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Die Beiträge zur Krankenversicherung steigen wieder

Herzinfarkt

Grundsätzlich hängen die Beiträge zur Krankenversicherung mit den Behandlungskosten im Gesundheitssystem zusammen. Wenn sich die Kosten erhöhen, kommt es zu Beitragsanpassungen. Das gilt für die gesetzlichen wie auch die privaten Krankenversicherungen. Für 2023 steht eine Beitragserhöhung von durchschnittlich drei Prozent an. Dabei gibt es zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung keine so gravierenden Unterschiede. In der PKV sind die Beitragseinnahmen von 2012 bis 2022 um durchschnittlich 2,6 Prozent im Jahr gestiegen. In der GKV waren es im gleichen Zeitraum 3,3 Prozent. Das hat das WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV – analysiert.

In Deutschland muss jeder krankenversichert sein, entweder privat oder gesetzlich. - Foto: Michael Schwarzenberger, Pixabay CC 0
In Deutschland muss jeder krankenversichert sein, entweder privat oder gesetzlich. – Foto: Michael Schwarzenberger, Pixabay CC 0

Wann dürfen die Versicherungen die Beiträge anpassen?

Für die Beitragsanpassungen durch die Versicherungsunternehmen gibt es gesetzliche Regelungen. Die genauen Vorschriften schützen die Versicherten. Die private Krankenversicherung darf den Beitrag nur dann erhöhen, wenn die Versicherungsleistungen in einem bestimmten Tarif erheblich teurer werden. Dabei ist ein Prozentsatz von maximal zehn Prozent festgelegt. Ob die Abweichung tatsächlich in entsprechender Höhe vorliegt, wird von einem unabhängigen Treuhänder kontrolliert. Da es nicht jedes Jahr zu solch erheblichen Kostensteigerungen kommt, dürfen die Versicherer auch nicht jedes Jahr die Beiträge anpassen.
Steht eine Beitragsanpassung an, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Sie können sich dann nach einem anderen Versicherer umsehen, der günstigere Tarife anbietet. Ein Krankenkassenvergleich kann dabei sehr hilfreich sein.

Alternativen, die zur Beitragssenkung beitragen können

Wer eine private Krankenversicherung hat, hat jederzeit die Möglichkeit, den Tarif zu wechseln, wenn sich dadurch der Versicherungsschutz nicht ändert oder nach dem Wechsel niedriger ist. Dabei darf es weder Gesundheitsprüfungen noch Wartefristen geben. Auf diese Möglichkeiten weise die Versicherungsunternehmen ihre Kunden regelmäßig hin, wenn es zu Beitragsanpassungen kommt.
In einer freiwilligen Selbstverpflichtung garantieren die Versicherungsunternehmen, dass sie ihren Service beim Tarifwechsel verbessern und die wechselwilligen Kunden umfassend beraten. Die Beratung ist persönlich und bedarfsgerecht. Anfragen zu einem Tarifwechsel beantworten sie innerhalb von 15 Tagen. Schon ab 55 Jahren erhalten die Versicherten Tarifalternativen, wenn es zu Beitragserhöhungen kommt. Gesetzlich verpflichtet sind sie dazu erst, wenn die Versicherten 60 Jahre oder älter sind.
Wer den Tarifwechsel in Erwägung zieht, um seinen Beitrag zu senken, sollte den Versicherungsschutz genau überprüfen. Gibt es Leistungen, die weniger wichtig oder unverzichtbar sind? Manchmal kann auch ein Selbstbehalt dabei helfen, den Beitrag wieder bezahlbar zu machen.
Wenn es finanziell besonders eng wird, hat jeder privater Krankenversicherer gesetzlich verankerte Sozialtarife: den Basis- und den Standardtarif.

Auch im OP-Saal hat sich viel verändert. Operationsmethoden werden für die Patienten immer schonender. Foto: Sasin Tipchai, Pixabay CC 0  
Auch im OP-Saal hat sich viel verändert. Operationsmethoden werden für die Patienten immer schonender. Foto: Sasin Tipchai, Pixabay CC 0  

Warum steigen die Beiträge überhaupt an?

