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Bezirksamt nimmt Stellung

Buchholzer Kelterei in der Insolvenz:
Bezirksamt nimmt Stellung

Apfelsaft-Kelterei

Die beliebte Buchholzer Kelterei hat zum Jahresende 2019 Insolvenz angemeldet und den Betrieb eingestellt. Das Bezirksamt Pankow hat nun auf Bürgeranfragen reagiert, die die bezirkliche Lebensmittelaufsicht mit ihren harten Kontrollen in die Kritik brachten.

Das Bezirksamt Pankow hat zur Situation der Buchholzer Kelterei mit einer Stellungnahme reagiert, die hier im Wortlaut wiedergegeben wird:

„In jüngster Zeit erreichen das Bezirksamt vermehrt Bürgeranfragen und Beschwerden zur Buchholzer Kelterei, die auf Fehlinformationen zurückzuführen sind, hier eine Richtigstellung: Richtig ist, dass die Lebensmittelkontrolle im letzten Jahr nach wiederholten Kontrollen in den letzten drei Jahren die Stilllegung der Produktion veranlasste. Diese wurde unter Auflagen im Sommer wieder aufgehoben, da dem Bezirksamt bekannt war, dass zur Erntezeit, viele Kleingärtner und Gartenbesitzer ihr Obst in diesem Unternehmen verarbeiten lassen. Zu diesem Zeitpunkt schickte sich nach bereits erfolgter Insolvenz ein Interessent an, den Geschäftsbetrieb der Buchholzer Kelterei wieder auf ein festes Fundament zu stellen, dies auch mit Unterstützung des Bezirksamtes Pankow.

Man muss konstatieren, der Betrieb zeichnete sich durch unzureichende Hygiene und Schutzmaßnahmen gegen Schädlinge und Schimmel aus. Die Beanstandungen seitens der Lebensmittelkontrolle lagen über Jahre vor, leider versäumte es die Geschäftsführung diese Beanstandungen in eigenes Handeln umzusetzen. Die Situation hatte sich indes weiter verschlechtert bzw. verschärft.

Das Bezirksamt war zu jeder Zeit bestrebt, gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter, eine Lösung zu finden, die den Fortbestand dieses Unternehmens sichert. Inwieweit die Planungen des Investors im weiteren Geschäftsablauf womöglich revidiert werden mussten, entzieht sich der Kenntnis des Bezirksamtes.

Der Bezirksstadtrat für Umwelt und öffentliche Ordnung, Daniel Krüger (für AfD) dazu: “Nachvollziehbar ist der Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger, dass dieses traditionsreiche Familienunternehmen im Ortsteil Buchholz in diese Situation gekommen ist. Fakt ist aber, nicht die Auflage des Bezirksamtes im Frühsommer 2018, sondern ein über Jahre hinausgezögertes verantwortliches Handeln des Unternehmens ist maßgebend für die aktuelle Situation.“

Förderung ortsansässiger Unternehmen in Pankow?

Die Buchholzer Kelterei hatte für das schwierige Saisongeschäft wohl eine zu kleine Betriebsgröße. Mindestens 2,5 Millionen Liter Jahresabsatz sind für eine Apfelsaft-Kelterei eine wirtschaftliche Mindestgröße, um einen modernen mechanisierten Betrieb mit Bandpresse, Pasteurisierung, Abfüllanlage, Flaschenreinigung und Flaschenlagertechnik zu betreiben.

Im Obstbaugebiet Werder und Großkreutz hatte die Humbold-Universität im Rahmen der Agrarwirtschaftsförderung 2003 sogar Mindest-Betriebsgrößen von 9,3-21,9 Mio. Litern Absatzmenge empfohlen. Bundesweit überleben aber auch kleine mobile Keltereien, und im Markt kommt es vor allem auf die Erzeugerqualität und Kundenbindung an.

Ob die Buchholzer Kelterei heute noch eine Chance zum Neustart hat, hängt von einem stabilen und kreativen Betriebskonzept ab.

Sechsstellige Investitionen in moderne und lebensmittelhygienisch leicht wartbare Produktionsanlagen sind notwendig. Das setzt einem inhabergeführten Familienbetrieb heute hohe Hürden.

Immerhin: der eingeführte Name, das Betriebsgrundstück und die vorhandene Betriebserfahrung sind ein Wert, der für eine Neuinvestition eingebracht werden kann.

Um einen Neustart zu unterstützen, gäbe es sicher manche Helfer und Unterstützer in Pankow. Schon 2013 wurde u.a. der SPD-Pankow ein „PankowMarkt“ mit lokal hergestellten Produkten aus 13 Ortsteilen vorgeschlagen, das aber leider unbeachtet blieb.

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m/s
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