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Bedarfsanalyse zur Zukunft der Mode

Lena Lukjanova, Textile Art Berlin 2017

Die Berliner Modebranche wird im Rahmen des Projekt Zukunft stark gefördert. Die Branche hat ca. 25.400 Erwerbstätige (2017) und erwirtschaftet rund 5,5 Mrd. Euro (= ca. 216.535 €/Beschäftigten und ca. 18.044 € pro Monat ).

Das Mode-Spektrum in Berlin ist vielseitig und reicht von hochpreisiger Couture und Schneiderkunst über Eco Fashion bis zu Streetwear und von Einzelstücken bis hin zu Kollektionen. Auch die Accessoire- und Schuh-Sparte gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Doch die Wertschöpfungskette in der Mode beschleunigt sich: schon Sekunden nach einem Auftritt auf dem Laufsteg werden Bilder und neue Schnittmuster analysiert, ins Internet hochgeladen und von cleveren Fabrikanten nachempfunden und produziert. Während Berliner Talente sich noch für Laufstegerfolge feiern, beginnt irgendwo in der Welt schon das Geschäft.

Die hohe Dichte von neun Ausbildungsstätten und zwei Design-Hochschulen zahlt sich nur aus, wenn es gelingt, die Wertschöpfung von Produktion, Marketing und Verkauf werthaltig zu optimieren, und im globalen Preiswettbewerb mitzuhalten.

Unternehmen wie Zalando können Mode-Designer_innen zum Erfolg verhelfen. Für Modemarken, Boutiquen und stationären Handel ist es aber eine Bedrohung, denn die Transaktionsdaten bei Facebook, Google und Instagram werden in „personalisierte Werbung“ in den besten Kundengruppen ausgespielt. Wer den Datenstrom in Echtzeit analysieren und personalisierte Bestpreis-Angebote auf mobilen Endgeräten ausspielen kann, gewinnt auch im Geschäft mit neuer Designermode. Die Wertschöpfungskette für neues Design verdichtet und verkürzt sich – und damit werden Gründungen und Neustarts immer schwieriger.

Mode made in Berlin
Mode made in Berlin: Chart von Projekt Zukunft – Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Beschleunigung und Volatilität sorgen für Krise und ständige Neuerfindung

Die Erfolge der Bread & Butter als größter Branchen-Event seit 2003 in Berlin sind seit 2017 Geschichte. Nachdem das erfolgreiche Konzept von Zalando übernommen wurde, ist es nun praktisch tot, auch wenn Zalando die Marke noch am Leben hält. Auch die diesjährige Fashion Week ist in eine neue Krise geraten, weil die Premieren-Events nicht mehr öffentlich sind, und nur noch handverlesenes Publikum mit Akkreditierung Zutritt bekommt.

Die großen Branchen-Events werden offenbar immer kleiner und spezieller: Modemesse Panorama Berlin, Selvedge Run, Modemesse Premium in der STATION BERLIN, die Modemesse SEEK in der Arena, die Show & Order und die Messe NEONYT Berlin als globaler Hub für Mode, Nachhaltigkeit und Innovation im Kraftwerk Berlin kämpften vom 2-4.Juli 2019 gleichzeitig um Aufmerksamkeit und Fachpublikum. Die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin (MBFW) hat sich als Leitevent etabliert, aber die großen Marken halten sich zurück.

Textil- und Modebranche im Umbruch

Denn Kaufhauskrise und Online-Konkurrenz drücken auf die Bilanzen. Ein Umbruch ist im Gang, von dem noch nicht klar ist, wie es ausgeht. Primark sowie die Discounter Lidl und Aldi mischen mit. Und KIK räumt die Preise von Unten auf.

Viele Modemarken sind seit 2016 in die Krise geraten: Escada, Strenesse und Zero und die Pleite der Adler- und Boecke-Steilmann-Gruppe eröffneten den Reigen. Gerry Weber, Esprit,Tom Tailor, René Lezard. Roeckl, Basler, Gardeur und Biba erwischte es 2017. Andererseits hat sich das Unternehmen C & A erfolgreich zu einem Weltunternehmen entwickelt und bringt den Markt für Biobaumwolle voran.

In Berlin musste die die zwölf Jahre erfolgreiche DIY-Verkaufsplattform schließen, die vor allem Frauen als Nebenerwerb in der Mode- und Textilbranche Einkommen sicherte. Dawanda ist 2019 von der US-Plattform Etsy übernommen worden. Von neuen Erfolgsstories und neuen Vollerwerbs-Betrieben hört man derzeit nichts.

Einzig die international und künstlerisch ausgerichtete TEXTILE ART BERLIN entwickelt sich zu einem stabilen kreativen Faktor.

Die 15. TEXTILE ART BERLIN im Phormbs Campus in Berlin Mitte verzeichnete kürzlich ihren bisher besten Zuspruch. Die Nähe zwischen Design. Textilkunst und klassischen und traditionelle Textilhandwerken und Volkskunst bietet unerwarteten kreativen Spielraum. Etwa die dreidimensionale Webtechnik der Textildesignerin Renate von Löwis of Menarca, die den 2000 Jahre alten Ghiordes Knoten nutzt und sogar mit Textilkunst malt. Oder die Kunst von Plumassier Yannick Delplace, der als einer der wenigen Kunsthandwerker Kleidung mit Federn schmückt. Seltenheitswert haben auch die Kunststickereien, die Lycée Paul Lapie in Lunéville gelehrt werden, das sich erstmals in Berlin präsentierte.

Ein großer Trend ist aber erkennbar, die niederländische Trendforscherin Lidewij Edelkoort ist sich sicher:

„Das Bild des Designers als einsames Genie hat längst ausgedient. Die Zukunft liegt stattdessen in Design-Kollektiven, die Kreativität ebenso teilen wie Finanzielles – und sich gerade deshalb im Design mehr Risiken erlauben und neue Dinge ausprobieren können.“

Bezirksämter Mitte und Pankow starten Bedarfsanalyse zur Zukunft der Mode

Die Bezirksämter Mitte und Pankow starten das Projekt „Bedarfsanalyse der Modewirtschaft“, das der Entwicklung eines Modehauses für Designer, Mode-Produzenten, Lieferanten oder auch Sales-Agenturen und angrenzender Gewerke dienen soll, so gaben es die
Wirtschaftsstadträtin von Pankow, Rona Tietje (SPD) und der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Bündnis 90/Grüne) in einer Pressemitteilung vom 01.08.2019 bekannt.

Mittelfristiges Ziel ist der Aufbau eines gemeinsamen, kooperativen Textil-Standortes im Bezirk Mitte oder Pankow, der eine bezirksübergreifende Anlaufstelle für Modeschaffende bilden soll.Das Projekt wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie durch die Bezirke Mitte und Pankow gefördert.

Der Wortlaut der Pressmitteilung ist hier nazulesen:

Bezirksämter Mitte und Pankow starten Bedarfsanalyse zur Zukunft der Mode | 01.08.2019


Themenvorschau: „Zero-Flat-Markets in Berlin – Märkte ohne Digitalprovision in SmartCities“ ab 1.9.2019 in:

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