In Deutschland steigen die Kosten des medizinischen Fortschritts stetig an. Diese Veränderungen der Vorjahre müssen die Versicherungen regelmäßig in ihre Beiträge einkalkulieren, sobald sie einen bestimmten Schwellenwert übersteigen. Es erfolgt ein aufholende Beitragsanpassung an die reale Kostenentwicklung. Die Versicherten zahlen also nachträglich für allgemeine Teuerung in der Medizin. Oft bleibt der Beitrag mehrere Jahre stabil. Sind die Phasen ohne Beitragserhöhungen besonders lang, kommt es oft zu heftigen Beitragsanpassungen.
Die gesetzlichen Vorgaben verhindern, dass die Beitragsentwicklung verstetigt wird. Daher versucht der PKV-Verband schon seit Jahren den Gesetzgeber davon zu überzeugen, die Kalkulationsvorschriften zu ändern. Dann wäre die Beitragsentwicklung gleichmäßiger, die Verbraucher würden nicht mit drastischen Beitragserhöhungen konfrontiert.

Wirken sich die niedrigen Zinsen auf die PKV-Beiträge aus?

Die PKV sorgt typischerweise mit den Beiträgen auch für die höheren Gesundheitskosten im Alter vor, die die meisten Versicherten betreffen. Jeder bezahlt also auch für seine Zukunft. Durch die europäische Niedrigzinspolitik ist dieses System allerdings schon seit einigen Jahren stark belastet. Das Geld legt die PKV in Kapitalanlagen an, die langfristige Zinserträge bringen. Diese Zinserträge entlasten die Beitragszahler. Da diese Erträge jetzt fehlen, ist es notwendig, höhere Beitragszahlungen zum Ausgleich zu verlangen. Es ist sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass die steigenden Ausgaben für die medizinische Versorgung im Alter vollumfänglich abgesichert sind. Die Zinswende von 2022 lässt die Versicherer steigenden Erträge erwarten. Das wird sich dann für die Versicherten beitragsdämpfend auswirken. Das ist gesetzlich garantiert.

Zusatzbeitrag bei den gesetzlichen steigt erheblich

Für 2023 hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach einen deutlichen Anstieg der Zusatzbeiträge angekündigt. Der Anstieg soll 0,3 Prozentpunkte betragen. Bei den gesetzlichen Krankenversicherungen besteht der Beitrag aus zwei Komponenten: der allgemeine Beitragssatz und der Zusatzbeitrag. Der allgemeine Beitragssatz ist auf 14,6 Prozent vom Bruttoeinkommen festgelegt. Den Zusatzbeitrag, der derzeit bei durchschnittlich 1,3 Prozent liegt, bestimmen die Versicherer selbst. Die Beitragsteile zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte. Die Versicherer befürchten dennoch ein Finanzloch in Milliardenhöhe.

Fazit

Auch wenn es niemanden begeistert, steigende Beiträge für den medizinischen Fortschritt zahlen zu müssen, ist dabei aber auch zu sehen, dass sich der persönliche Leistungsanspruch stark verändert hat. Die Leistungen waren noch nie so umfassend wie heute. Früher kam ein Herzinfarkt fast immer einem Todesurteil gleich. Heute gibt es zahlreiche, lebensrettende Behandlungsmöglichkeiten. Mit modernen Geräten können die Ärzte strahlungsarm in den Körper schauen. Immer mehr Medikamente sind maßgeschneidert. Noch vor einigen Jahren waren nach einer Blinddarmoperation lange Narben zu sehen. Heute operieren die Ärzte mikroinvasiv, dabei entstehen nur noch kleine Einstichlöcher, die später kaum noch zu sehen sind. Von diesen allgemeinen Entwicklungen profitiert jeder Einzelne. Die medizinische Versorgung ist wesentlich besser geworden. Dafür geben die Bundesbürger prozentual gesehen auch mehr von ihrem verfügbaren Einkommen aus.

m/s