure wie das Silbergras (Corynephorus canescens), das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella), der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) und die Sandstrohblume (Helichrysum arenarium) aber auch verschiedene Gehölze, Kiefern, Birken und Eichen – Foto: © Amina Mendez

Die Schönower Heide wird seit dem Abzug der russischen Streitkräfte im Jahr 1993 in Verantwortung der Berliner Forsten zum Naturschutzgebiet entwickelt. Gemeinsam mit der Naturparkverwaltung werden Pflege- und Schutzmaßnahmen zur Revitalisierung der Landschaft umgesetzt. Mit speziellen Plaggmaschinen werden Rohhumus mit Moosen, Flechten und Altheide abgetragen und auch neu verpflanzt. Auf dem nackten Boden sind neue gute Keimbedingungen für Heidesamen entstanden. So kann sich das Heidebiotop neu verbreiten und stabilisieren.

Zahlreiche wärmeliebende Insektenarten und Reptilien siedeln auf den trockenen Heideflächen: Zauneidechsen, Schmetterlinge, Sandlaufkäfer, Heidelibellen, verschiedene Wildbienenarten und Heuschrecken.

Die Vogelwelt ist artenreich, 61 Brutvogelarten wurden nachgewiesen. Darunter befanden sich zahlreiche gefährdete Arten wie Braunkehlchen und Heidelerche, Wiedehopf, Schwarzkehlchen, Waldschnepfe, Ziegenmelker, Raubwürger, Brachpieper. Die Zahl brütender Steinschmätzer geht zurück, die Beseitigung von Gebäuderesten und Schuttablagerungen beseitigt auch ihre ökologischen Nischen. Auch Amsel, Baumpieper, Buchfink, Feldlerche, Fitis und Goldammer können hier gesichtet werden.

Ein besonderes Erlebnis: Rotwild und Damwild

Die ersten Weidetiere des Naturschutzgebietes waren Schafe. Sie wurde im Jahr 2000 angesiedelt. Die Pflege der Heidelandschaften und Sandhabitate war erfolgreich und hat den Artenreichtum gefördert. Im Jahr 2008 zählten Naturschützer 205 Pflanzenarten in der Schönower Heide. Weitere Tierarten wurden 2013 angesiedelt, dazu zählten Muffel- Dam- und Rotwild. Mit ein bisschen Glück können Spaziergänger heute diese Wildtiere beobachten. Sie sind inzwischen an Menschen gewöhnt, ihre Fluchtreflexe sind nicht mehr sehr ausgeprägt. Bei ruhiger Beobachtung am Zaun, lassen sich Damwild, Muffelwild und Rotwild nicht mehr durch neugierige Blicke und Kameraaugen besonders stören.

Rot- und Damwild, aber auch Schafe und Wildpferde leben im Naturschutzgebiet Schönower Heide.
Rot- und Damwild, aber auch Schafe, Mufflons und Wildpferde leben im Naturschutzgebiet Schönower Heide – Foto: © Amina Mendez

Der 5 km lange Wildwanderweg führt einmal um das gesamte Beweidungsareal herum. Der Weg hat genau die richtige Länge für einen Tagesausflug. Der Weg ist auch gut mit leichtem Schuhwerk zu laufen. Ein Unterstand auf dem Beobachtungsberg ist zugleich Wetterschutz.
Auf 16 Informationstafeln wird die Heidelandschaft und das Naturprojekt informiert. Ein Heidequiz gibt ein Bildungsanreize, sich näher mit der Natur zu befassen.
Das Naturschutzgebiet Schönower Heide ist inzwischen eine lohnende Attraktion im Naturpark Barrnim und einen Tagesausflug wert.

In der Nähe des "Tors zur Heide"
Offene Mager-Vergetation In der Nähe des „Eingangstor zur Heide“ – Foto: © Amina Mendez

Weitere Informationen:

Anreise:
Die Schönower Heide ist gut barrierfrei erreichbar, mit ÖPNV, Rad und KfZ.

ÖPNV: S2 Richtung Bernau bis Haltestelle Zepernick, Bus 900 bis Schönow Kirche. Abfahrt zur vollen Stunde bis zum Haltepunkt Zepernicker Straße. Vorn dort sind es ca. 700 m Fußweg.
Kfz: A114, Hobrechtsfelder Chaussee, an der Schönwalder Chaussee nach Rechts zum Parkplatz Schönower Heide.

www.schönower-heide-verein.de

a/m