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»Wendezeit« – Geburt einer neuen Epoche

Kristina Spohr: »Wendezeit«

Das Jahr 1989 hat nicht nur Deutschland und Europa verändert, für die ganze Welt begann damit eine neue Epoche, deren Ende wir gerade erleben. Als im Revolutionsjahr 1989 in Berlin die Mauer fiel und in Peking auf dem Tiananmen-Platz die Proteste blutig niedergeschlagen wurden, veränderte sich die ganze Welt dramatisch.

Der Kalte Krieg war zu Ende, eine ganze neue Weltordnung entstand. Kristina Spohr spürt in ihrem neuen Buch »Wendezeit« der Neuordnung der Welt nach, die sich seit 1989 entwickelt hat. In ihrer bemerkenswerten Studie rückt sie die Perspektiven zurecht, denn noch im Frühjahr 1989 gingen das westliche Verteidigungsbündnis und die Militärplaner von der Gefahr einer großen atomaren Ost-West-Konfrontation aus, die sich in dem Szenario der regelmäßigen Nato-Stabrahmenübungen wiederspiegelten.

Ein zufällige Ironie des Frühjahrs 1989: die Nato-Übung Wintex/Cimex 89 wurde durch den damaligen Übungskanzler (Manöver-Jargon „BK-Üb“) Waldemar „Schrecki“ Schreckenberger abgebrochen, als er nach dem geplanten Wintex-Szenario einen Atomschlag auf deutschen Boden hätte auszulösen müssen. Die Außenminister James Baker (USA) und Eduard Schewardnadse ( UdSSR ) verhandelten derweil in Wien über umfangreiche Abrüstungsschritte. Und in der damaligen UdSSR begann der Prozess der Desintegration der föderalen politischen Strukturen, die am 21. Dezember 1991 mit der Erklärung von Alma-Ata (1991) zur Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und dem faktischen Zerfall der Sowjetunion mündeten.

Nach Ihrer umfangreichen Einleitung beginnt Kristina Spohr auch nicht mit dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung, sondern in Kapitel 1 mit „Die Neuerfindung des Kommunismus: Russland und China.“ Kapitel 2 behandelt den „Sturz des Kommunismus in Polen und Ungarn.“ Erst in Kapitel 2 wendet sich die Autorin Deutschland zu: „Deutschland wiedervereinigen, den Ostblock auflösen.“

Auf Basis unzähliger unbekannter Quellen und dicht an den handelnden Personen schreibt Kristina Spohr eine neue große Geschichte dieser doppelten Wendezeit. Ihre wegweisende Studie zeigt, wie es gelang, den Übergang in eine neue Epoche so friedlich zu gestalten und wie die Richtungsentscheidungen der Jahre von 1989 bis 1992 unsere Welt bis heute formen.

Kristina Spohr schlägt dabei den Boden vom Aufbau eines freien und ganzen Europa, bis zum „Anbruch einer neuen Ära“, die sie mit ersten Ausblicken „Pazifisches Jahrhundert“ nennt.

Es is ein spannendes und detailreiches Buch, das zu einem tieferen Verständnis unserer heutigen Weltordnung hinführt, und die enge deutsche Ost-West-Nabelschau ablöst.

Über die Autorin
Kristina Spohr ist erste Inhaberin der Helmut-Schmidt-Ehrenprofessur am Henry A. Kissinger Center for Global Affairs an der Johns Hopkins University in Washington, D.C., und lehrt außerdem internationale Geschichte an der London School of Economics. Spohr hat an der University of East Anglia, am Sciences Po in Paris und der University of Cambridge studiert und war ein Jahr lang als Senior Research Fellow im Büro des NATO-Generalsekretärs im Hauptquartier in Brüssel tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die internationalen Beziehungen und besonders die Geschichte Deutschlands im globalen Kontext seit 1945. Sie publiziert in Zeitschriften zu aktuellen Themen der Weltpolitik und ist Autorin und Herausgeberin mehrerer Bücher; auf Deutsch ist von ihr das vielbeachtete Buch »Der Weltkanzler« (2016) über die Außenpolitik Helmut Schmidts erschienen.

Kristina Spohr: »Wendezeit«

Kristina Spohr
Wendezeit

Die Neuordnung der Welt nach 1989

Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz, Helmut Dierlamm
Originaltitel: Post Wall, Post Square. Rebuilding the World after 1989
Originalverlag: Harper Collins
Hardcover mit Schutzumschlag, 976 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
Mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-421-04835-6 – € 42,00
Erschienen am 21. Oktober 2019


12. November 2019 | 18:00 Uhr
Kristina Spohr: »Wendezeit«
– Vortrag und Diskussion –
Kooperationsveranstaltung von Universität Potsdam und Konrad-Adenauer-Stiftung

Anmeldung: Stephan.Raabe@kas.de | Tel. 0331-748876-0

Universtität Potsdam | Am neuen Palais 10 | Haus 9 / Raum 1.14. | 14469 Potsdam

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